Psychomotoriktherapie und Prävention

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Psychomotorik und Prävention

An dieser Stelle wird ein mögliches Präventionsverständnis der Psychomotorik-therapie aufgezeigt:  Die Prävention im pädagogisch-therapeutischen Feld umfasst eine grosse Bandbreite, so dass sich selbst in der Therapie präventive Anteile finden lassen. Die folgende Darstellung verdeutlicht dies und zeigt auf, dass Aspekte der Prävention vor, während und nach einer Psychomotoriktherapie vorhanden sein können: Vernetzung von Therapie und Prävention in der Psychomotoriktherapie vernetzung_pmt_praevention_therapie.jpg Die Darstellung  zeigt, dass unter Prävention in der Psychomotoriktherapie kein statisches Modell verstanden wird. Die einzelnen Bereiche fliessen ineinander, hier zeigt sich z.B. ein Schnittpunkt  zu den Förder- bzw. Grossgruppen, die nach der Psychomotoriktherapie ansetzen.

Unserer Ansicht nach ist die Grundintention jeder Prävention, die Kinder zu fördern, bevor sich Störungen manifestieren. Die Zielorientierung der Prävention kann dabei zwei Gewichtungen haben, die sich unterschiedlich auf die Zielgruppe und die Massnahmen auswirken. Einerseits kann das Ziel der Prävention in der Verhinderung (1) bestehen und anderseits in der Stärkung (2):

  1. Ziel ist es, zukünftige Störungen, Beeinträchtigungen oder Schädigungen zu verhindern. Dies geschieht im Sinne einer Problemvorbeugung, die im direkten Zusammenhang mit den Annahmen über die Ursachen der zu vermeidenden Krankheiten oder den normalen Entwicklungsverläufen steht (vgl. Kuschel 2008).
  2. Ziel ist es, das Risiko für eine negative Entwicklung zu minimieren und die kindlichen Kompetenzen zu stärken. Dies kann durch die Minimierung von Risikofaktoren und dem Aufbau von Schutzfaktoren erreicht werden. Dazu gehören bspw. die Verbesserung der sozialen Beziehungen von Elternhaus und Kindergarten sowie die guten Beziehungen zu Gleichaltrigen (vgl. Beelmann 2000).

Bei dem übergeordneten Ziel der Prävention,  Risiken einer möglichen negativen Entwicklung zu minimieren, besteht die Absicht, kontrollierte Risiken zuzulassen und die Kinder darin zu ermutigen, ihre Grenzen zu erweitern (vgl. Vetter, Kuhnen & Lensing-Conrady 2008, S.30). In diesem Sinne geht es nicht um eine Verhinderung von Risiken, sondern um eine bewusste Auseinandersetzung damit. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es wichtig, dass die Zielgruppe miteinbezogen wird. "Prävention bedeutet, Kinder in ihrer Auseinandersetzung mit Risiken zu begleiten und zu unterstützen" (Knauer 2006, S.4).

Spezifische Ziele der Psychomotorik in der Prävention sind:

  • (senso-) motorische Kompetenzen stärken: Grob-, Fein- und Grafomotorik sowie Wahrnehmung im Hinblick auf die Förderung der Eigentätigkeit des Kindes, die Anregung zum selbstständigen Handeln und die Erweiterung seiner Handlungskompetenz und Kommunikationsfähigkeit
  • sozio-emotionale Kompetenzen stärken: prosoziale Fähigkeiten, Konfliktlösefähigkeiten und Beziehungsfähigkeiten im Zusammenspiel mit kognitiven Fähigkeiten, verbaler und nonverbaler Ausdruck von Emotionen sowie das Erkennen, Verstehen und Regulieren eigener und fremder Emotionen
  • Unterstützung der Eltern und Bezugspersonen
  • Networking: Intensivieren der Beziehungen zwischen Eltern, Kindergarten und Schule
  • themenspezifische Aufklärung 
  • Früherfassung

Über die Medien Bewegung und Spiel kann das Ziel der Prävention in der Psychomotorik eine Kompetenzerweiterung sein, so dass sich das Kind mit sich selbst, seiner materialen sowie personalen Umwelt auseinandersetzt und entsprechend einer Problemlösung handeln kann. Zielpersonen sind (immer) die Kinder, trotzdem sind sie nicht immer die Adressaten der Massnahme.

