Event

Motivation und Selbstregulation unter erschwerten Bedingungen, Online-Tagung

Befunde der Interventionsforschung – Hinweise für die Praxis

Kontakt
Tagungsleitung
Rupert
Tarnutzer
Dr. phil., Dozent, Institut für Lernen unter erschwerten Bedingungen HfH
Liliana
Tönnissen
Titel
lic. phil.
Funktion
Advanced Lecturer
E-Mail
liliana.toennissen [at] hfh.ch

Überblick

Auch Schülerinnen und Schüler mit Lernschwierigkeiten können ausreichend motiviert bleiben, sofern sie aktiv unterstützt werden, sich sinnvolle Lernstrategien anzueignen, sofern sie sich selbst als kompetent erleben können und sofern bewusst darauf geachtet wird, ihre auch kleinen Lernfortschritte sichtbar zu machen. Motivationale Kompetenz kann auch von dieser Gruppe von Lernenden erworben werden!

Die nun bereits vierte Tagung zu Motivation und Selbstregulation bietet in Referaten und Workshops für SHP und Lehrpersonen theoretische Ansätze, Forschungsbefunde aus dem Projekt MOSEL, aber auch ganz praktische Informationen und Hinweise wie Motivation und Selbstregulation im Schulalltag nachhaltig gefördert werden können.

Diese Tagung findet im Rahmen des Jubiläums 2021: Bildung für Alle – 20 Jahre HfH statt. Mehr Informationen zum Jubiläum finden Sie auf unserer Jubiläumsseite.

Zielgruppen

Schulische Heilpädagoginnen und -pädagogen sowie Lehrpersonen aller Stufen, Eltern und Schulleitungen

Fakten

  • Maximale Anzahl Teilnehmende: 200
  • Anmeldeschluss
  • Kosten: CHF 280
Detailprogramm Tagung Motivation- und Selbstregulation
«Kein Interesse, kein Bock – Lebenskompetenzen aufbauen, trotz Lernschwierigkeiten»

Schulblatt AG/SO 7/2021

Programmübersicht
Freitag 10. September 2021
  • 9.15 Uhr Eröffnung durch die Tagungsleitung
  • 9.20 Uhr Grussworte
    • Barbara Fäh, Prof. Dr., Rektorin HfH
    • Claudia Ziehbrunner, Prof., Leiterin Instituts für Lernen untererschwerten Bedingungen
  • 9.30–9.45 Uhr Einführung und Programmüberblick durch die Tagungsleitung
  • 9.45–10.30 Uhr Referat 1: «Das Projekt MOSEL – aufmerksam und beharrlich bleiben», Rupert Tarnutzer, Dr. phil., HfH
  • 10.30–11.00 Uhr Pause
  • 11.00–11.45 Uhr Referat 2: «Klug entscheiden, mit Kopf und Bauch», Maja Storch, Dr. phil., Universität Zürich
  • 11.45–13.00 Uhr Mittagspause
  • 13.00–14.30 Uhr Erste Durchführung der Workshops 1 bis 5
  • 14.30–15.00 Uhr Pause
  • 15.00–16.30 Uhr Zweite Durchführung der Workshops 1 bis 5
  • 16.30 Uhr Abschluss des ersten Tages
Samstag 11. September 2021
  • 9.00–9.15 Uhr Begrüssung durch die Tagungsleitung
  • 9.15–10.00 Uhr Referat 3: «Programmatische Förderung der Selbstregulation in der Grundschule. Das Programm „Lubo aus dem All!”» Dennis Christian Hövel, Prof. Dr., HfH
  • 10.00–10.30 Uhr Pause
  • 10.30–12.00 Uhr Erste Durchführung der Workshops 6 bis 10
  • 12.00–13.15 Uhr Mitttagspause
  • 13.15–14.00 Uhr Referat 4: «Motivation als Kompetenz – kann man lernen, motiviert zu sein?» Liliana Tönnissen, lic. phil., HfH
  • 14.00–14.30 Uhr Pause
  • 14.30–16.00 Uhr Zweite Durchführung Workshops 6 bis 10
  • 16.00 Uhr Tagungsende
  • 17.00 Uhr Vernissage der Ausstellung «Schlumper»

Durchführung der Tagung

Angesichts der aktuellen Lage werden sämtliche Angebote dieser Tagung online durchgeführt. Die Referate und die Workshops sind synchron (live) und zum Teil auch asynchron über eine Online-Plattform zugänglich.

