Geschichte

Ein Rückblick auf die Institutionsgeschichte der HfH

 

Die Anfänge

„Kaum hat je eine derartige Schule und Bildungsstätte mit einfacheren Mitteln begonnen. Sie haben mit 3 Tischen, 19 Stühlen, einer Wandtafel, einem Bleistift und einem Stück Kreide angefangen" (1. Jahresbericht des HPS 1924/25, S.1).

Der erste Jahreskurs des Heilpädagogischen Seminars Zürich (HPS) wurde am 8. April 1924, mit acht Studierenden und ebenso vielen Dozierenden, unter der Leitung des Rektors Heinrich Hanselmann eröffnet.

Vier Jahre zuvor fand im Restaurant Strauhof in Zürich die Gründungsversammlung des „Verbandes Heilpädagogisches Seminar Zürich" statt. Einer der Hauptinitiatoren war Johannes Hepp (1879-1963), damaliger Direktor der kantonalen Blinden- und Taubstummenanstalt in Zürich Wollishofen. Der Verein setze sich zum Ziel, eine Ausbildungsstätte für heilpädagogische Lehrpersonen zu schaffen, denn das Bedürfnis nach qualifizierten Fachpersonen war seit der Einführung der Schulpflicht im 19. Jahrhundert stetig gewachsen. Da Schülerinnen und Schüler mit Lernschwierigkeiten nur teilweise dem Unterricht folgen konnten, ertönte bald der Ruf nach Sonderklassen und -schulen. Mit deren Schaffung ging die Forderung nach einer besonderen Ausbildung der Sonderschullehrkräfte einher, denn die Ausbildungssituation der heilpädagogischen Lehrpersonen war bis zur Gründung des Heilpädagogischen Seminars eine individuelle Angelegenheit. Johannes Hepp hielt in einem Sitzungsprotokoll aus dem Jahre 1922 fest:

 

"Die überwiegende Zahl dieser in der Heilerziehung tätigen Lehrkräfte hat sich durch das Selbststudium in das Besondere ihrer Aufgabe hineingearbeitet. Erleichtert ihnen ihr Pflichtgefühl und ihr Opfermut ihre Aufgabe, so fühlen sie doch das Unzulängliche ihrer Vorbildung. (…)  Der Weg des Selbststudiums ist zu mühsam und zu unvollkommen." (Johannes Hepp: 1. Protokollbuch des HPS, 23. April 1919 – 22. November 1922, S.8/9).

 

Nach langen, zähen Verhandlungen über die Ausrichtung, Finanzierung und Einbindung in die Universität Zürich, wurde das HPS letztlich zu einer ausseruniversitären Bildungsstätte. Die Verbindung des HPS mit der Universität Zürich wurde noch enger, als Heinrich Hanselmann 1931 einen ausserordentlichen Lehrstuhl in Heilpädagogik erhielt – den ersten europäischen Universitätslehrstuhl in diesem Fachgebiet.

Bewegte Zeiten

Heinrich Hanselmann war von 1923-1940 Rektor des HPS und Lehrstuhlinhaber an der Uni- versität Zürich. Nach seiner Pensionierung wurde Paul Moor in beiden Ämtern sein Nachfolger. Die beiden Vorsteher erweiterten das Seminar durch wichtige Einrichtungen, wie dem Landerziehungsheim Albisbrunn, als praktischem Ausbildungsort und einer Erziehungsberatungsstelle. Auch äussere Rahmenbedingungen beeinflussten die Entwicklung des Seminars. Wegen der wirtschaftlich schlechten Situation mussten während des 2. Weltkrieges Jahreskurse abgesagt werden und auch ideologisch blieb die Institution vom einengenden Zeitgeist, insbesondere rund um das Thema der Eugenik, nicht verschont.

 

Die Weiterentwicklung des Heilpädagogischen Seminars

1961 wurde Paul Moor durch Fritz Schneeberger als Rektor des HPS abgelöst. Da er im Unterschied zu seinen Vorgängern nicht habilitierte, wurde die bisherige Personalunion von Lehrstuhlinhaber für Sonderpädagogik an der Universität Zürich und Seminarleitung des HPS aufgehoben. Auf der einen Seite gewann das Seminar auf diese Weise an institutioneller Unabhängigkeit, andererseits verlor es wichtige Verbindungen zur Universität. Schneeberger prägte vor allem eine Umstrukturierung des Seminars. So wurde 1972 das Studium neu in ein allgemeines Grundstudium und Spezialausbildungen gegliedert, die auch für das ausserschulische heilpädagogische Berufsfeld qualifizierten. Insbesondere waren dies die Psychomotorische Therapie und Logopädie. Zudem wurde die Abteilung „Allgemeine Fortbildung" geschaffen und im Jahre 1981 erstmals ein „Sonderkurs für Früherzieher" durchgeführt.

