Lehrplan 21 und Sonderpädagogik

Skipnavigation

Unser Service Aktuelle Seite Expertenwissen online

Inhalt

Lehrplan 21 und Sonderpädagogik

Herzlich willkommen auf der FaQ-Seite zum Lehrplan 21 und Sonderpädagogik! Die HfH möchte Ihnen damit möglichst aktuelle Antworten zu Fragen geben, die Sie als heilpädagogische Fachperson in der Umsetzung des neuen Lehrplans beschäftigen könnten und Sie auf spezifische Weiterbildungsangebote hinweisen. Sie werden sehen: Der Lehrplan 21 lässt sich sehr gut mit der Arbeitsweise von Fachpersonen in schulischer Heilpädagogik verbinden und bietet viele Möglichkeiten, heilpädagogische Fachkompetenz in den Regelklassenunterricht einzubringen. Jedoch gibt es einige markante Lücken, die in den nächsten Jahren geschlossen werden müssen, damit er auch für Lernende mit besonderen Bedürfnissen gewinnbringend genutzt werden kann. Die HfH wünscht Ihnen viel Erfolg bei der Umsetzung und nimmt Ihre Fragen oder Hinweise gerne entgegen!

HfH-Weiterbildungsangebote zum Lehrplan 21


Die Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik unterstützt Sie während der Einführung des Lehrplans 21 mit folgenden Angeboten:

Individuelle Weiterbildungen:

Abrufangebote für Teams, Schulen und Schuleinheiten:

  • Der Förderprozess im Lehrplan 21 in vier Teilen
    In vier einzeln oder kombiniert buchbaren thematischen Schwerpunkten wird die Umsetzung des Lehrplans 21 vor dem Hintergrund eines zirkulären Förderverständnisses besprochen. (Umfang: 1-1,5 Tage)
  • Referat: Schulische Heilpädagogik und Lehrplan 21
    Das Referat informiert Sie zu wichtigen Kernfragen wie zum Beispiel „Was geschieht mit Kindern, welche die Grundansprüche am Ende eines Zyklus nicht erfüllen?“ Und es zeigt Ihnen den aktuellen Stand der Antworten auf. (Umfang: 75 Minuten  45 min standardisiertes Referat  / 30 min Fragemöglichkeit)
  • Individuelle Beratung
    Für spezifische Fragen im Hinblick auf die Umsetzung  Lehrplan 21 und Heilpädagogik bietet die HfH individuelle Beratungen auf Abruf an.

Interessieren Sie sich für eines der obengenannten Abrufangebote? Dann wenden Sie sich mit Ihrer spezifischen Anfrage an abrufkurse[at]hfh.ch abrufkurse 

FAQ - Fragen und Antworten

Förderprozess und Lehrplan 21

Können Kinder mit Förderbedarf im Rahmen des LP 21 besser unterstützt werden als vorher?

Im Prinzip ja – dies insbesondere im Hinblick auf drei Punkte:

  1. Der Lehrplan 21 formuliert Lernziele in Form von Kompetenzen. Dies erleichtert als gemeinsame Sprache und Ausrichtung den SHPs die Zusammenarbeit mit Lehrpersonen.
  2. Die Ausformulierung der Kompetenzen unterstützt die SHP im ganzen Zyklus der Förderplanung (Erfassung, Planung, Durchführung, Evaluation).
  3. Die Möglichkeit, die Kompetenzentwicklung konkret über alle Zyklen hinweg überschauen zu können unterstützt die längerfristige Förderplanung insbesondere bei integrierter Sonderschulung oder bei Lernenden, die die Grundansprüche eines Zyklus nicht erfüllen.

Wie kann der Lehrplan in Förderplanung und Förderung unterstützend genutzt werden?

