Projekte

A.8.1 Veränderung der Befindensqualität Hörgeschädigter vom Kindesalter zum Jugendalter (2010-2012)

Team

Audeoud Mireille
Lienhard Peter

Langzeiterfassung des subjektiven aktuellen und habituellen Befindens hörgeschädigter integrierter und separierter Kinder und Jugendlicher mit Experience Sampling Method

Ausgangslage und Ziel

Wie geht es hörgeschädigten Kindern in ihrem Alltag, wie erleben sie diesen? Dies wurde mit einer ersten Studie (A.8 Audeoud & Wertli, 2009, http://www.hfh.ch/projekte_detail-n70-r76-i708-sD.html) beforscht; es geht ihnen mehrheitlich gut. Es bestehen jedoch in der Mental-Health-Forschung im Hörgeschädigtenbereich divergierende Befunde bezüglich Lebensqualität und Befindensqualität hörgeschädigter Kinder und Jugendlicher in der schulischen Integration; es scheinen hörstatusspezifische Entwicklungstendenzen sichtbar zu sein, die eine Zunahme der Stresssymptomatik bei zunehmendem Alter anzeigen, nicht unbedingt aber eine gleichzeitige Abnahme des Wohlbefindens. Die dem vorliegenden Projekt vorangehende Studie zeigte einen höheren Aktivierungsgrad der hörgeschädigten 11- bis 13- jährigen Kinder (insbesondere der einseitig und leichtgradig Hörgeschädigten) gegenüber ihren hörenden Peers in der integrativen Schulung.

Ziel

der vorliegenden Studie ist es, in einem Längsschnittdesign die Entwicklung der Befindensqualität schulisch integrierter Hörgeschädigter (14-16 jährig) zu beschreiben und diese mit den hörenden Peers zu vergleichen. Eine weitere Vergleichsgruppe gleichaltriger Hörgeschädigter im separativem schulischen Setting (Querschnittdesign) soll zudem Befunde liefern, die den Unterschied des Settings untersuchen.

Fragestellungen

Zu beantworten sind folgende Forschungsfragen:
  1. Gibt es bedeutsame Unterschiede zwischen hörenden und hörgeschädigten 14- bis 16-jährigen Jugendlichen in ihrem heutigen Befinden? Gibt es zudem innerhalb der Gruppe der Hörgeschädigten Unterschiede zwischen integriert und separiert beschulten Hörgeschädigten in ihrer Befindensqualität? Ist also das Schulsetting ein beeinflussender Faktor?
  2. Gibt es bedeutsame Unterschiede zwischen hörenden und hörgeschädigten Jugendlichen in ihrem aktuellen Befinden? (Forschungsfrage 2a)
    Welchen Effekt haben die aktuellen Bedingungen im Alltagssetting (Lautstärke, Sozialform, Beteiligung anderer am eigenen Tun) auf das aktuelle Befinden bei hörenden und hörgeschädigten Gruppen? (Forschungsfrage 2b)
    Sind diese Effekte unterschiedlich in den beiden Beschulungssettings?
  3. Inwiefern ist eine Veränderung zwischen Erhebungszeitpunkt 1 (Vorstudie und Erhebungszeitpunkt 2 im habituellen Befinden gegeben? Welche Veränderungen gibt es im aktuellen Befinden zwischen den beiden Zeitpunkten?

Studiendesign

Stichprobe:
  • Hörgeschädigte und hörende Jugendliche der vorangehenden Studie A.8 in der Integration (jetzt 14-16 Jahre alt)
  • Hörgeschädigte der vorangehenden Studie in separierter Beschulung („Wechsler" in Hörgeschädigtenschulen)
  • Zusätzlich ganze Klassen hörgeschädigter Jugendlicher (14-16) in separierter Beschulung (Hörgeschädigtenschulen) mit gleichen Voraussetzungen der vorangehenden Studie (keine kognitive Beeinträchtigung oder zusätzliche Behinderungen) Einerseits wird damit die Veränderung dieser Jugendlichen nachgezeichnet. Andererseits sind Gruppenvergleiche möglich.
Erhebungsmethode:
Im Zentrum der Erhebung steht die Experience Sampling Method (ESM): Ein signalkontingentes Zeitstichprobenverfahren, welches ohne verzerrende Erinnerungseffekte und ohne Fremdsicht durch Beobachtung, das direkte Erleben, die subjektive Wahrnehmung des Befindens in einer je aktuellen Situation misst. Dabei haben die Jugendlichen während 7 Tagen ein i-Phone bei sich, auf dem sie fünf Mal pro Tag zu unterschiedlichen Zeitpunkten einen Fragebogen ausfüllen. So wird jeweils das aktuelle Befinden festgehalten. Zusätzlich wird am Schluß der Erhebungswoche mit standardisierten Fragebogen erhoben.

Instrumente:
  • aktuelles Befinden mit ESM (mit PDA, ESF der Vorstudie, Audeoud & Wertli,2009) über eine Woche, 5 Zeitpunkte pro Tag,
  • als Schlussfragebogen: habituelles Befinden und Lebensqualität mit kiddo-KINDL (Ravens-Sieberer & Bullinger, 2000, für Jugendliche), Stresssymptomatikaus SSKJ 3-8 (Lohaus et al., 2006), Persönlichkeitsdimensionen „big five"(Schallberger & Venetz, 1999)

Erste Zwischenergebnisse

Erste Analysen zeigen, dass die Lebensqualität aller Jugendlichen altersgemäss ist, dass es keine Unterschiede zwischen den hörgeschädigten und hörenden Jugendlichen gibt; mit Ausnahme des schulischen Wohlbefindens, bei dem die separativ beschulten Hörgeschädigten einen signifikant tieferen Wert haben.
Die Veränderung zur ersten Erhebung ist für alle Jugendlichen signifikant schlechter (entwicklungsgemäss), es gibt jedoch keine bedeutsamen Interaktionseffekte zwischen Jugendlichengruppe und Erhebungszeitpunkt: entgegen der Vorannahmen hat sich die Lebensqualität oder auch das Stressvorkommen oder die Stresssymptomatik der Hörgeschädigten nicht signifikant stärker verschlechtert.
Bezüglich des aktuellen Befindens in den Situationen (ESM) gibt es keine signifikanten Gruppenunterschiede, deskriptiv gesehen muss jedoch angezeigt werden, dass die hörgeschädigten Jugendlichen tendentiell höhere Aktivierungslevel haben, sowohl in positiver Aktivierung aber vor allem auch in ihrer negativen Aktivierung.

Projektteam

  • lic. phil. Mireille Audeoud, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Bereich Forschung und Entwicklung der Hochschule für Heilpädagogik Zürich
  • Monika Grossen
  • Prof. Dr. phil. Peter Lienhard, Dozent im Bereich Dienstleistungen der Hochschule für Heilpädagogik Zürich

Publikation

Audeoud, M. & Wertli, E. (2011). Nicht anders, aber doch verschieden. Befindensqualität hörgeschädigter Kinder in Schule und Freizeit. Bern: SZH

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