Projekte
B.9 IV-Anlehre in Berufsschule und Betrieb (2006–2008)
Team
Audeoud MireilleHäfeli Kurt
Ausgangslage und Ziele
Im Zuge des neues Berufsbildungsgesetzes werden bisherige Ausbildungen in den nächsten Jahren durch neue Ausbildungen abgelöst; ehemalige Anlehren (BBT) werden in Eidgenössische Berufsatteste (EBA) umgewandelt. Für Jugendliche, die diese Ausbildungen nicht absolvieren können, besteht die Möglichkeit einer praktischen Lehre, der IV-Anlehre, welche dann privatrechtlich geregelt ist. Deren Stellenwert auf dem Arbeitsmarkt ist jedoch unklar und dürfte stark variieren.
Im Rahmen der vorliegenden Evaluation wurden 12 junge geistig und/oder psychisch Behinderte während zwei Jahren in ihrer IV-Anlehre zum/r „Pferdewart/in" (vgl. www.sv-hpr.ch) begleitet. Das Innovative an dieser Ausbildung stellt der Besuch einer regulären Berufsfachschule (Strickhof) dar. Damit soll u.a. die Integration in die Arbeitswelt gefördert werden.
Ergebnisse zeigen den Gewinn dieses Berufsschultages einerseits für die jungen Erwachsenen: Fachliche und sozial-emotionale Kompetenzen wurden gefördert, sie konnten mit besonderer Unterstützung in angemessenem Tempo lernen und handeln (evt. mit Verlängerung für ein drittes Lehrjahr), die Mehrheit konnte im ersten Arbeitsplatz (Nischenplätze) vermittelt werden und einige haben eine Rentenverminderung erreicht. Andererseits wurde mit den Ergebnissen auch sichtbar, welche Kompetenzen und Kooperationen mit der Unterstützung der jungen Erwachsenen verbunden sind. Es ist beispielsweise durchaus praktikabel, auch einen Berufsschulunterricht unter heilpädagogischen Aspekten zu gestalten (Teamteaching, situatives Lernen, etc.). Damit die Lernenden den Theorie-Praxis-Transfer schaffen, bedürfen sie einer Unterstützung gegeben durch die Kooperation von Berufsschule und Betriebe. Um den Übergang von der Ausbildung in die Arbeit zu schaffen, muss das Unterstützungsnetz (Kooperation zwischen Betrieben, Arbeitsstellen, Ausgebildete, Eltern oder Stellvertreter, IV-Berufsberatung) eine Weile bestehen bleiben, über die Vermittlung hinaus.
Methode
In dieser qualitativen Evaluation wurden durch eine Befragtentriangulation an drei Erhebungszeitpunkte die Lernenden, die Berufsschullehrpersonen und die Ausbildenden per Interview befragt (Ausbildungsgelingen, Kooperationen, Unterstützungsmassnahmen); bei der Dritterhebung wurden zudem noch die Arbeitgebenden (Vermittlungsprozess) und die Berufsschuldirektion (Ausbildungserfolg) befragt. Mit mehrtägigen Beobachtungen wurde die Alltagsrealität erhoben. Zudem wurde sogar ein so abstraktes Erhebungsinstrument wie die soziale Netzwerkkarte (Betroffene zeichnen ihr eigenes soziales Netz) erfolgreich eingesetzt.
Nebst strukturierender Inhaltsanalyse wurde eine Typisierung durchgeführt, die darstellt, wie sich die Übergänge gestalten können, welche Gewinne sich zeigen und mit welchen Schwierigkeiten umzugehen ist.
Projektdauer: 09/2006 – 08/2008
Auftraggeber
Schweizerische Vereinigung für Heilpädagogisches Reiten und Voltigieren (SV-HPR)
Finanzierung
Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT)
Projektleitung
Prof. Dr. Kurt Häfeli, Bereichsleiter Forschung und Entwicklung, HfH; e-mail:
Projektbearbeitung
Lic.phil. Mireille Audeoud; wissenschaftliche Assistentin Forschung und Entwicklung, HfH; e-mail:
Publikationen
Camenzind, H. & Audeoud, M. (2008). Von der Notwendigkeit von innovativen Wandlungen bei Attestausbildungen für IV-Anlehrlinge. In K. Häfeli: Berufliche Integration für Menschen mit Beeinträchtigungen – Luxus oder Notwendigkeit?. Luzern: Edition SZH.
Audeoud, M. & Häfeli, K. (2008). Berufsschule für IV-Anlehrlinge – ein innovatives Projekt. Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik, 5/2008, S.12-17.
(Publikation zum Schlussbericht wird bald erscheinen)