Das HPS entwickelte sich weg von einer engeren Sichtweise der schulischen Heilpädagogik, hin zu einem breiteren Verständnis der gesamten Sonderpädagogik. Waren die Ausbidlungsangebote lange mehrheitlich in Form von Abend- und Kurzkursen organisiert, lag der Schwerpunkt nun auf mehrjährigen, professionalisierteren Studiengängen.

 

Vom Heilpädagogischen Seminar zur Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik (HfH)

Das Heilpädagogische Seminar Zürich wurde 2001 zur Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik Zürich (HfH). Im selben Jahr zog die HfH aus dem Hause Turnegg, an der Kantonsschulstrasse , und all seinen in den Jahren hinzu gemieteten Aussenräumlichkeiten, in die City Bernina an der Schaffhauserstrasse um. Nun waren alle Angebote der HfH unter einem Dach vereint.

City Bernina

City Bernina

„Am 6. September 2001 wird das 76jährige Heilpädagogische Seminar (HPS) durch eine Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik Zürich (HfH) am neuen Standort City Bernina ersetzt. Die Trägerschaft ist von ursprünglich vier auf nunmehr 13 Trägerkantone und das Fürstentum Liechtenstein ausgedehnt worden, und die HfH muss als grösste Ausbildungsstätte ihrer Art mehr als die Hälfte der deutschsprachigen Bevölkerung der Schweiz mit heilpädagogischen Fachkräften versorgen"

(Pressemitteilung des Präsidenten des Hochschulrates Dr. A. Straessle anlässlich der Eröffnungsfeier der HfH, 2001).

Die folgenden Jahre waren geprägt von Anpassungen der Studiengänge an die Erklärung von Bologna. Zwischen 2005 und 2006 wurden die Bachelor- und Masterstudiengänge der HfH von der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) anerkannt. Ihren tausendsten Studienplatz besetzte die HfH 2008.

Die autonome Hochschule setzt sich zum Ziel ein überregionales Kompetenzzentrum für Heilpädagogik zu sein und hält in ihrem Leitbild den Kernauftrag fest:

 

„Wir leisten durch Lehre, Forschung und Entwicklung sowie Dienstleistungen einen Beitrag an die Lebensqualität von Menschen in beeinträchtigenden Erziehungs- und Bildungsverhältnissen und an das Zusammenleben mit ihnen"

(Leitbild der HfH 2007, S.2).

 

Zurück zu den Anfängen…

Heinrich Hanselmann formulierte seine Zukunftsvorstellungen des Heilpädagogischen Seminars in einem Prospekt aus dem Jahre 1926 mit den folgenden Worten, ohne zu wissen, dass fast 82 Jahre später Vieles seiner Vision Realität wurde:

 

„ (…) das Heilpädagogische Seminar [ist] bestrebt zum geistigen Mittelpunkt der Bildung, Erziehung und Fürsorge auf dem Gesamtgebiet des Abnormenwesens sich allmählich auszugestalten. Dieses Ziel soll u.a. erreicht werden durch periodische Veranstaltungen von kürzeren Fortbildungskursen für Anstaltsleiter und -Lehrer, für das Hilfspersonal von Anstalten, für entsprechend tätige Juristen, Ärzte, und Geistliche, im fernern durch Schaffung einer schweizerischen Auskunftsstelle, eines Ausleihdienstes für Heilpädagogische Literatur durch Anregung der wissenschaftlichen Forschung auf diesem Spezialgebiet (…) usw."

Die Rektoren HPS / HfH

Heinrich Hanselmann

1923-1940

Paul Moor

1940-1961

Fritz Schneeberger

1961-1984

Hannes Dohrenbusch

1984-1989

Thomas Hagmann

1989-2002

Urs Strasser

ab 2002

Literaturempfehlung zur Institutionsgeschichte:

Schriber, Susanne (1994): Das Heilpädagogsiche Seminar Zürich – Eine Institutionsgeschichte. Dissertation. Zürich: Zentralstelle der Studentenschaft.