Bericht aus der Praxis

Irina Davatz

Irina Davatz

Irina Davatz hat ihr Studium in Gebärdensprachdolmetschen 2007 an der HfH abgeschlossen. Sie lebt in Zürich-Altstetten

 

Wie sieht Ihr beruflicher Werdegang aus?

Ich absolvierte das Lehrerseminar in Chur und arbeitete danach als Primarlehrerin. Nicht in Regelklassen, sondern immer in Kleinklassen mit Schülerinnen und Schülern mit speziellen Bedürfnissen. Direkt nach Abschluss des Lehrerseminars arbeitete ich an einer Privatschule, in der wir uns an den normalen Lehrplan halten mussten.

In meiner Klasse hatte es aber einige Kinder, die verhaltensauffällig und lernbehindert waren und eine besondere Betreuung benötigten. Danach arbeitete ich in einem Heim für Kinder und Jugendliche mit Lernbehinderungen als Einzelförderungslehrerin und im selben Jahr, 1999, begann ich mit dem Studium «Geistigbehindertenpädagogik» am damaligen Heilpädagogischen Seminar. Das HPS ging während meiner Studienzeit in die HfH über und der Studiengang wurde in «Pädagogik für Menschen mit geistiger Behinderung» umgetauft. Während des Studiums arbeitete ich als Klassenlehrerin. Nach dem Studium wechselte ich  meine Stelle und begann in der Schule für Gehör und Sprache zu arbeiten. Berufsbegleitend besuchte ich zudem ab Sommer 2003 die Ausbildung «Gebärdensprachdolmetschen» an der HfH.

 

Als was arbeiten Sie heute?

Neben meiner Anstellung als Heilpädagogin arbeite ich so oft es geht als Gebärdensprachdolmetscherin. Zudem bin ich Mutter und Hausfrau.

 

Wie sieht Ihr Berufsalltag als Gebärdensprachdolmetscherin aus?

Ich dolmetsche an völlig unterschiedlichen Orten, überall dort, wo gehörlose und hörende Menschen aufeinander treffen und eine Dolmetscherin bestellen, damit die Kommunikation einfacher bzw. überhaupt möglich wird. Wir Gebärdensprachdolmetscherinnen und Gebärdensprachdolmetscher haben einen Vertrag mit der Procom, die uns Einsätze vermittelt.

 

Welche Eignungen sind wichtig für das Studium und den Beruf der Gebärdensprachdolmetscherin?

 Freude an Sprachen und an verschiedenen Kulturen und die Bereitschaft, die eigene Person zurück zu nehmen. Ausserdem braucht es in diesem Beruf die Fähigkeit, sich selbst einzuschätzen und die Bereitschaft, die eigene Arbeit immer wieder zu reflektieren. Wer sich für diesen Beruf entscheidet, muss sich bewusst sein, dass er oft alleine arbeitet.

 

Was hat Ihnen das Studium für den Berufsalltag gebracht?

Ich habe im Studium das Grundgerüst für den Beruf gelernt. Es wurde mir erst nachträglich bewusst, wie viel vom Gelernten ich direkt im Beruf umsetzen kann.

 

Wie haben Sie den Weg vom Studium ins Berufsleben geschafft?

Alle, die die Abschlussprüfung als Gebärdensprachdolmetscherin bestanden haben, kriegen einen Vertrag mit der Procom. Zweimal pro Woche erhalten wir von der Procom per Mail Dolmetschanfragen. Jede Dolmetscherin kann selbst entscheiden, welche und wie viele Einsätze sie annehmen will und kann. Dank der guten Vorbereitungen auf den Beruf vor allem während der Praktika, erlebte ich einen guten Einstieg in den Beruf – obwohl fünf Tage nach der Diplomfeier mein Sohn zur Welt kam und ich dann zuerst noch Mutterschaftsurlaub hatte, bevor ich richtig in den Beruf einsteigen konnte.

 

Was hat Sie an diesem Beruf gereizt?

Mich hat die Gebärdensprache schon lange fasziniert. Das Spannende an diesem Beruf ist, dass ich in so vielen verschiedenen Situationen arbeite, an Orten, die mir vorher fremd waren. So eröffnen sich neue Welten und auch neue Herausforderungen.

 

Welches sind die grössten Schwierigkeiten, denen Sie in Ihrem Beruf begegnen?

Wenn ich die hörende Person, zum Beispiel wegen ihres Dialekts, schlecht verstehe oder Mühe habe, der gehörlosen Person zu folgen. Dann muss ich jeweils viel nachfragen und unterbrechen. Ich arbeite erst seit Januar 2008 als Gebärdensprachdolmetscherin und merke, dass ich noch mehr Erfahrung brauche.

 

Welches sind die schönsten Erfolge?

Wenn mir Kundinnen und Kunden spontan eine Rückmeldung geben, mich loben, dass es gut geklappt hat.

 

Interview, Sarah Stähli, 2008