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Die Erforschung des Einsatzes von RedeflussKompass und StotterKompass in der sprachtherapeutischen Praxis

Ausgangslage und Ziele

Auf dem Hintergrund von wenig befriedigenden Ergebnissen bei der Evaluation von Screeninginstrumenten zur Identifikation des beginnenden Stotterns im deutschsprachigen Raum (Kohler, 2017) wurde eine optimierte Version des RedeflussKompasses und der neu geschaffene StotterKompass einer intensiven Überprüfung unterzogen. Die Untersuchung zielte auf die Erkundung von Gütemerkmalen der genannten Instrumente ab und auf die Schaffung einer Datenbasis zur Optimierung von Früherkennung, Ersterfassung und Erstberatung bei beginnendem Stottern.

Methodisches Vorgehen

Der Einsatz der Instrumente wurde im authentischen Berufsalltag von Sprachtherapeutinnen überprüft (Kohler & Braun, 2020) Die Methodik folgte einem Mixed-Method-Design (Kuckartz, 2014). Die Ergebnisse der Durchführungen bei N = 60 Fällen wurden mit den wahren Werten des Bedarfs an weiteren Interventionen konfrontiert, um quantitative Kennwerte der Güte beider Instrumente zu ermitteln (Bühner, 2011). Ausserdem wurde eine breit angelegte qualitative Dokumentenanalyse (Mayring, 2015) durchgeführt, deren Daten vornehmlich aus einer Befragung der Anwender und Beobachtung der Durchführung generiert wurden.

Ergebnisse

Es zeigte sich eine sehr gute Sensitivität (97,6%) und gute Spezifität (81,8%) des RedeflussKompasses, sowie sehr gute Werte für seine Kriteriumsvalidität (0.808, Spearman Rho, p<0.001). Die Sensitivität des StotterKompasses war optimal (100%), jedoch konnte seine Spezifität (58%) nicht überzeugen. Seine Kriteriumsvalidität (0,689, Spearman Rho, p<0.001) hingegen kann als sehr gut bezeichnet werden. Die nur für den StotterKompass berechnete Inter-Rater-Reliabilität hängt stark von der Berechnungsebene ab. Für die Ebene der Empfehlungen ist sie mittelmäßig (0,607, Spearman Rho, p<0.001) für die Ebene der Gesamtpunktzahlen sehr gut (0,902, Spearman Rho, p<0.001). Insgesamt darf man die quantitativ bestimmten Güterkriterien als gut bis befriedigend werten.

Die qualitativen Analysen erbrachten reichhaltige Einblicke in die Praxis der Anwendung beider Instrumente und zeigte, dass der komplementäre Einsatz der Kompasse für die Früherkennung, Ersterfassung und Erstberatung aus Perspektive der Anwender nützlich und wertvoll ist. Es wurden durch diese qualitative Analyse aber auch Stolpersteine und Probleme der Durchführung identifiziert. Insbesondere aus dieser „Falsifikation“ konnten Optimierungen für beide Instrumente abgeleitet werden (vgl. Ausblick).

Ausblick

Es war möglich, digitale Versionen der Kompasse zu schaffen, was eine Ökonomisierung der sprachtherapeutischen Praxis verspricht. Die neu geschaffenen Instrumente stehen unter https://www.hfh.ch/de/unser-service/expertenwissen-online/stottern-erkennen kostenlos zum Download zur Verfügung.

Literaturangaben

Bühner, M. (2011): Einführung in die Test- und Fragebogenkonstruktion. München: Pearson-Studium

Kohler, J. (2017). Evidenz bei der Identifikation des beginnenden Stotterns. Praxis Sprache 3, 147-154

Kohler, J. & Braun, W. (2020). Früherkennung, Ersterfassung und Erstberatung bei beginnendem Stottern. Die Erforschung und Entwicklung von RedeflussKompass und StotterKompass zu einem digitalen Instrumentarium. Idstein: Schulz-Kirchner Verlag

Kuckartz, U. (2014). Mixed-Methods. Heidelberg: Springer VS

Mayring, P. (2015). Qualitative Inhaltsanalyse. Weinheim: Beltz

Fakten

Laufzeit
01/2016-08/2019
Nr.
4_11.2

Projektteam

Kontakt

Zentrum Forschung und Entwicklung
Tel: +41 44 317 11 46

zfe[at]hfh.ch zfe