Die formulierten Kompetenzen in den Fachbereichen und Modulen sind für heilpädagogische Fachpersonen im ganzen Förderprozess eine sehr gute Unterstützung:

  • Sie bieten ein gutes Repertoire zur Einschätzung der bereits entwickelten Kompetenzen bei Lernenden.
  • Sie schärfen den Blick für die Stufen des Kompetenzerwerbs und können dadurch wegweisend sein für die Festlegung von Förderinhalten.
  • In der Zusammenarbeit mit Regelklasslehrpersonen und weiteren Fachkräften dienen sie als gemeinsame Sprache und als gemeinsamer Bezugspunkt.    

⇒ Interdisziplinäre Zusammenarbeit und LP 21 Interdisziplinäre Zusammenarbeit und LP 21

Wo eröffnen sich für Lehrpersonen durch den LP 21 neue Möglichkeiten, Unterricht für Kinder mit besonderem Bildungsbedarf zu gestalten?

Grundsätzlich wichtig zu wissen ist, dass der LP 21 Methodenfreiheit gewährt. Jedoch legt die Entwicklungs- und Kompetenzorientierung ein Lehr- und Unterrichtsverständnis nahe, das sich an vielfältigen Unterrichtsmethoden in Verbindung mit angepassten Formen der Lernunterstützung orientiert. Hierfür bringen heilpädagogische Fachpersonen spezifisches Wissen mit: Sie sind Fachpersonen für die Unterstützung und Begleitung von individuellen Lern- und Bearbeitungswegen, aber auch für die Entwicklung von gehaltvollen, angepassten Problemstellungen. Optimistisch gesehen eröffnet der Lehrplan 21 die Möglichkeit vermehrt in interdisziplinären Teams bestehend aus Lehrpersonen, Heilpädagoginnen, Logopädinnen, Psychomotorikerinnen und weiteren Fachlehrpersonen für die Kindergruppe mit- und füreinander zu arbeiten.
⇒ Interdisziplinäre Zusammenarbeit und LP 21 Interdisziplinäre Zusammenarbeit und LP 21

Definiert der LP 21 auch die Zusammenarbeit in integrativen Schulen?

Nein! Dazu macht der Lehrplan 21 keine konkreten Aussagen.
Die Gestaltung der Zusammenarbeit zwischen Lehrpersonen an integrativen Schulen bleibt wie bis anhin in der Verantwortung der konkret Beteiligten und den Schulleitungen.
Zur Orientierung:
⇒ Broschüre Schulische Heilpädagogik, Aufgaben und Kompetenzen zur Broschüre SHP, Aufgaben - Kompetenzen  
⇒ Interdisziplinäre Zusammenarbeit und LP 21 Interdisziplinäre Zusammenarbeit und LP 21

Können Kinder im Rahmen der Begabungs- und Begabtenförderung auch in höheren Zyklen arbeiten bzw. am Unterricht in höheren Zyklen teilnehmen?

Es ist davon auszugehen, dass begabte Lernende in Bezug auf den Kompetenzaufbau nicht abwarten, bis sie sich weiterentwickeln dürfen, sondern dass sie sich sowieso in den Kompetenzbereichen höherer Zyklen bewegen! Die Grundprinzipien der Begabten- und Begabungsförderung bleiben sich deshalb auch im Lehrplan 21 gleich: Begabungen erkennen, Akzeleration, Compacting und Enrichment. Der LP 21 eröffnet mit der klaren Kompetenzorientierung spannende Möglichkeiten, dies umzusetzen. Zusätzlich ermöglicht er Lehrpersonen abzuschätzen, in welchen Kompetenzstufen sich eine Schülerin, ein Schüler bewegt.    

Spricht man im LP 21 noch von Lernzielen?

Der Lehrplan 21 formuliert Ziele als Kompetenzen. Die Kompetenzen können gut als Grundlage für die Formulierung von Förderzielen genutzt werden.

Woran sollte eine Lehrperson in schulischer Heilpädagogik oder eine Regelklasslehrperson mit Kindern arbeiten, welche die Grundansprüche des ersten Zyklus nicht erfüllen?

