Projekte
D.11 Lernstand Mathematik in den Stufen 1- 9 (2008-2009)
Team
Meyer StefanAusgangslage
Die niederschwellige Förderdiagnostik im Bereich der Mathematik fusst bezüglich der Instrumente auf unterschiedlichsten Ausgangslagen (Niedermann, Schweizer, Steppacher, 2007): Instrumente ohne Normierung, Instrumente mit veralteten Normen, Instrumente mit Normen nur für Deutschland, Instrumente mit speziellen Eichstichproben, Instrumente mit einseitigen Normen, sehr zeitintensive Instrumente und inhaltlich einseitig aufgebaute Instrumente stehen nebeneinander. Oft fehlen Inhaltsanalysen bzw. Theoriebezüge für die einzelnen Aufgaben. Weiter unterscheiden sich die Instrumente preislich. Unterschiede bestehen auch beim Aspekt der Objektivität. Limitiert sind auch die Zugänglichkeit bzw. die Verfügbarkeit der Instrumente und der Forschungsresultate.Hillenbrand, Hennemann und Pütz (2006) forderten in ihrer Untersuchung, dass Förderplanung themenspezifischer und ökonomischer sein sollte. Dieser Hinweis sollte die Strategie dieses Entwicklungsprojektes prägen.
Das Design des Projektes stützte auf Erfahrungen des Schulpsychologischen Dienstes des Kantons Solothurn ab, welcher 1990 (Meyer, 1996) und 2007 für die Schulstufen 1-5, bzw. 1-6 Rechenblätter entwickelt hatte.
Kretz (1999) hatte im Kanton Luzern ein ähnliches, jedoch umfangreicheres Projekt durchgeführt. Es hatte sich gezeigt, dass solche Projekte eine fruchtbare und interdisziplinäre Auseinandersetzung mit fachdidaktischen Fragen und diagnostischen Kriterien ermöglichen.
Moser Opitz, Reusser und Berger (2008) hatten Instrumente für die Stufen 1-3 des Kantons Bern zur Verfügung gestellt.
Die normierten Rechentests waren Teil des Solothurner Screeningverfahrens. Dieses stellte ein erprobtes, niederschwelliges, zeitsparendes und kostengünstiges Verfahren der pädagogisch-psychologischen Diagnostik dar (Lienert und Raatz, 1998). Darin wurden jene Prozesse gestaltet, welche auch in aktuelleren Designs enthalten sind.
Unser Projekt sollte ein Element zur Optimierung von fachdidaktischen Förderplanungen im mathematischen Bereich herstellen und erweitern.
Projektziel
Projektziel war die Herstellung und Erprobung von Mathematik-Kurztests für die Schulstufen 1-9, welche als Instrumente in Screeningverfahren Eingang finden können. Ausgewogene Schwierigkeitsgrade der Tests sollen gewähren, dass man nicht nur Kinder mit Lernschwierigkeiten erfassen kann, sondern auch Kinder mit besonders hohen Begabungen.Ein Teilziel war weiter, dass die Durchführungszeiten 20 Minuten nicht überschreiten sollten. Mit dieser Zielsetzung wird ein Grat beschritten. Der Screeningtest soll ein wirkungsvolles, empirisches Instrument sein, welches im Sinn eines Siebverfahrens zur Erfassung des Lernstandes angewendet wird. Auf der andern Seite soll es möglichst zeitökonomisch und einfach zu handhaben sein.
Vorgehen
Das Projekt war verankert in der Projektmethode, der klassischen Testtheorie und in den Grundsätzen der empirischen, pädagogischen Diagnostik (Ingenkamp, Lissmann, 2005).Die Studierenden des ersten Studienjahres PSS 1 (2008) der HfH wurden im Rahmen des Moduls Kognition / Mathematik in das Projekt integriert.
Die Studierenden sollten dabei exemplarisch in Bereichen der qualitativen und quantitativen empirischen Diagnostik von Mathematikleistungen befähigt werden.
Sie stellten in neun verschiedenen Stufengruppen die Kurztests her. Die Aufgaben mussten den Richtzielen der Trägerkantone der HfH und des Fürstentums Liechtenstein in folgenden Bereichen entsprechen: Geometrie, Kulturtechnik Rechnen (Zeichen, Symbole, Zahlen, Relationen, mathematische Operationen), Sachprobleme und Problemlösen. Gleichzeitig organisierten sie eine empirische Erprobung sowie die elektronische Dateneingabe.