Vertiefungstext Psychomotorik und Prävention mit Literaturangaben grundver_psychom_praev_gesamttext.nb.pdf

 

 

Agenda

Präventive Arbeitsweisen

Methoden und Strategien der Prävention

Aufklärung:

Im Vordergrund steht hierbei die Sensibilisierung und Information bzgl. des ausgewählten Themas. Die Methoden der Aufklärung zielen darauf ab, ein erweitertes Problembewusstsein zu erzeugen. Zu den Methoden der Aufklärung gehören themenspezifische Informationsanlässe wie Elternabende, Weiterbildungen für Fachpersonen sowie im weiteren Sinne die Öffentlichkeitsarbeit.

 

Spezifische Beratung:

Beratung im Sinne der Prävention steht zwischen der o.g. Aufklärungsarbeit und der therapeutisch-begleitenden Beratung. Hierbei zielt die Beratung mehr auf kurzfristige Lösungsansätze und spezifische Themen ab und bezieht die aktive Arbeit mit Lehrpersonen, Eltern und anderen Fachpersonen mit ein. Zu den Methoden können weiterhin auch Weiterbildung und Anleitung zu speziellen Themen und Programmen gehören. Beispielsweise kann zuerst damit begonnen werden die Kindergarten- und Unterstufenlehrpersonen zu beraten, sie dann gezielt weiterzubilden und in das gewählte Thema (z.B. Bewegungsbaustelle) einzuführen.

Früherkennung:

Zur Früherkennung gehören alle Massnahmen mit dem Ziel, die Beobachtung von Problemen in einem frühen Stadium oder von Anzeichen für diese Probleme zu systematisieren, den Austausch dieser Beobachtungen zu regeln und entsprechende behandelnde Massnahmen einzuleiten. Klassische Beispiele für Massnahmen der Früherkennung sind die Reihenuntersuchungen oder das Screening nach Naville. Die HfH hat in Zusammenarbeit mit der Fachstelle Psychomotorik-Therapie der Stadt Zürich ein Verfahren entwickelt, das einen engen Bezug zur ICF und zum schulischen Standortgespräch aufweist und damit an aktuelle Instrumente und Verfahren im Rahmen der Psychomotoriktherapie anknüpft - mit dem Ziel, eine gemeinsame "Sprache" zu sprechen.

Präventive Programme bzw. Projektarbeit:

Diese Massnahmen setzen direkt an der Zielgruppe an und haben den Aufbau und die Stärkung von kindlichen Kompetenzen zum Ziel. Neben gezielten Projekten zu ausgewählten Thematiken und Zielgruppen lassen sich hier auch sogenannte "Fördergruppen" sowie die Arbeit in bzw. mit der ganzen Klasse finden. Diese Kinder benötigen nicht das Setting einer Therapie, sondern profitieren von der Arbeit mit grösseren Gruppen. Verschiedene Förderprogramme setzen an dieser Stelle an (z.B. G-Fipps, Bewegungslandschaften, Bewegungsbaustelle). Weiterhin haben viele engagierte Psychomotoriktherapeutinnen und -therapeuten eine Vielzahl an Praxisprojekten erarbeitet.

Stolpersteine der Prävention

Rahmenbedingungen

Der zeitliche und personale Aufwand für Prävention kann immens sein, wobei vor allem der Faktor der Organisation nicht unterschätzt werden darf. Eine Dokumentation und Evaluation der Präventionsmethoden kann diesbezüglich den Aufwand und die benötigten Ressourcen festhalten. Es ist wichtig, einer Überforderung und Belastung der Therapeutinnen und Therapeuten entgegenzuwirken und die realistische Umsetzung der Prävention zu beachten.

 

Kooperation

Diesbezüglich ist es sinnvoll, Bedarf und Interesse mit dem Kooperationspartner abzuklären und die Form der Kooperation zu bestimmen. Mögliche Formen der Kooperation sind: Teamteaching, Austausch und Fachberatung, Lektionen zur Kompetenzvermittlung, kurzfristige Mitarbeit in Projekten etc. Die Zusammenarbeit beruht auf gegenseitiger Wertschätzung und häufig auf persönlicher Kontaktbasis.

 

Wirksamkeit

Im Präventionsbereich zeigen sich sehr heterogene Ergebnisse und die Erforschung der Wirksamkeitsfaktoren steht noch aus. Die Problematik der Präventionsforschung dabei besteht darin, eine Prognose bezüglich des Nichteintretens eines Risikos zu stellen und dann die entsprechenden Massnahmen zu evaluieren und aufzuzeigen, welche Faktoren das Risiko im Endeffekt verhindert haben.