Workshops
Workshop 1 «Ich werde Lernprofi!» Praxiserfahrungen mit der Lektionsreihe des Projekts MOSEL

Mit vier Lernenden der Mittelstufe mit Lernschwierigkeiten in Mathematik und Förderbedarf in den Bereichen Motivation und Selbstregulation wurden die Interventionslektionen des Projekts MOSEL durchgeführt. Die gewonnenen Erfahrungen aus der Praxis werden vorgestellt, wobei der Fokus auf der Förderung der selbstregulativen Kompetenzen liegt. Im Workshop werden die Inhalte der Intervention vorgestellt und die Veränderungen bei den Kindern erläutert.

Tabea Bruggmann

Workshop 2 Lernschwierigkeiten: Voll easy!

Lernschwierigkeiten verursachen Stress, und Stress verursacht Lernschwierigkeiten nicht nur bei Kindern, auch bei den Eltern und beim pädagogischen Fachpersonal. Dies kann zu einem wahren Teufelskreis führen, den es zu unterbrechen gilt. Wie können lernbehindernde Stressmechanismen erkannt und ausser Kraft gesetzt werden? Workshop-Inhalte:

  • Stressprozesse physiologisch verstehen
  • hilfreiche Tools für den Umgang mit Stress
  • Kennen und Fördern einer optimalen Lernhaltung

Catherine De Clercq

Referat 2: Klug entscheiden, mit Kopf und Bauch

Im beruflichen Alltag hat man es oft mit Bauchgefühlen zu tun, besonders wenn man mit Jugendlichen arbeitet. Die Frage ist: Wie geht man mit diesen Bauchgefühlen um, und welche Rolle spielen sie bei Entscheidungen? Soll man lieber auf den Kopf hören oder dem Bauchgefühl nachgeben? Was kann man Jugendlichen raten, die in so einem Zwiespalt stecken? Mit der didaktischen Metapher des «Strudelwürmli» erklärt Maja Storch lustig, informativ und praxisnah die neurobiologischen Hintergründe und gibt Empfehlungen aus der Sicht der Psychologie.

Maja Storch, Dr. phil.

Workshop 3 Von der Sonderschule zur Besonderschule

Am Beispiel der tipiti-Oberstufensonderschule Wil wird aufgezeigt, dass die vielschichtigen Prozesse des Lernens dann greifen können, wenn sich die Pädagogen als Beziehungspartner anbieten und sich dabei für Lernende wirklich interessieren können. Dafür müssen sowohl den Lehrpersonen wie auch den Schülerinnen und Schülern genügend offene Lernräume zugestanden werden. Wie sehen diese aus? Wie muss eine solche Schule organisiert sein? Was ist partizipatives Lernen? Könnte die Regelschule das auch? In diesem Workshop sollen Visionen, Erkenntnisse und Umsetzungsmöglichkeiten ausgetauscht und angeregt werden.

Ruedi Gurtner

Workshop 4 Denkbilder: mit Kindern über ihr Lernen in einen Dialog treten

Über einfach lesbare Bilder bauen Kinder Begriffe auf, mit denen sie zunehmend differenziert über ihre Lernerfahrungen sprechen und nachdenken
können. Die 16 Bilder haben wesentliche Aspekte des Lernens zum Inhalt: die Wahrnehmung der eigenen Befindlichkeit während des Arbeitens, die subjektive Beurteilung der Anforderungen der Lernaufgabe sowie die Reflexion von Strategieanwendungen. Vielfältige Materialien erleichtern die Einführung sowie die Verwendung in der Einzelförderung oder im Klassenverband.

Karolin Weber

Workshop 5 Vermeidende Haltungen vermindern – für das Leben kompetent machen

SHP und Lehrpersonen machen im inklusiven Unterricht sehr häufig die Erfahrung, dass Schülerinnen und Schüler ihre Lernschwierigkeiten im inklusiven Unterricht möglichst verdecken und noch weniger innerhalb der Klasse darüber sprechen möchten. Der Workshop geht aufgrund der Erfahrungen im Projekt MOSEL der Frage nach, welches Setting es für eine SHP braucht, um mit diesen Kindern und Jugendlichen ihre vermeidende Haltung besprechen und reflektieren zu können und eine Veränderung ihrer Haltung zum Lernen in die Wege zu leiten und zu stabilisieren.