Während der Projektzeit erarbeiteten sie 240 Inhaltsanalysen und Portraits der ausgewählten Mathematik-Aufgaben für die Schulstufen 1-9. Zwecks Exploration wurden die Aufgaben Schülerinnen und Schülern in flexiblen Interviews (Meyer, 2007) vorgelegt. Ein Projektleitfaden regelte die Organisation und den Ablauf des gesamten Projekts. Die Unterlagen und die Daten wurden auf der Lernplattform (BSCW) in einem Projektordner deponiert.
Die Evaluation der Erprobungen erfolgte durch Mitarbeitende der HfH.
Ergebnisse und Ausblick
Parallel zum Projekt wurde eine „Allgemeine Anleitung für die Durchführung des Mathematik-Kurztests 1-9 (MKT)“ verfasst (Meyer, 2011). Darin sind verschiedene testdidaktische, teststatistische, förderplanerische und fachdidaktische Überlegungen zusammengestellt worden. Die Erörterung zeigt auf, dass die MKT vielseitig verwendbare Instrumente sind.Die Betaversionen (erste Versionen eines Computerprogrammes) wurden an insgesamt 3600 Kindern erprobt. Die Evaluationen zeigten, dass acht von neun Tests sehr zuverlässig sind. Ebenso korrelieren acht von neun Tests signifikant mit den Beurteilungen der Lehrpersonen. Sieben von neun Tests klassifizieren die Leistungen der Kinder gut (Lenhard und Marx, 2010).
Die vorliegenden normierten Betaversionen sollen durch Selektionen von Items und durch den Abtausch von Aufgaben inhaltlich und vom Schwierigkeitsgrad her verbessert werden. Dadurch soll die Annäherung an die Normalverteilung der Testwerte erreicht werden. Viele bestehende Tests differenzieren bei Kindern mit guten mathematischen Leistungen zu wenig.
Die Lösungszeiten der MKT 1-9 betrugen in den Klassenerhebungen im Durchschnitt 32 Min. In Einzelsituationen arbeiten die Schülerinnen und Schüler i.d.R. zügiger. Die Itemreduktionen sollen die Lösungszeiten noch mehr senken.
Projektteam und Kontakt
Stefan Meyer, lic.phil., Dozent HfH; e-mail:Bortis Renate, Markus Steffen
Literatur
Holm, K. (1993). ALMO Statistik-System, Handbuch. Linz.Ingenkamp, K., Lissmann, U. (2005). Lehrbuch der pädagogischen Diagnostik (5. völlig neu überarbeitete Aufl.). Weinheim: Beltz.
Kretz, P. (1999). Rechentests (1. Klasse 4. Quartal bis 4. Klasse 4. Quartal), polykopiert (g 041 320 71 83). Kriens: Schulpsychologischer Dienst.
Lenhard, W. & Marx, P. (2010). Auswertungshilfe zur Berechnung von Testkennwerten von Screeningverfahren. Universität Würzburg: Lehrstuhl Psychologie IV. Verfügbar unter: http://www.i4.psychologie.uni- wuerzburg.de/mitarbeiter/dr_wolfgang_lenhard/materialien/ [20.02.2011]
Lienert, G. A., Raatz, U. (1998). Testaufbau und Testanalyse (6. Auflage). Weinheim: Beltz.
Meyer, S. (1996). Mathematik - Arbeitsblätter in schulpsychologischen Untersuchungen. Resultate empirischer Erhebungen in den Primarklassen 1 - 5 im Kanton Solothurn (unveröffentlichter Forschungsbericht). Solothurn: Schulpsychologischer Dienst des Kantons Solothurn (SPD) in Zusammenarbeit mit Primarlehrkräften und Didaktikfachleuten.
Meyer, S. (2007). Flexible Diagnostik - Integratives Unterrichten. [Internet]. Verfügbar unter: http://public.bscw-hfh.ch/d_1/Screening_FI_Lux/Luxindex.html [08.12.07]
Moser Opitz, E., Reusser, L. Berger, D. (2008). BESMath-Berner Screening Mathematik 1-3. [Internet]. Verfügbar unter: www.erz.be.ch/site/fb-volksschule-spezialunterricht-besmath.html [20.05.08]
Smit, R. (2005). Lehrplanvergleich Mathematik. [Internet]. Verfügbar unter: http://www.edk.ch/dyn/12154.php [20.03.07]