Heilpädagogische Fachpersonen zeichnen sich dadurch aus, dass sie mehrheitlich Lerngelegenheiten für Lernende gestalten, die Grundanforderungen nicht erfüllen oder Anforderungen erfüllen, die weit über dem geforderten Grundniveau liegen. An dieser Ausrichtung der Arbeit ändert die Einführung des LP 21 nichts. Sie zeigt jedoch auf, dass hier Lücken, wie zum Beispiel entsprechend passende Kompetenzstufen, bestehen. Die Einführung des LP 21 ist Anlass dazu, Modelle die diese Lücke füllen können – wie beispielsweise die P-Scales oder Rahmenlehrpläne – zu prüfen.
⇒ Liesen, C. & Hessels, M. G. P. (2011). Zur Brauchbarkeit der P-Scales für standardbasierte Kompetenzmessung in der Schweiz. Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik, 17 (10), 27-32. zum Artikel
⇒ ICF und Lehrplan 21 ICF und Lehrplan 21

Was geschieht mit Kindern, die die Grundansprüche in einem der Zyklen nicht erfüllen?

Es wird auch mit dem Lehrplan 21 so sein, dass trotz gutem Unterricht einzelne Schülerinnen und Schüler die Grundansprüche in einem oder mehreren Fachbereichen nicht erreichen. In diesem Fall ist es nötig, den Lernstand der einzelnen Schülerin oder des einzelnen Schülers zu beurteilen und Fortschritte und Probleme im individuellen Lernprozess zu beobachten, so dass erfolgversprechende Fördermassnahmen eingeleitet werden können. Zu diesen macht der LP 21 keine Aussagen, denn dafür sind die jeweiligen kantonalen und allenfalls kommunalen Regelungen massgebend. Genügen diese Massnahmen nicht, können die Grundansprüche der Schülerinnen und Schüler im Einzelfall angepasst werden (Lernzielanpassungen).
⇒ ICF und Lehrplan 21 ICF und Lehrplan 21 

Gibt es im LP 21 die Möglichkeit von Lernzielanpassungen (ILZ) ?

Bei der Beurteilung von Lernleistungen spielt das professionelle Ermessen der heilpädagogischen Fachperson, der Regelklasslehrperson und der Schulleitung eine entscheidende Rolle. Durch Kompetenzbeschreibungen unterstützt der LP 21 die Einschätzung in diesem Beurteilungsprozess. Individuelle Lernzielanpassungen werden nicht durch den Lehrplan geregelt, sondern durch kantonale und allenfalls kommunale Richtlinien, die in der Regel auch den Beizug der Schulpsychologischen Dienste vorsehen.
⇒ Interdisziplinäre Zusammenarbeit und LP 21 Interdisziplinäre Zusammenarbeit und LP 21

Welche Konsequenzen haben Lernzielanpassungen (ILZ) im Lehrplan 21?

Es gilt: Lernzielanpassungen und die daraus entstehenden Konsequenzen, wie zum Beispiel Notengebungen, basieren auf den Vorgaben der jeweiligen Kantone und Gemeinden. Es ist im Moment noch nicht absehbar, wie sich mit der Umsetzung des LP 21 die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit individuellen Lernzielen entwickelt. Die EDK (Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren) hält in ihrem Fachbericht "Beurteilen" zum Fachbericht der Arbeitsgruppe der Kommission Volksschule vom November 2015 jedoch fest, dass allein die Tatsache des Nichterreichens der Grundansprüche eines Zyklus kein hinreichender Grund für individuelle Lernzielanpassungen ist. Eine individuelle Lernzielanpassung ist laut EDK ein gravierender Entscheid, der nur getroffen werden sollte, wenn das Festhalten am Ziel, die Grundansprüche zu erreichen, für Lernende eine zu hohe Anforderung darstellt und eine andauernde Überforderung zur Folge hätte. Sie fordert daher für eine individuelle Lernzielanpassung vertiefte Abklärungen im Einzelfall. Das bedeutet aus heilpädagogischer Sicht erst dann eine Lernzielanpassung in Betracht zu ziehen, wenn eine Schülerin, ein Schüler unter der andauernden Überforderung leidet und zwar so, dass einerseits die Gefahr für eine Verhaltensauffälligkeit besteht und oder andererseits für das Umfeld (Mitschülerinnen, Mitschüler, Lehrpersonen und Eltern) erhebliche Beeinträchtigungen zu erwarten sind.
⇒ ICF und Lehrplan 21 ICF und Lehrplan 21

