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Sozial beeinträchtigte Schülerinnen und Schülern

Daniel Barth (HfH) und Reto Luder (PHZH) nach ihrem Kolloquium (Andre Kunz fehlt). Dr. Daniel Barth und Prof. Dr. Reto Luder stellten zusammen mit Prof. Dr. André Kunz (fehlend auf dem Foto) ihre Ergebnisse vor.

Am Forschungskolloquium vom 23. Mai gaben die Referenten Dr. Daniel Barth (HfH), Prof. Dr. André Kunz sowie Prof. Dr. Reto Luder (beide PHZH) einen Einblick in das Forschungsprojekt «Umgang von Schulen mit sozial beeinträchtigten Schülerinnen und Schülern», das im Auftrag des Departementes für Bildung, Kultur und Sport des Kantons Aargau umgesetzt wurde.

Wie andere Kantone auch verzeichnete der Kanton Aargau in den letzten Jahren eine starke Zunahme der Verstärkten Massnahmen im Bereich verhaltensauffälliger Schülerinnen und Schüler. Weil mit den üblichen bildungsstatistischen Daten nicht erklärt werden konnte, warum es in einzelnen Gemeinden einen grossen Anstieg gibt und in anderen Gemeinden nicht, wurden die PHZH und die HfH mit einem Forschungsprojekt beauftragt.

Anhand eines Online-Fragebogens wurden in 13 Schulen alle Akteure befragt zu den Themen Schulklima, Kooperation, professionelle Kompetenzen, Einstellung zur Integration, allgemeine und spezielle Belastung. In acht Schulen wurde zudem ein Gruppeninterview mit einer interdisziplinären Gruppe durchgeführt. 

Abstract von Dr. Daniel Barth (HfH) Prof. Dr. André Kunz (PHZH) und Prof. Dr. Reto Luder (PHZH)

Um herauszufinden, wie Schulen mit verhaltensauffälligen Schülerinnen und Schülern (SuS) umgehen, wurden 13 Schulteams online befragt (N= 213). In 8 dieser 13 Schulen wurden zudem Gruppeninterviews mit einer interdisziplinären Gruppe durchgeführt, bestehend aus Schulleitung (SL), Schulischer Heilpädagogin (SHP), Schulsozialarbeiter (SSA) und einer Klassenlehrperson (KLP).

Insgesamt zeigt sich, dass verstärkte Massnahmen (VM) ein wichtiges Mittel sind, dass Schulen das bildungspolitische Ziel der Integration unterstützen und für verhaltensauffällige SuS integrative Lösungen realisieren. VM alleine gewährleisten jedoch nicht, dass integrative Lösungen zustande kommen und über Dauer tragfähig bleiben.

Als moderierende Variable ist die Kooperation im Schulteam zentral. Bezüglich Kooperation und Klima unterscheiden sich Schulen mit viel VM’s von Schulen mit wenig VM’s signifikant. Das Gelingen von Kooperation im Team hängt damit zusammen, wie stark sich ein Team belastet fühlt, wie zufrieden es ist mit der Arbeit und welches Klima herrscht.

Sind Kooperation und Klima schlecht, werden Belastungen, Unzufriedenheit und Konflikte externalisiert. An Stelle einer Anpassung an eine veränderte, heterogenere Umwelt, werden Eltern beschuldigt, bei der Erziehung ihrer Kinder versagt zu haben. Eine solche externalisierende Spannungsbewältigung ist auch verantwortlich für essentialisierende Zuschreibungen.

Wenn Lern- und Schulschwierigkeiten als Merkmale von Kindern definiert werden, sind verhaltensauffällige SuS auf die Dauer stigmatisiert, isoliert und exkludiert. Ein gut kooperierendes Team hingegen wirkt als Filter, der Spannungen, die im Umgang mit verhaltensauffälligen Schülern und Schülerinnen immer entstehen, auffängt und reflexiv bearbeitet.

Die integrative Organisation der heilpädagogischen Förderung im Rahmen der Regelklasse garantiert nicht, dass eine Schule in Bezug auf verhaltensauffällige SuS tragfähiger wird. Entscheidend ist zum einen, ob die Arbeitsteilung im multiprofessionellen Team situativ und nicht entlang der spezifischen Funktionen von SHP, SSA, KLP und SL organisiert ist. Ein polyvalentes Rollenverständnis ermöglicht es Akteuren, flexibel auf die Erfordernisse herausfordernder Situationen zu reagieren. Zum andern ist ein integrativer Denkstil des Teams wichtig, um die Tragfähigkeit der Schule zu verstärken.

Die lokale Existenz von Sonderklassen wirkt als Anreiz, verhaltensauffällige SuS abzustufen. Abstufungen entlasten die ganze Schule von Unterrichtsstörungen, die nun konzentriert in den Spezialklassen auftauchen, wo sie mittels SSA und SHP bearbeitet werden müssen.

Am schulpsychologischen Zuweisungsverfahren manifestieren sich häufig Legitimationsprobleme, weil sich die Eltern nachhaltig gegen Abstufung und Exklusion zur Wehr setzen. Erfolgreich integrierenden Schulen hingegen wird von Seiten der Eltern und Behörden Anerkennung zuteil.

Fazit

Eine Schulpolitik, welche die Integration von verhaltensauffälligen SuS ernsthaft will, muss die entsprechenden Ressourcen zur Verfügung stellen. Eine Kürzung der VM ist ein Schuss ins eigene Bein, weil damit für alle Akteure eine Ziel-Mittel-Diskrepanz entsteht, wodurch die Spannungen im Schulsystem wissentlich erhöht werden.

Damit zur Verfügung stehende Ressourcen wirkungsvoll eingesetzt werden können, braucht es eine Optimierung der selbstreflexiven Kapazitäten (Teamcoaching und Fallbesprechung als professionelle Formen). Dafür sind Zeitgefässe notwendig, in denen das Team thematisiert, was mit ihm passiert in der Auseinandersetzung mit schwierigen SuS, welche Affekte dabei entstehen und welche Handlungsimpulse sich melden.

Gelingt es einem Team, diese oft schwierigen Gefühle und meist unliebsamen Reaktionen auf einer sprachlichen Ebene zu symbolisieren, dann besteht die Hoffnung, dass es weniger zu agierten Gegenübertragungen auf die SuS mit Verhaltensauffälligkeiten kommt, was in Bezug auf Stigmatisierung, Delegation und Exklusion präventiv wirkt. 

Anmerkung: VM entsprechen im Kanton Zürich der ISR (Integrierte Sonderschulung in der Verantwortung der Regelschule).

Für September 2019 sind Publikationen über das Forschungsprojekt geplant. Bei Interesse an den Ergebnissen steht Dr. Daniel Barth für Fragen zur Verfügung.

 

Autor/Autorin: Daniel Barth, Dr. Link zur Mitarbeiterübersicht Daniel Barth; Sabine Hüttche, MSc Link zur Mitarbeiterübersicht Sabine Hüttche

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