Projekte
D.6 Effekte familienergänz. Betreuung im Vorkindergartenalter auf die Schulleistungen (06-08)
Team
Lanfranchi AndreaSempert-Niederegger Waltraud
Venetz Martin
Ausgangslage
Im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms 39 im Bereich Migration untersuchte eine Forschungsgruppe (Lanfranchi, Gruber & Gay, 2003), wo und wie die vier- und sechsjährigen Kinder in drei Schweizer Städten betreut werden. Eine erste Erhebung bei einer Stichprobe von 876 schweizerischen, albanischen, türkischen, portugiesischen und italienischen Kindern fand 1998 in Winterthur, Neuchâtel und Locarno statt. Ein Jahr später - die jüngeren Kinder waren nun im Kindergarten und die älteren in der ersten Klasse - wurden die Lehrpersonen zum Leistungsstand der jeweiligen Kinder befragt. Diese Resultate wurden mit der früheren Betreuungsform (zu Hause mit der Mutter, Krippe, Spielgruppe, Tagesmutter, Verwandte oder Nachbarn) in Verbindung gebracht. Als Hauptergebnis steht fest, dass familienergänzend betreute Kinder von ihren Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen der ersten Primarschulklasse in den sprachlichen, kognitiven und sozialen Fähigkeiten signifikant besser beurteilt werden als Kinder, die ausschliesslich im Kreise der eigenen Familie aufgewachsen sind. Insbesondere Kinder aus Migrationsfamilien bewältigten dank dem Übergangsraum einer familienergänzenden Einrichtung die Einschulung deutlich besser als Kinder, die sich ohne diesen vermittelnden Bezug in einer für sie zunächst fremden Lebenswelt behaupten müssen.
Ob die quantitativ und qualitativ gewonnenen Ergebnisse wissenschaftlich gültige Schlussfolgerungen zu nachhaltigen Effekten hinsichtlich des Erfolgs der untersuchten Kinder im weiteren Schulverlauf zulassen, konnte nicht endgültig beantwortet werden: Der Zeitraum der longitudinalen Studie (1998 bis 1999) war zu kurz, um auch längerfristig valide Aussagen über die Variable Schulerfolg machen zu können. Mit dem aktuellen Forschungsprojekt sollen die Kinder aus dem damaligen Sample ein drittes Mal erfasst werden, um die Frage nach möglichen Langzeiteffekten zu überprüfen.
Hauptfragestellung
Hat familienergänzende Betreuung im Vorschulalter (in Krippen, Tagesfamilien, etc.) nachhaltige Effekte auf den Schulerfolg, d. h. können die in der Schuleintrittsphase festgestellten positiven Effekte auch nach einer Zeitspanne von 7 Jahren noch nachgewiesen werden?
Methode
Zur Verfügung steht ein Sample mit breit gefächerten Daten von 642 Kindern, ihren Familien sowie Lehrpersonen aus dem Jahr 1999/2000. Für die neue Erfassung des Leistungsstandes (gemessen an der zuletzt erreichten Schulstufe bzw. an der Leistungsniveau-Einteilung und an den Zeugnisnoten) beschränkt sich diese Studie auf die Population von Winterthur und Locarno (N = 535). Rechnet man aufgrund der Mobilität der Familien, der Rückkehr von Migrantinnen und Migranten und der Teilnahmeverweigerung an einer erneuten Erfassung mit ca. 20 % Verlusten, bleiben für die quantitative Untersuchung ca. 425 Fälle zur Verfügung. Die Eltern werden mittels telefonischer Interviews befragt. Zusätzlich werden ca. 8 Familien in einer qualitativen Teilstudie nochmals zu Hause besucht und interviewt, damit überprüft werden kann, inwiefern die damals getroffenen Prognosen hinsichtlich des weiteren Schulverlaufs der Kinder stichhaltig waren.
Literatur
Lanfranchi, A. (2002). Schulerfolg von Migrationskindern. Die Bedeutung familienergänzender Betreuung im Vorschulalter. Opladen: Leske + Budrich.
Lanfranchi, A., Gruber, J. & Gay, D. (2003). Schulerfolg von Migrationskindern dank transitorischer Räume im Vorschulbereich. In H.-R. Wicker, R. Fibbi & W. Haug (Hrsg.), Migration und die Schweiz. Ergebnisse des Nationalen Forschungsprogramms "Migration und interkulturelle Beziehungen" (S. 481-506). Zürich: Seismo.
Projektdauer: 6/2006 - 6/2008
Finanzielle Unterstützung
Schweizerische Nationalfonds
Projektbearbeitung
Lic. phil. Patrizia Hauser, Prof. Dr. Andrea Lanfranchi, Sarah Rusconi, Merita Tafilica, Mesut Gönç, Hava Shala Gerguri, lic. phil. Waltraud Sempert
Projektleitung und Kontakt
Prof. Dr. Andrea Lanfranchi, Dozent HfH; e-mail:


