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Arbeitsbiographien nach einer IV-Anlehre

Ausgangslage und Ziele

Das Projekt ist auch in einfacher Sprache beschrieben. Öffnen Sie das Dokument links.

 

Die subjektive Bedeutung beruflicher Bildung für Menschen mit einer Lern- oder Leistungsbeeinträchtigung ist bisher kaum untersucht worden. Die Perspektive der Direktbetroffenen fehlt deshalb meist nicht nur in der sozialpolitischen Diskussion sondern auch in den fachlichen Überlegungen zu Ausbildung, Beschäftigung und strukturellen Bedingungen von Integration.

Fragestellung

Das vorliegende Projekt untersucht nun Arbeitsbiographien von Menschen mit einer Lern- oder Leistungsbeeinträchtigung und legt dabei den Fokus auf Absolventinnen und Absolventen einer erstmaligen beruflichen Ausbildung (IV-Anlehre oder PrA – Praktische Ausbildung nach INSOS) sowie Personen aus ihrem Arbeits- und Beschäftigungskontext. Betrachtet wird ihre berufliche Entwicklung aus einer Langzeitperspektive. Die Ergebnisse werden es ermöglichen, Massnahmen und Empfehlungen auf individueller, institutioneller bzw. struktureller Ebene zu formulieren, welche beispielsweise die konzeptuelle Ausgestaltung der Ausbildungen, den Übergang in den ersten oder zweiten Arbeitsmarkt sowie die Ausgestaltung von Arbeitsplätzen betreffen. Damit können Rahmenbedingungen geschaffen oder weiterentwickelt werden, die es Menschen mit Behinderungen erleichtern, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und eine Erwerbstätigkeit auszuüben (vgl. BehiG Art. 1).

Methodisches Vorgehen

In einem qualitativen Vorgehen wird ein Leitfadeninterview mit den Absolventinnen und Absolventen einer erstmaligen beruflichen Ausbildung und mit einer Person aus ihrem Tätigkeitskontext durchgeführt. Die Zielgruppe umfasst Personen aus der ganzen Schweiz, welche zwischen 1995 und 2010 eine IV-Anlehre oder eine PrA (Praktische Ausbildung nach INSOS) absolviert haben. Um unterschiedliche Arbeits- und Lebenssituationen zu erfassen, ist von rund 40-50 Gesprächen (20-25 Gespräche mit Absolventinnen und Absolventen einer erstmaligen Ausbildung, 20-25 Gespräche mit einer Personen aus ihrem Arbeitsumfeld) auszugehen. Potentielle Gesprächspartnerinnen und -partner sollen über die Mitgliederinstitutionen von INSOS gefunden werden.

Ergebnisse

Eine zentrale Aussage  – gestützt auf die qualitative Befragung von Absolventinnen und Absolventen und von Personen aus ihrem Arbeitsumfeld – ist, dass Selbstbestimmung und Unterstützung kein Widerspruch sein muss. Vor dem Hintergrund einer inklusiven Sichtweise von Beeinträchtigung ist die selbstbestimmte Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen am Lebensbereich Arbeit ein zentrales Anliegen. Selbstbestimmte Teilhabe bedeutet jedoch nicht Verzicht auf Unterstützung. Zwar verweist Selbstbestimmung  auf ein aktiv handelndes Individuum, das fähig ist, für sich selbst einzutreten. Dieses bedeutet jedoch keinesfalls, dass deshalb das ganze Leben ohne Unterstützung gemeistert werden muss.

Ein ausgewähltes Thema soll zur Verdeutlichung erwähnt werden. So haben viele Interviewte versucht, im ersten Arbeitsmarkt Fuss zu fassen. Dieser anspruchsvolle Schritt mit erhöhten Anforderungen gelingt eher, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:

  • gute persönliche Voraussetzungen (eher leistungsstark, Persönlichkeitsmerkmale wie Ausgeglichenheit, Durchhaltewillen, Kommunikationsfähigkeit)
  • unterstützendes Umfeld im Betrieb (Vorgesetzte, Kolleginnen und Kollegen)
  • Anpassungen beim Arbeitsplatz und bei den Arbeitsanforderungen
  • Unterstützung durch Job Coach und/oder Arbeitsassistenz

Um Unterstützung zudem an der Zielperspektive Selbstbestimmung auszurichten, muss sich das Unterstützungsverständnis grundlegend ändern. Abhängigkeit und Fremdbestimmung müssen vermieden werden. Nur ein Verständnis von Unterstützung als dialogische und partnerschaftlich vermittelte Leistung, kann die Wahrnehmung und Berücksichtigung der Wünsche und Bedürfnisse der befragten Absolventinnen und Absolventen leisten. Und nur in einem solchen Verständnis von Unterstützung lässt sich das Paradox von Selbstbestimmung und Unterstützung aufheben, da hier Unterstützung als Hilfe auf dem Weg zur Selbstbestimmung verstanden wird.

Publikationen

  • Studer, M., Lichtenauer, A., Wyder, A. & Parpan-Blaser, A. (2017). Supports and impediments on the way to occupation, employment and workplace integration for people with cognitive disabilities. International Journal of Disability Management, 12, 1-13. Doi: 10.1017/idm.2017.5
  • Wyder, A. & Studer, M. (2016). Viele Wege führen in die Arbeitswelt. In S. Hüttche & M.T. Wicki (Hrsg.), Forschung für die Praxis.15 Jahre Forschung und Entwicklung 2001-2016 (S.14-15). Zürich: Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik.
  • Parpan-Blaser, A., Häfeli, K., Studer, M., Calabrese, S., Wyder, A., Lichtenauer, A. (2014). «Etwas machen. Geld verdienen. Leute sehen.» Arbeitsbiografien von Menschen mit Beeinträchtigungen. SZH, Luzern. Bestellung
  • Parpan-Blaser, A. & Studer, M. (2014). Wie Integration gelingt. Panorama, 6, 31. PDF
  • Wyder, A., Calabrese, S., Lichtenauer, A. (2014) Lebenslanges Lernen und personenzentrierte Laufbahnplanung statt Integration zum Selbstzweck. Schweizerlische Zeitschrift für Heilpädagogik, 20 (10), 5-11. PDF
  • Studer, M. & Parpan-Blaser, A. (2014). Menschen mit Beeinträchtigungen erzählen. Bericht in leichter Sprache. Zürich, Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik. PDF
  • Studer, M., Parpan-Blaser, A. (2014). Menschen mit Beeinträchtigungen erzählen über ihre Ausbildung und ihre Arbeit. Bericht in einfacher Sprache, aufgelegt an der INSOS Tagung „Weshalb (k)eine Karriere?“. FHNW, Olten. PDF

Fakten

Laufzeit
05/2012-07/2015
Nr.
1_14

Projektleitung

  • Ehemaliger Leiter Forschung und Entwicklung

  • Dozentin

Projektteam