Können aus dem Nichterreichen der Grundansprüche Konsequenzen abgeleitet werden, und wenn ja welche?

Das Nichterreichen der Grundansprüche oder der Anforderungen im Laufe des Schuljahres geben im ersten Moment Hinweise darauf, dass der Situation und dem Lernprozess eines Lernenden speziell Beachtung geschenkt werden muss. Das heisst konkret, dass eine Einschätzung des Lernprozesses und der Unterrichtssituation am besten mit Hilfe einer heilpädagogischen Fachperson vorgenommen wird und möglichst schnell spezifische unterstützende Massnahmen eingeleitet werden. Dies können kurzfristige Unterstützungen sein oder längerfristige, welche auf einer differenzierten Förderplanung basieren. 
⇒ Rolle der Fachperson in schulischer Heilpädagogik und LP 21 Rolle der Fachperson in schulischer Heilpädagogik und LP 21  

Wenn eine Schülerin oder ein Schüler die Grundansprüche nicht erfüllt, erhält sie oder er automatisch eine Lernzielanpassung?

Nein, dies sollte auch klar nicht so sein. Eine Lernzielanpassungen (ILZ)  ist ein gravierender Entscheid, der nur getroffen werden sollte, wenn das Festhalten am Ziel, die Grundansprüche zu erreichen, für diese Schülerin, bzw. diesen Schüler eine zu hohe Anforderung darstellt und eine andauernde Überforderung zur Folge hätte. Eine Lernzielanpassung erfordert eine vertiefte Abklärung im Einzelfall gegebenenfalls unter Einbezug weiterer Fachpersonen.
⇒ Interdisziplinäre Zusammenarbeit und LP 21 Interdisziplinäre Zusammenarbeit und LP 21      

Wie unterscheidet man im 1. Zyklus zwischen Kindergarten und Unterstufe?

Die Grundidee des Lehrplans 21 besagt, dass man mit der Formulierung von Kompetenzen in Zyklen mehr Spielraum für die Differenzierung bis hin zur Individualisierung erhält. Demzufolge gibt der Lehrplan 21 keine Orientierungspunkte zwischen Kindergarten und Unterstufe vor. Es obliegt der Hoheit der Kantone, allenfalls zusätzliche Orientierungspunkte zu setzen. Während der Kanton Zürich einen Orientierungspunkt für das Ende der zwei Kindergartenjahre in den Volksschullehrplan eingefügt hat, geben andere Kantone Hinweise, bei welchen Kompetenzen die Kinder z.B. in Sprache und Mathematik angekommen sein sollten. Damit erhalten die Kindergarten- und Erstklasslehrpersonen Orientierungshinweise. Das dem Lehrplan 21 zugrunde liegende Lern- und Unterrichtsverständnis wird dadurch aber erheblich eingeschränkt.  

Weshalb spricht man im Zusammenhang mit dem LP 21 so oft von den P-Scales?

