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Disskusionsgäste auf dem Podium. Foto: HfH

Pauschal-Ressourcen an Schulen: Risiken und Chancen

Bessere Steuerung auf Seiten des Kantons, mehr Gestaltungsraum und höhere Wirksamkeit auf Seiten der Schulen – das verspricht man sich von pauschalierten Ressourcensystemen. Die Diskussion am dritten HfH-Round-Table vom 31. August 2019 zeigte: Damit die sonderpädagogische Versorgung nicht auf der Strecke bleibt, braucht es wirksame Rahmenbedingungen.

Die pauschale Ressourcierung scheint in der Bildung ein Megatrend zu sein. Schulen sollen ihre Ressourcen nicht mehr für einzelne Angebotskategorien und auf individuellen Antrag erhalten, sondern als pauschale Kontingente. Damit müssen sie ihr Bildungsangebot – oder Teile davon – autonom organisieren.

Diese Grundidee wird je nach Bildungsregion und -system unterschiedlich realisiert. Die Stadt Schaffhausen zum Beispiel macht in diesem Schuljahr erstmals Erfahrungen mit einer pauschalierten Versorgung im DaZ-Bereich. In der Stadt Winterthur sollen die Schulen künftig die Ressourcen für die Integrierte Sonderschulung (ISR) pauschal erhalten, um Kosten und Sonderschulquote besser steuern zu können. Im Kanton Thurgau dagegen läuft es genau umgekehrt: Auch die Ressourcen für ISR werden bewusst vom Kanton gesprochen und kindgebunden verteilt.

Am konsequentesten wird die Grundidee von Ressourcen-Pauschalen im Kanton Aargau umgesetzt. Im Rahmen der «Neuen Ressourcierung Volksschule (NRVS)» erhalten die einzelnen Schulen ab Schuljahr 2020/21 pro Schülerin und Schüler eine Pauschale. Die Summe aller Pauschalen ergibt das Ressourcenkontingent der jeweiligen Schule. Damit muss – innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Lektionentafel - der gesamte Schulbetrieb finanziert werden, vom Regelunterricht über die Integrierte Heilpädagogik und DaZ bis zur Begabtenförderung und integrierten Sonderschulung.

Von diesem System verspricht man sich einige Vorteile. So wird das komplizierte, starre System der Ressourcenzuteilung vereinfacht und vereinheitlicht. Vom Kanton her können die Gelder neu sozusagen mit einem Knopfdruck verteilt werden. Dies soll die Steuerung erleichtern. Die einzelnen Schulen wiederum können flexibel auf ihre lokalen Gegebenheiten und situativen pädagogischen Bedürfnisse reagieren.

Aber es gibt aber auch Risiken:

  • Externe Sonderschulung als Ventil. Schülerinnen und Schüler, deren Integration viele Ressourcen bindet, könnten in die externe Sonderschulung ausgelagert werden. So ist zum Beispiel die Integration eines Kindes mit mittelgradig bis schweren Autismus-Spektrum-Störungen aufwändig. Dies macht das Ventil der externen Sonderschulung attraktiv.
  • Kalte Integration. Stille Behinderungen könnten durch die Maschen fallen. Im Zweifelsfall werden dann die Ressourcen beispielsweise eher dem impulsiven Knaben mit ADHS als der hochbegabten Minderleisterin zugesprochen, obwohl beide einen besonderen Förderbedarf aufweisen. Hier stellt sich die Frage der Bildungsgerechtigkeit.
  • Hilfspolizisten. Klassenassistenzen sind günstiger als ausgebildete Fachpersonen der Schulischen Heilpädagogik. Es besteht die Gefahr, die Ressourcen in erster Linie für niederschwellige und kostengünstigere Massnahmen einzusetzen – auf Kosten der spezifischen Förderung.
  • Schulleitungen brauchen viel Know-how. Schulleitungen sind die neuen Schlüsselfiguren. Sie müssen die Ressourcen so einsetzen, dass erstens die die heilpädagogische Fachlichkeit zum Kind kommt und zweitens das System als Ganzes so gestärkt wird, dass die Schule ihrem Auftrag gerecht werden kann.

Wie weiter? Klar wurde: Es braucht Leitplanken und Sicherheitslinien. Drei Vorschläge könnten die zukünftige Diskussion prägen:

  • Qualitätsmanagement mit sonderpädagogischem Fokus. Es bräuchte eine Art überregionaler Fachteams. Diese begleiten die Umsetzung und achten darauf, dass Kinder und Jugendliche mit heilpädagogischem Förderbedarf nicht benachteiligt werden. Dazu bedarf es Kurse, in welcher der systemische Blick auf die Sicherstellung der heilpädagogischen Fachlichkeit in der Schule geschärft wird.
  • Aus- und Weiterbildung, die an der Berufslaufbahn orientiert ist. Neu soll die Schule noch flexibler auf situative Herausforderungen reagieren können. Neue Formen der Laufbahngestaltung zeichnen sich dadurch aus, dass spezifisches Fachwissen während der gesamten Berufslaufbahn gezielt aufgebaut, erweitert und vertieft werden kann. Entlang dieser Grundidee überarbeitet die Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik (HfH) derzeit das Curriculum für den Masterstudiengang Sonderpädagogik mit den beiden Vertiefungsrichtungen Schulische Heilpädagogik und Heilpädagogische Früherziehung.
  • Schulleitungen weiterbilden. Mit der Pauschalressourcierung verändert sich die Rolle der Schulleitung: Nebst ihren bisherigen Aufgaben ist sie neu auch für Organisation und Qualität von heilpädagogischen Angeboten zuständig. Dazu braucht es nicht nur Fachwissen, sondern auch einen steten Austausch. Am 23. November 2019 findet an der HfH die Tagung «Schule leiten inklusiv!» statt, in der eine solche Vernetzung stattfindet.

Download

Grundlage des HfH-Round-Tables vom 31. August 2019 war ein Faktenblatt PDF Faktenblatt «Pauschal-Ressourcen an Schulen: Risiken und Chancen für die sonderpädagogische Versorgung».

Autoren: Dominik Gyseler, Dr. und Steff Aellig, Dr., Wissenschaftskommunikation HfH

Fakten HfH

Gründung 1924 als Heilpädagogisches Seminar, 2001 als Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik
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Personalbestand Rund 170 Mitarbeitende
Träger 13 CH-Kantone und Fürstentum Liechtenstein
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