Grundlagen Psychomotorik

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Inhalt

Grundverständnis Psychomotorik

Bewegung, Spiel und Erleben

 

Die Psychomotorik orientiert sich an einem Entwicklungsmodell, welches die dynamischen Prozesse der kindlichen Entwicklung betont. Die vom Kind selbst gestalteten Interaktionen werden in den Vordergrund gerückt. Physische, psychische und soziale Faktoren spielen dabei eine interaktive Rolle. Als Settingangebot bietet die Psychomotoriktherapie ihrer Klientel eine Bewegungsumwelt an, von der angenommen wird, dass  besonders gute „Lernerfahrungen“ in den Bereichen Motorik, Kognition, Emotion und Sozialverhalten gemacht werden können. Die alltagsnahen Angebote ermöglichen es den Kindern und Jugendlichen, neue Problemlösungsstrategien zu erproben und ihre Handlungskompetenzen zu erweitern.

Neue Erfahrungs- und Erlebnismöglichkeiten sollen geschaffen werden, die dann in den Alltag integriert werden können. Auf der körperlichen und emotionalen Ebene können durch gezielte Interventionen bestimmte Stimmungszustände provoziert werden, die ihrerseits Veränderungen auf der kognitiven und auf der Verhaltensebene nach sich ziehen. Hierzu gehören neben dem freien Spiel beispielsweise Phantasiereisen, Entspannungsübungen, therapeutisches Zaubern, Geschichten erzählen und spielen, Malen und Gestalten.

Im Mittelpunkt der Psychomotorik stehen die Medien Bewegung und Spiel. Dies sind kindgemäße Formen, sich mit der personalen und materialen Umwelt auseinanderzusetzen, auf sie einzuwirken und diese für sich zu konstituieren. In der kindlichen Lebenswelt stellen sie zentrale Lern- und Entwicklungsmedien dar und bieten vielfältige Zugangsmöglichkeiten zum Kind.

Vertiefungstext zur Psychomotoriktherapie mit Literaturangaben

 

 

 

Weiterbildung

GRAFOS – ein neues Verfahren zur Erfassung grafomotorischer Kompetenzen in Kindergarten und Grundschule

HfH Zürich, 2 Vormittage, 13.06.2018 und 05.07.2018

Ansprechpartnerin

MSc Ilona Widmer

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Begrifflichkeiten der Psychomotorik

Bewegung

Mit Bewegung etwas erreichen, herstellen, ausdrücken, darstellen und durchsetzen sowie durch Bewegung etwas über Körperlichkeit, materiale Beschaffenheit der Dinge und die eigene Person erfahren (vgl. Grupe 1976). Ebenso das Erleben der Bewegung an sich und das Selbsterleben durch Bewegung sowie das Erfahren von Möglichkeiten, sich selbst zu verändern und zu verwirklichen. Mit und durch Bewegung Beziehungen zu anderen Menschen herstellen und wahrnehmen.

Spiel

Neben der Bewegung kommt auch dem Spiel als ein weiteres zentrales Medium der Psychomotorik eine grosse Bedeutung zu. Kinder spielen aus innerer Motivation heraus und geben ihrem Spiel einen eigenen Sinn. Sie entdecken, dass sie etwas selbst bewirken können. So wählen sie auch in den von ihnen gewählten Bewegungsspielen meist Themen aus, die mit ihrer momentanen Lebenssituation in Zusammenhang stehen. Neben dem Rollenspiel / Symbolspiel werden in der Psychomotorik aber auch vielfältige Regelspiele eingesetzt, bei denen das gemeinsame miteinander oder gegeneinander Spielen der Förderung sozialer Kompetenzen dient. Gewinnen und verlieren, mit seinen Schwächen und Stärken umgehen zu lernen sowie Rücksicht auf andere zu nehmen sind hier wesentliche Zieldimensionen.

Arbeitsfelder

Psychomotorische Förderung als pädagogisch-therapeutische Massnahme ist in der Schweiz meist dadurch gekennzeichnet, dass sie ein schulnahes Angebot ist, aber separativ durchgeführt wird. Das Kind erhält einzeln oder in einer Kleingruppe ausserhalb des üblichen Schulunterrichts ein Förderangebot. Neben dieser therapeutischen Arbeit, die bis anhin im Vordergrund stand, kommen Arbeitsschwerpunkte im Bereich der Prävention und Integration hinzu. Psychomotoriktherapeutinnen führen präventive Angebote durch, um negative Entwicklungsverläufe zu vermeiden. Konkret heisst dies, präventive und integrative Förderung findet (zunehmend) in grösseren Gruppen statt. Auch als Förderung im Rahmen eines integrierten Unterrichts durch Regel- und Förderlehrpersonen erhält die psychomotorische Arbeit einen immer grösseren Stellenwert.

Psychomotorik und Prävention im Frühbereich

In der deutschsprachigen Schweiz ist die Psychomotoriktherapie als sonderpädagogische Massnahme im Schuldienst angesiedelt und hat ihr Betätigungsfeld erst ab dem Kindergartenalter. Der vorschulische Bereich ist aktuell eine Lücke im Feld der Prävention in der Psychomotorik, die nicht übersehen werden und auf die an dieser Stelle aufmerksam gemacht werden soll. Es zeigen sich jedoch erste Tendenzen: im Bereich der Kindertagesstätten werden zunehmend bewegungsfördernde Konzepte aus der Psychomotorik eingesetzt und Fortbildungen zur Entwicklung und Förderung des Kindes aus der Perspektive der Psychomotorik angeboten.