Bericht aus der Praxis

Geraldine Imboden (Jahrgang 1980) hat ihr Studium 2008 abgeschlossen. Sie arbeitet im Früherziehungsdienst Bern auf der Zweigstelle Burgdorf und lebt in Bern.
Anmerkung: Seit 2009 wird das Studium der Heilpädagogischen Früherziehung an der HfH als Masterstudiengang in Sonderpädagogik mit Vertiefungsrichtung Heilpädagogische Früherziehung angeboten. Geraldine Imboden absolvierte ein Zusatzstudium nach dem alten Reglement.
Wie sieht Ihr beruflicher Werdegang aus?
Ich habe im Wallis die Matura absolviert und danach Schulische Heilpädagogik an der Universität Fribourg studiert. Direkt nach dem Studium arbeitete ich in der Früherziehung im Kanton Bern und nach zwei Jahren Berufserfahrung begann ich schliesslich mit dem Studium der Heilpädagogischen Früherziehung an der HfH, das ich im Sommer 2008 abschloss.Im Kanton Bern ist es Pflicht, dass man erst zwei Jahre arbeiten muss, bevor mit der Ausbildung begonnen werden kann. Während dieser zweijährigen Anstellung hatte ich einmal in der Woche die Gelegenheit, eine Fachberatung zu beanspruchen. Dort wird man unterstützt und kann Fragen zu sachlichen Inhalten stellen. Die zwei Jahre Berufserfahrung brachten mir viel. Ich konnte so mehr vom Studium in Zürich profitieren.
Wo arbeiten Sie heute?
Zurzeit arbeite ich zu 80% als Früherzieherin im Früherziehungsdienst Kanton Bern, in der Zweigstelle Burgdorf.
Wie sieht Ihr Berufsalltag als Früherzieherin aus?
Morgens gehe ich ins Büro und erledige administrative Arbeiten. Danach besuche ich die Familien zuhause. Ich bin den ganzen Tag mit einem Dienstauto unterwegs. Meistens besuche ich zwei Familien am Morgen und am Nachmittag mache ich in der Regel zwei weitere Hausbesuche. Anschliessend kehre ich ins Büro zurück, evaluiere die Stunden und erledige weitere administrative Arbeiten. Abends stehen manchmal noch Elterngespräche an. In meiner Arbeit betreue ich Kinder zwischen 0 und 7 Jahren, die sehr unterschiedliche Probleme haben: schwere körperliche Behinderungen, geistige Behinderungen, Lernbehinderungen oder Verhaltensauffälligkeiten. Der Grund weshalb wir die Familien besuchen, ist immer das Kind. Die Elternarbeit ist aber auch sehr wichtig. Ich versuche, die Eltern so gut wie möglich in meine Arbeit einzubeziehen. Die Aufgabe liegt darin, die Eltern zu unterstützen und in Erziehungsfragen zu beraten. Je nach Behinderung geht es auch darum, dass die Eltern ihr Kind mit einer Behinderung akzeptieren lernen. In meiner Arbeit mit den Kindern versuche ich als erstes, herauszufinden, wo das Kind in seiner Entwicklung steht. Die meisten Kinder haben eine Entwicklungsverzögerung. Ich versuche heraus zu finden, was ich den Kindern anbieten kann, damit sie in ihrer Entwicklung weiter kommen. Dabei ist es wichtig, die Kinder zu motivieren.
Welche Eignungen sind wichtig für das Studium und den Beruf der Früherzieherin?
Flexibilität im Studium und Job sind sehr wichtig sowie eine Offenheit gegenüber Neuem. Um die Schwierigkeiten, die während der Arbeit auf einem zukommen, auszuhalten, braucht es gute Belastbarkeit. Es ist nicht immer einfach, Studium, Job und Privatleben unter einen Hut zu bringen. Man ist auch oft alleine unterwegs und verantwortlich für die Familien. Deshalb ist es wichtig, dass man sich Unterstützung vom Team holen kann. Es ist ein anspruchsvoller Beruf.
Was hat Ihnen das Studium für den Berufsalltag gebracht?
Mein Studium an der Uni Fribourg war eher theoretisch. An der HfH wurde das Wissen vertieft und uns wurde beigebracht, wie wir die Theorie in der Praxis anwenden können. Wichtig war für mich auch der Austausch mit den Studienkolleginnen. Wir konnten Schwierigkeiten, die im Job auftreten, zusammen besprechen. Dieser fachliche Austausch war Gold wert. Dadurch, dass sich Studierende aus der ganzen Deutschschweiz an der HfH aus- und weiterbilden, bekam ich zudem ein Bild davon vermittelt, was Früherziehung schweizweit bedeutet.
Wie haben Sie den Weg vom Studium ins Berufsleben geschafft?
Ich arbeitete, wie gesagt, bereits zwei Jahre, bevor ich mit dem Studium an der HfH begann und arbeitete auch während dem Studium weiterhin drei Tage die Woche im Früherziehungsdienst. Ich finde es ausgesprochen wichtig, bereits vor dem Studium Berufserfahrung sammeln zu können.
Was hat Sie an diesem Beruf gereizt?
Die Arbeit mit Kindern und Eltern. Und auch das Interdisziplinäre; mit verschiedenen Fachleuten zusammen zu arbeiten. Der Beruf ist abwechslungsreich und herausfordernd. Jeder Tag ist anders.
Welches sind die grössten Schwierigkeiten, denen Sie in ihrem Beruf begegnen?
Das immer wieder neue Themen auf einem zukommen. Dies ist aber gleichzeitig auch die Herausforderung. Die Arbeit mit dem ganzen Netz, mit all den Fachleuten ist nicht immer einfach. Manche Familien haben zudem viele Probleme. Für Eltern mit einem behinderten Kind, ist es oft schwierig, das zu akzeptieren.
Welches sind die schönsten Erfolge?
Wenn die Ziele, die man sich zusammen mit den Eltern gesteckt hat, erreicht werden. Es sind oft kleine Fortschritte, die erreicht werden. Am schönsten ist es, wenn ich eine Familie mit gutem Gefühl abgeben, verabschieden kann. Wenn ich weiss: das kommt gut. Es ist wichtig, am Ende des Tages zurück schauen und zu sagen, was gut gelaufen ist, denn die grossen Erfolge sieht man nicht jeden Tag.
Interview: Sarah Stähli, 2008


