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Aufbruch-Stimmung an der Tagung für mehr selbstbestimmtes Leben

Internationale Experten für Integrations- und Inklusionspädagogik diskutierten am 28. Juni in Zürich Modelle und Erfahrun­gen der Personenzentrierten Zukunftsplanung. Die Tagung kam bestens an, sowohl bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit als auch bei denjenigen ohne Behinderung. Die zweite europäische „Mind Change-Konferenz“, die vom 6. bis 8. Mai 2015 an der HfH stattfinden wird, soll diesen Erfolg fortsetzen.

3. Juli 2013

Mit der Tagung „Selbstbestimmt leben – Zukunftsplanung im Lebenslauf“ hat die Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik (HfH) Neuland betreten. Menschen mit Behinderungen sollen mehr am gesellschaftlichen Leben teilhaben und teilnehmen können, daher war das Tagungs­programm in „Leichter Sprache“ verfasst. Namhafte internationale Experten für Integrations- und Inklusionspädagogik diskutierten am 28. Juni an der HfH in Zürich Modelle und Erfahrun­gen der Personenzentrierten Zukunftsplanung. Die Tagung kam bestens an, sowohl bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit als auch bei denjenigen ohne Behinderung. Die zweite europäische „Mind Change-Konferenz“ (http://www.mindchange.org/), die vom 6. bis 8. Mai 2015 an der HfH stattfinden wird, soll diesen Erfolg fortsetzen.

Die Teilhabe und Teilnahme von Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft, in der Ge­meinde und im Arbeitsleben zu fördern, ist das erklärte Ziel der Methoden und Ansätze der Personenzentrierten Zukunftsplanung (PZP). Die HfH gab dieser Forderung mit der Tagung „Selbstbestimmt leben – Zukunftsplanung im Lebenslauf“ Nachdruck. Die Tagungsleiterin Dr. phil. Monika T. Wicki (HfH) betont, dass alle Vorträge und Workshops auch für Personen mit Lernbehinderungen verständlich zu sein hatten. Alle Referenten hatten den Auftrag, entweder das Referat selber oder dann zumindest die Präsentation in  „leichter Sprache“ (http://www.leichtesprache.org) zu halten, damit die ca. 50 Personen mit Behinderungen inhalt­lich folgen konnten. Zudem organisierte die Gruppe „Mitsprache“ an der Tagung einen eigenen Workshop. Insgesamt hatte die Tagung rund 100 Teilnehmer. 

Leichte Sprache? Keine leichte Sache

Die Hauptreferenten Prof. Dr. Andreas Hinz und Robert Kruschel von der Martin-Luther-Univer­si­tät Halle-Wittenberg, beide seit Jahren in der Integrations- und Inklusionspädagogik tätig, plädierten für die Verbindung des „personenzentrierten Denkens, das in vielen Organisati­onen bereits Fuss gefasst hat, mit der Personenzentrierten Zukunftsplanung. Nur so kann den Wün­schen und Bedürfnissen der Personen mit Behinderung wirklich Rechnung getragen wer­den“. Nach den ersten Sätzen wurden die beiden vom Publikum aufgefordert, nicht zu schnell zu sprechen. Die Standardsprache ist bei vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern weniger geläu­fig. Zu viele Fremdworte, zu schnelles Sprechen, zu wenige Erklärungen. Für viele Teil­neh­merinnen und Teilnehmer eine grosse Herausforderung. 

Zukunftsplanung im Lebenslauf

Seit einigen Jahren fassen die Personenzentrierten Ansätze auch in Europa Fuss. Dies zeigten Beispiele der inklusiven Berufsorientierung (Sascha Plangger, Universität Innsbruck) und der erfolgreichen Eingliederung von Menschen mit Behinderungen in den ersten Arbeitsmarkt (Lukas Alton, Ifs-Spagat, Feldkirch). Auch Projekte zur Zukunftsplanung im Erwachsenenalter und beim Übergang in den Ruhestand (Die Zukunft ist Jetzt! Judith Adler, HfH), zur Förderung der Selbständigkeit von älteren Menschen mit Behinderung (Helga Noe, Martin Prüm und Christa Brunner, Altissimo, Caritasverband Konstanz) oder zur Zukunftsplanung zum Lebens­ende (Dr. Monika T. Wicki, HfH) wurden vorgestellt. Prof. Dr. Ulrich Niehoff, wissenschaftlicher Referent der Bundesvereinigung Lebenshilfe in Berlin meinte dazu: „Zukunftsplanung ist ein praktisches Instrument, um die Person darin zu unterstützen, den eigenen Lebensstil herauszu­finden. Dane­ben sind aber auch Ideen- und Beschwerdemanagement oder Bewohnerbefragun­gen erprobte Wege, um die Personenzentrierung von Dienstleistungen zu gewähr­leisten.“

Die Gesellschaft ist gefordert

Um persönliche Zukunftsplanungsprozesse anzustossen und umsetzen zu können, braucht es verschiedene Rahmenbedingungen, so Sandra Fietkau vom Institut für Erziehungswissenschaft der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. „Die beteiligten Personen müssen selber aktiv werden und die Gesellschaft sich bewusst sein, dass freiwilliges Engagement notwendig ist. Gleichzei­tig muss aber auch der Staat die notwendigen Gelder für Assistenzen sprechen und die Gesell­schaft bereit sein, Menschen mit Behinderungen in ihrer Mitte aufzunehmen und zu akzeptie­ren.“ 

Für Spannung und Diskussionen sorgte der Vortrag von Rolf Maegli, Direktor der Stiftung für Schwerbehinderte Luzern (SSBL) über die aktuelle Situation in der Schweiz, im speziellen in der SSBL. „Für Menschen mit komplexen Behinderungen und mit schwerwiegenden Verhal­tensstörungen, mit selbst- und fremdaggressivem Potenzial fehlt es an Plätzen. Sie werden herumgeschoben, von einem Wohnheim zu nächsten und landen schliesslich in der Psychi­atrie.“ Die SSBL habe es sich zum Auftrag gemacht, auch für diese Personen einen Platz und Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten, darum werde nun der Hauptsitz in Rathausen erwei­tert. Ein Plan, der nicht nur auf Begeisterung bei den Teilnehmenden trifft. Andreas Oechsner, Pro­jektleiter des Zentrums für Kompetenzen aus Wien, kritisiert dagegen die Institutionalisie­rung und die Bezeichnung der Personen als „Behinderte“, ihm entgegnet eine junge Frau aus der Gruppe „Mitsprache“, dass es begrüssenswert sei, wenn man den Personen Raum und Ent­wicklungsmöglichkeiten gäbe.

Die Tagung an der HfH zeigte, wie wichtig es ist, dass die Personen mit Behinderung nach ihren Wünschen und Bedürfnissen gefragt werden, um die Teilhabe zu planen und umzusetzen. Und es beginnt sich etwas im Umgang mit Behinderungen zu bewegen. Wie viel und in welche Richtung, wird sich spätestens an der zweiten Europäischen „Mind Change“-Konferenz 2015 in Zürich zeigen.

Fakten

Gründung 1924 als Heilpädagogisches Seminar, 2001 als Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik
Rektorin Prof. Dr. Barbara Fäh
Personalbestand rund 170 Mitarbeitende
Träger 13 Kantone und das Fürstentum Liechtenstein
Präsidentin des Hochschulrates Prof. Dr. Dorothea Christ, Chefin Hochschulamt des Kantons Zürich
Kernbereiche Fünf Master- und Bachelorstudiengänge, Weiterbildung, Forschung und Dienstleistungen 

Kontakt

Hochschulkommunikation
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