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Antrittsvorlesung vom 25. September

Warum bei auffälligem kindlichem Verhalten ein Missverstehen nicht die Ausnahme, sondern die Regel ist, mit dieser Fragestellung begann die Vorlesung von Prof. Susanne Amft zu ihrem Antritt als Leiterin des Institutes für Verhalten, sozio-emotionale und psychomotorische Entwicklungsförderung.

Sie spannte einen weiten Bogen von den ersten biologischen Deutungsmustern über die Nacherziehungsindustrie in den USA hin zum heutigen modernen Ansatz, der sich mit dem Verstehen des Umfeldes, in dem ein Individuum lebt, beschäftigt.

In einem kurzen Ausflug in die Geschichte der Kinderpsychiatrie zeigte Susanne Amft Modelle auf, die sich mit der Rückführung auf organische Hirnstörungen beschäftigen, wie z. B. das MCD/POS-Modell, welches 1984 widerlegt wurde. Heinrich Hanselmann, Leiter der Vorgängerinstitution der HfH, des Heilpädagogischen Seminars, prägte ab 1961 ein fortschrittlicheres, humanistisches Verständnis der kindlichen Entwicklung. Mitte der 90er Jahre kam das Modell des ADS auf.

Susanne Amft betonte weitere Stränge der Entwicklung wie z. B. das stärkere Verstehen und die Kenntnis des Umfeldes. Der Mensch hat ein genetisch verankertes Erkennungsprogramm von Affektausdrücken. Die emotionalen Zustände können erkannt werden, aber nicht das «Warum». «Unsere Wahrnehmung kann täuschen», dazu führte Susanne Amft als Demonstration ein Onlinevoting zu einem Video eines Kindes mit schwierigem Verhalten unter der grossen Zuhörerschaft durch.

«Eine Korrektur von kindlichem Verhalten ist schwieriger geworden als früher», sagt Susanne Amft. Die Bandbreite der Methoden bei zunehmender Heterogenität in der Gesellschaft ist gross, von Boot Camps in den USA, die mit Konditionierung arbeiten, bis hin zu der heilpädagogischen Perspektive auf Verhaltensauffälligkeiten und auf Interventionen im Rahmen sozial-emotionaler und psychomotorischer Entwicklungsförderung. Dies eröffnet der pädagogischen Praxis einen wissenschaftlich fundierten Zugang zum Verständnis von auffälligen Verhaltensweisen als Subjektäusserungen und – systemisch – als Bewältigungsversuche im Rahmen einer überfordernden bzw. nicht kind- und entwicklungsgerechten Lebensumwelt. Aus den Erkenntnissen werden Konzepte und Methoden abgeleitet, die eine potentialgerechte Persönlichkeitsentwicklung, schulischen Erfolg und gesellschaftliche Integration von Menschen mit Verhaltensauffälligkeiten unterstützen.

In der Begrüssung hatte Rektorin Prof. Dr. Barbara Fäh Bezug genommen auf die beruflichen Stationen der Institutsleiterin Susanne Amft: Als Diplom-Motologin, Lehrerin Sek 1 für die Fächer Sport und Mathematik, Therapeutin für konzentrative Bewegungstherapie und Tanztherapie sowie langjährige Departmentsleiterin bringt sie einen reichen Erfahrungs- und Wissensschatz in den vierfachen Leistungsauftrag der HfH ein.

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