Seit dem Jahr 2011 hat die Schweiz basierend auf dem HarmoS Konkordat zur EDK-Webseite nationale Bildungsziele. Sie beschreiben, welche Grundkompetenzen die Schülerinnen und Schüler in Schulsprache, Fremdsprachen, Mathematik und Naturwissenschaften bis am Ende des 2., 6. und 9. Schuljahres (HarmoS 4, 8 und 11) erwerben sollen. Das Niveau der Bildungsziele wurde empirisch bestimmt: Rund 12'000 Lernenden erhielten Testaufgaben. Diejenigen, die  80 – 90 % der Lernenden lösen konnten ergaben das Grundniveau. Die Grundkompetenzen sind im LP 21 in Form von Grundansprüchen eingearbeitet. Entsprechend der Art der Festlegung werden nicht alle Lernenden, die Grundkompetenzen bzw. die Grundansprüche in den erwähnten Fächern, erreichen können. Bei der Gruppe von Lernenden, deren Kompetenzen deutlich vor dem ersten Zyklus liegen, wird im Moment für die Einschätzung des Lernstandes das britische Instrument der P-Scales diskutiert. Hier können Sie sich über das Projekt SECEL Entwicklungsbasierte Skalen zum Projekt zum Thema informieren.
⇒ Liesen, C. & Hessels, M. G. P. (2011). Zur Brauchbarkeit der P-Scales für standardbasierte Kompetenzmessung in der Schweiz. Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik, 17 (10), 27-32. zum Artikel
⇒ Interdisziplinäre Zusammenarbeit und LP 21 Interdisziplinäre Zusammenarbeit und LP 21 

Sind im Lehrplan 21 Angaben zu Deutsch als Zweitsprache (DaZ) zu finden?

Deutsch als Zweitsprache wird als Bestandteil des Sprachenlernens in der Volksschule gesehen, jedoch im Lehrplan nicht speziell dargestellt. Grundsätzlich sind die in Deutsch formulierten Grundansprüche anzustreben, DaZ wird im Kompetenzaufbau nicht explizit ausgewiesen.
⇒ Lehrmittel Sonderpädagogik und LP 21 Lehrmittel Sonderpädagogik und LP 21   

Gilt das Datum der Umsetzung des LP 21 in den Kantonen auch für den Unterricht der SHP?

Ja das ist so, denn alle Lernenden werden grundsätzlich nach demselben Lehrplan unterrichtet. Auf der Webseite www.lehrplan21.ch zur Webseite lehrplan21.ch finden Sie unter "Umsetzung in den Kantonen" Angaben zum Zeitpunkt der Umsetzung in den einzelnen Kantonen und den entsprechenden Rechtsgrundlagen.

Was haben Grundkompetenzen mit dem LP 21 zu tun?

Der Begriff der Grundkompetenzen bezieht sich auf die nationalen Bildungsstandards. Diese wurden für die Schweiz von der EDK (Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren) erstmals im Zusammenhang mit der Harmonisierung der obligatorischen Schule entwickelt und im Jahr 2011 frei gegeben. Sie sind als Grundkompetenzen für die Schulsprache, die Fremdsprachen, die Mathematik und die Naturwissenschaften beschrieben. Sie legen fest, welche Grundkompetenzen Schülerinnen und Schüler in der Schulsprache, in Mathematik und Naturwissenschaften bis zum Ende der 2., 6. und 9. Klasse, in den Fremdsprachen bis zum Ende der 6. und 9. Klasse erwerben sollen. Im Lehrplan 21 wurden diese Grundkompetenzen in den Fachbereichen Sprachen, Mathematik und Natur, Mensch, Gesellschaft (NMG) in die Grundansprüche eingearbeitet. So wird gewährleistet, dass Schülerinnen und Schüler, die die Grundansprüche des Lehrplans erreichen zugleich auch die Grundkompetenzen (nationale Bildungsstandards) erreichen.

Was sind Grundansprüche?

Grundansprüche sind diejenigen Kompetenzen, die Schülerinnen und Schüler bis zum Ende eines Zyklus erreichen sollten. Sie sind im LP 21 grau hinterlegt.      

ICF und Lehrplan 21

Ist ICF noch relevant im LP 21?

