Projekte

A.9 Förderliche Unterrichtsbedingungen für Schulkinder mit einer ADHS (2007-2010)

Team

Gyseler Dominik
Seewald Christina

Studie zur Umsetzbarkeit neurowissenschaftlicher Erkenntnisse

Problemstellung

Sie träumen vor sich hin, können sich kaum konzentrieren oder wollen einfach nicht stillsitzen: Schülerinnen und Schüler mit einer Aufmerksamkeitsdefizit8208;/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) haben oftmals besondere pädagogische Bedürfnisse. Sie fallen durch ihr Verhalten – sei es durch Unaufmerksamkeit, Impulsivität, Hyperaktivität oder Aggressivität 8208; auf und machen es der Lehrperson oft nicht einfach den geplanten Unterricht abzuhalten.

Die Kernmerkmale einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) umfassen Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität. Sie werden bei etwa 5% der Schülerinnen und Schüler im Primarschulalter festgestellt, womit sie einen der Themenschwerpunkte der Schulischen Heilpädagogik darstellt. In den letzten Jahren sind eine Reihe von Studien zur ADHS durchgeführt worden, wobei die Umsetzung der Erkenntnisse in die Praxis in erster Linie auf die Weiterentwicklung medikamentöser und therapeutischer Ansätze ausgerichtet ist und der Bereich schulischer Massnahmen vergleichsweise vernachlässigt wird. Zudem befassen sich die aktuellen Studien zu den Lernvoraussetzungen von Schülerinnen und Schülern mit einer ADHS fast ausschliesslich mit der Frage, welche mentalen Prozesse genau beeinträchtigt sind (Misfit-Konstellation). Davon ausgehend werden eine klare Strukturierung sowie angemessene Anforderungen als zentrale Merkmale einer optimalen Lernumwelt gefordert. Es fehlen jedoch Erkenntnisse zu den Lernvoraussetzungen, mit denen Schülerinnen und Schüler mit einer ADHS schulische Anforderungen erfolgreich bewältigen (Fit-Konstellation).


Ziel

Das Ziel der Studie besteht darin, Grundlagen für die Ausarbeitung optimaler Lernanforderungen für Schülerinnen und Schüler mit einer ADHS bereitzustellen. Insbesondere soll präzise ausgeführt werden, was unter einem «strukturierten Unterricht» genau zu verstehen ist und welche Effekte er erzeugt.


Fragestellungen

  1. Gibt es einen Zusammenhang zwischen Lerneffekten, die mit einer klaren Strukturierung des Unterrichts in Verbindung gebracht werden können, und einer Verminderung der kognitiven ADHS-Symptome (Unaufmerksamkeit)?
  2. Gibt es einen Zusammenhang zwischen Lerneffekten, die mit einer klaren Strukturierung des Unterrichts in Verbindung gebracht werden können, und einer Verminderung der affektiven ADHS-Symptome (Impulskontrolle)?
  3. Inwieweit unterscheiden sich Schulkinder mit einer ADHS-Diagnose dabei von Schulkindern mit Verhaltensauffälligkeiten (aber ohne ADHS-Diagnose)?
  4. Inwieweit unterscheidet sich die Selbstwahrnehmung der Schulkinder bezüglich Symptomverminderung von der Fremdwahrnehmung der Lehrpersonen?
  5. Welche Veränderungen der ADHS-Symptomatik erzeugen Strukturierungen des Unterrichts aus der Sicht der Lehrpersonen?

Methoden

Im Forschungsprojekt werden psychologische und neurowissenschaftliche Methoden kombiniert. Zum einen wird die Experience Sampling Method (ESM) eingesetzt. Sie dient dazu, die Bewältigung schulischer Anforderungen im Augenblick und nicht erst retrospektiv zu erfassen. Zudem verfassen die Lehrpersonen Erfahrungsberichte. Zum andern werden die neuronalen Prozesse, die mit dem emotionalen Umgang mit schulischen Anforderungen einhergehen, mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRI) untersucht.

Ergebnisse

Die Ergebnisse zeigen u.a.:
  • Die Kinder sind nicht die ganze Zeit unaufmerksam, vielmehr ist die Bandbreite der Konzentration über die Woche hinweg äussert gross.
  • Bei aktiven Unterrichtsformen wie z.B. Gruppenarbeiten zeigt sich eine Verminderung der zentralen Merkmale einer ADHS.
  • Lehrpersonen schätzen die Konzentration häufig niedriger ein als die Kinder selber.
Die zentralen Erkenntnisse der Studie werden in Zusammenarbeit mit der Elternvereinigung ELPOS in einer Broschüre zusammengefasst (Link folgt).

Projektdauer

August 2007 bis Februar 2011
 

Kontakt

Dr. Dominik Gyseler, Dozent, HfH; e-mail:


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