ICF (Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit, WHO) ist selbstverständlich auch nach der Einführung des LP 21 noch relevant. Der LP 21 formuliert auf der Ebene des Unterrichts – also der Umweltfaktoren – Kompetenzen, die Lernende erreichen können und ermöglicht so, die Lernenden entlang der erreichten, bzw. nicht erreichten Kompetenzen zu beschreiben. Im vereinfachten Sinn beschreibt der Lehrplan 21 durch die Formulierung der Kompetenzen das, was bei ICF als Aktivitätsbereiche beschrieben ist. Für Lernende mit sonderpädagogischem Förderbedarf greift dies jedoch klar zu kurz. Für diese Lernenden sind Instrumente unverzichtbar, mit deren Hilfe Voraussetzungen der Lernenden und des Umfeldes erfasst werden können. Das bio-psycho-soziale Modell der ICF bietet hierfür eine sehr gute Grundlage. Zusätzlich bildet die ICF eine Basis für die gemeinsame Sprache aller an der Förderung Beteiligten. Gut angewendet bildet sie das Bindeglied zwischen Lehrplan, Kind, Eltern und Lehrpersonen.

Stehen LP 21 und ICF im Widerspruch oder sind sie kombinierbar?

Die ICF zur DIMDI Webseite (Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit, WHO) und der Lehrplan 21 verfolgen unterschiedliche Zwecke. Der Lehrplan 21 ermöglicht Aussagen dazu, ob ein Kind, ein Jugendlicher Kompetenzstufen erreicht, bzw. auf welcher Kompetenzstufe er sich befindet. Das Klassifikationssystem der ICF ist ein übergeordneter Rahmen mit dem die aktuelle Situation eines Kindes entlang von biologischen, psychologischen und sozialen Aspekte erfasst werden kann – schulische Leistungen sind nur ein Teilaspekt davon. Der LP 21 trägt somit als ein Teil der Umweltfaktoren dazu bei, den Lernstand des betroffen Kindes in den Blick zu nehmen.

Was ist für die Heilpädagogik bestimmend: ICF oder LP 21?

Sobald sich ein Lernender, eine Lernende im schweizerischen Schulsystem befindet, ist rechtlich der LP 21 bestimmend. Entsprechend ist er ein Umweltfaktor, der Einfluss hat auf die Partizipation eines Lernenden. So kann man sagen, dass der LP 21 als Umweltfaktor absolut bestimmend ist für die Heilpädagogik, denn er beeinflusst durch das Formulieren der Grundansprüche, wie weit ein Kind am Unterricht der Regelschule partizipieren kann. Die ICF (Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit, WHO) und die dazugehörigen Instrumente wie beispielsweise  das Schulische Standortgespräch (SSG) dienen dazu, die Situation eines Lernenden mit besonderem Förderbedarf zu erfassen, zu planen, durchzuführen und zu evaluieren. Auf der Webseite des DIMDI finden Sie am Ende der Einstiegsseite eine Skizze zur DIMDI Webseite, welche das dem ICF zugrunde liegende Verständnis veranschaulicht.

Stimmen die Aktivitätsbereiche des SSG mit den Fachbereichen des LP 21 überein?

Das Schulische Standortgespräch (SSG) orientiert sich an der ICF (Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit, WHO) an. Das exakte Wording der 10 Aktivitätsbereiche des SSG ist nicht deckungsgleich mit den Kompetenzen des LP 21, jedoch lassen sie sich gut damit verbinden. Hier sind heilpädagogische Fachpersonen gefordert, Übersetzungsarbeit zu leisten. Im besten Fall hilft dies, die Situation eines Lernenden noch spezifischer zu beschreiben.

Rolle der Fachperson in schulischer Heilpädagogik und LP 21

Welche Aufgaben fallen durch den LP 21 für die Heilpädagogik an?

Der Lehrplan 21 weist für Lernende mit sonderpädagogischem Förderbedarf vor allem zwei grosse Lücken auf:

  • Lernende mit sonderpädagogischem Förderbedarf bewegen sich in der Entwicklung ihrer Kompetenzen oft ausserhalb der Grundansprüche des LP 21. Für diese Kinder und Jugendlichen fehlen Kompetenzbeschreibungen. Dafür müssen in der Praxis und in der Theorie neue Modelle erarbeitet werden.
  • Die Terminologie der ICF (Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit, WHO) beziehungsweise des Instruments des SSG entspricht nicht ganz der Terminologie des LP 21. Hier muss von der Seite der Sonderpädagogik Transfer und Übersetzungsarbeit geleistet werden.

Was ändert sich in der Rolle der SHP im LP 21?

Die Grundaufgaben und Kompetenzen der heilpädagogischen Fachperson bleiben sich gleich und sind in erster Linie in den sonderpädagogischen Konzepten der Kantone und Schuleinheiten beschrieben.
Zur Orientierung:
⇒ Broschüre Schulische Heilpädagogik: Aufgaben und Kompetenzen zur Broschüre SHP, Aufgaben - Kompetenzen   

Es entstehen jedoch zusätzlich neue Aufgaben und neue Chancen:

  • Aufgaben: Da aktuell noch keine definierte Kompatibilität zwischen der ICF (Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit, WHO) und dem Lehrplan 21 besteht, müssen heilpädagogische Fachpersonen hier Verbindungsarbeiten leisten. Ebenfalls nicht vorhanden sind im LP 21 Beschreibungen von Kompetenzen, welche unter der jeweils ersten Kompetenzstufe sind. Auch hier müssen aktuell in der Praxis heilpädagogische Fachpersonen in der Praxis Zusätzliches leisten. Und nicht zuletzt: Auch bei Lehrmitteln müssen Anpassungen vorgenommen werden. Auf fachtheoretischer Ebene sind Projekte lanciert die, diese beiden Lücken füllen sollen. Wir werden Sie auf dieser Webseite auf dem Laufenden halten.
  • Chancen: Heilpädagogische Fachpersonen sind spezifisch dafür ausgebildet, individualisierende und differenzierende Lernangebote zu gestalten. Sie kennen zahlreiche Möglichkeiten, individuelle Voraussetzungen der Lernenden zu erfassen und entsprechende Lern – und Förderangebote bereitzustellen. Damit bringen sie gute Voraussetzungen mit, den Unterricht entsprechend der geforderten Kompetenzorientierung zu gestalten. Weitere Hinweise zum Lern- und Unterrichtsverständnis im LP 21 finden Sie auf der Webseite der EDK.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit und LP 21

Über welche Themen im LP 21 müssen Eltern informiert werden, welche ein Kind mit sonderpädagogischem Förderbedarf haben?

Grundsätzlich sollen diese Eltern genau gleich informiert werden wie alle andern Eltern auch und genau wie bis anhin gilt es, die ganz spezifischen Befürchtungen und Ängste dieser Eltern anzuerkennen. Grundsätze in der Elternarbeit wie Kooperation, Transparenz und Partizipation verändern sich mit der Einführung des Lehrplans nicht. Jedoch ergeben sich für Eltern neue Themen. Beispielsweise sind folgende Szenarien vorstellbar:

  • Eltern fürchten, dass die Lehrpersonen zu sehr mit der Einführung und den Änderungen des LP 21 beschäftigt sind und sich den spezifischen Bedürfnissen ihres Kindes nicht mehr entsprechend widmen können.
  • Verbindliche Grundansprüche können zusätzlich Druck auf Eltern und Kinder ausüben. Das Nichterfüllen der Grundansprüche kann eine grosse  Bedeutung haben und die Chancen des Kindes auf Partizipation an Bildung und Beruf beeinflussen.
  • Positive Szenarien könnten sein, dass Eltern, deren Kind hohe Begabungen hat froh sind, dass sich ihr Kind im LP 21 definierte Kompetenzen aus höheren Zyklen aneignen kann.
  • Ebenso kann der LP 21 für Eltern, die ein Kind mit Förderbedarf haben Erleichterung bewirken, da die Grundansprüche nur am Ende der Zyklen überprüft werden. Für eine gute Zusammenarbeit zwischen Lehrpersonen und Eltern ist es ausserordentlich wichtig, Anliegen der Eltern ernst zu nehmen. Ebenso wichtig ist es, sich von den Fragen der Eltern anregen zu lassen und so zusätzlich auf Chancen, Risiken und Versäumnisse im LP 21 aufmerksam zu werden.

Definiert der LP 21 auch die Zusammenarbeit in integrativen Schulen?

Nein! Dazu macht der Lehrplan 21 keine konkreten Aussagen. Die Gestaltung der Zusammenarbeit zwischen Lehrpersonen an integrativen Schulen bleibt wie bis anhin in der Verantwortung der konkret Beteiligten und den Schulleitungen.
Zur Orientierung:
⇒ Broschüre Schulische Heilpädagogik: Aufgaben und Komptenzen  zur Broschüre SHP, Aufgaben - Kompetenzen

Lehrmittel Sonderpädagogik und LP 21

Welche Lehrmittel im Fachbereich Mathematik sind für Lehrpersonen in schulischer Heilpädagogik bereits im Hinblick auf den LP 21 aufbereitet und kommentiert?

Zu den Aufgaben einer heilpädagogischen Fachperson gehört es, adaptierte Lehrmittel, Lernmaterialien und Hilfsmittel hinsichtlich der Bedürfnisse der Lernenden bereitzustellen. Diese wichtige Aufgabe ändert sich auch durch neue Lehrmittel, bzw. durch den LP 21 nicht. Folgende Hinweise können in dieser Aufgabe unterstützen:  

  • «Das «Schweizer Zahlenbuch» bzw. «mathbuch» ist kompetenzorientiert und damit dem Lehr- und Lernverständnis des Lehrplans 21 verpflichtet. Die vom Lehrplan geforderten Tätigkeiten und Inhalte deckt das Lehrmittel weitgehend ab. Zu diesem Lehrmittel ist der Heilpädagogische Kommentar 1, 2, 3, 4 und 5/6 verfügbar.
  • Klett bietet eine Reihe von Mathe-Trainingsmaterialien an, welche sich gut für den heilpädagogischen Bereich eignen. Folgende drei sind neu erschienen und nehmen Handlungsaspekte aus dem LP 21 auf: Operieren 5/6, Forschen 5/6, Darstellen 5/6
  • In Planung ist das mathbuch IF. Sein Erscheinungsdatum ist auf Mai 2017 festgelegt.  

Aktuell sind schweizweit auf unterschiedlichen Ebenen Bestrebungen vorhanden, unterstützende Instrumente zu entwickeln.
Sie finden hier Informationen über aktuelle Entwicklungen zum Thema Heilpädagogik / Lehrmittel Fachbereich Mathematik LP 21.

Welche Lehrmittel im Fachbereich Sprache sind für Lehrpersonen in schulischer Heilpädagogik bereits spezifisch im Hinblick auf den LP 21 aufbereitet und kommentiert?

Grundsätzlich ist die Umsetzung des LP 21 für den Regelklassenunterricht mit den vorhandenen Lehrmitteln weitgehend gewährleistet. Weitere Informationen dazu finden Sie im Bericht "Die Lehrmittelsituation in den Fachbereichen im Hinblick auf die Einführung des Lehrplans 21" der Interkantonalen Lehrmittelzentrale zum Bericht. Bis anhin hat die HfH keine Kenntnis über spezifische heilpädagogische Handreichungen oder Kommentare zu den Lehrmitteln in Bezug auf den LP 21.
Gerne nimmt die HfH entsprechende Hinweise entgegen und informiert Sie laufend über Neuigkeiten.

Team