Rupert Tarnutzer, Dr. phil., mit Teilnehmenden des Projekts MOSEL

Workshop 6 «Writers' Room» – Gemeinsam krea(k)tiv unterwegs: So macht Schreiben Spass!

Ein Konzept zur Schreibförderung auf der Oberstufe. Seine eigene Geschichte schreiben, dabei Hilfe und neue Ideen durch gemeinsames Brainstorming erhalten, die Texte im Writers'-Room-Team reflektieren und weiterentwickeln. So wird Schreiben zum sozialen Event. Resultat: motivierte Schülerinnen und Schüler, fantasievolle, vielseitige und spannende Texte, zufriedene Lehrpersonen. Wir probieren es gleich selbst aus!

Judith Tobler-Huber

Workshop 7 Emo und der Pirat Soso – ein Selbstregulationstraining für die erste Klasse

Impulskontrolle und Selbstregulation werden auf der Unterstufe immer drängender zum Thema für Klassenlehrpersonen und SHP. Mit einem präventiven Training von 15 Lektionen wird eine Basis für selbstreguliertes Lernen und den Umgang mit Emotionen bereits zu Beginn der Unterstufe gelegt. In wöchentlichen Impulslektionen mit der Identifikationsfigur Emo werden die Elemente des Trainings eingeführt (Emotionen erkennen und regulieren, Selbstwahrnehmung, Überwachung der Konzentration, Impulskontrolle, hilfreiche Gedanken, Gedächtnisstrategien, Ausdauer). Dazwischen werden die eingeführten Strategien im Schulalltag direkt angewendet. Die Autorin stellt die Trainingsinhalte vor, berichtet über Erfahrungen mit der Umsetzung in drei Klassen und steht für Fragen zur Verfügung.

Andrea Fenner

Workshop 8 Achtsamkeit als Weg zur Selbstregulation und Motivation

Das BINJA-Achtsamkeitstraining vermittelt Lehrpersonen und Schülerinnen und Schülern Werkzeuge, sich ihrer Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen bewusst zu werden. Der Atem führt in die Ruhe und fördert den Prozess der Rückholung von Gedanken und Gefühlen zurück zu sich selbst. Mittels eines Bilderbuches «Binja – achtsame Reise durch die Welt der Gefühle» werden Primarschulkinder an das Thema Achtsamkeit als Weg zur Selbstregulation und Motivation herangeführt.

Ruth Monstein

Workshop 9 Vom lockeren Umgang mit Veto und Widerstand

Was macht es mit Ihnen, wenn Schülerinnen und Schüler Veto und Widerstand machen? Hier für seine eigenen Gefühle Strategien zu kennen und
trotzdem emphatisch die Führung zu behalten erhöht die Chance, herausfordernde Kinder zu Kooperation zu bewegen. Der Workshop regt zum
Nachdenken an und gibt konkrete Ideen, wie Fachpersonen auch unter erschwerten Bedingungen erfolgreich mit Widerstand umgehen können.

Urs Eisenbart

Workshop 10 Emotionen und Motivation bei Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung

Emotionen sind existenzielle Signalgeber und beeinflussen Antrieb und Steuerung des täglichen Verhaltens. Sie modulieren Aufmerksamkeits-, Gedächtnis-, Entscheidungs- und andere Denkprozesse und spielen eine zentrale Rolle in sozialem Verhalten. Mit dem Fokus auf Menschen mit einer geistigen Behinderung stellt sich die Öffentlichkeit oftmals die Frage, ob diese Menschen in ihrem Verhalten vorwiegend von Emotionen gesteuert werden. Nein, natürlich nicht! Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung sollen im schulischen Kontext unter anderem auch befähigt werden, eigene Emotionen zu erleben, Regulierungsmöglichkeiten zu erkennen und diese in Gruppen anzuwenden.

Roman Manser, lic. phil.

Referate
Referat 1 Das Projekt MOSEL – aufmerksam und beharrlich bleiben

Im Zentrum der Lektionsreihe «Ich werde Lernprofi» stehen die Einstellung zum Lernen und die Fähigkeit, sich zu konzentrieren und beharrlich zu bleiben. Beharrlich zu sein gelingt bei einfachen Aufgaben oft gut. Bei komplexen Aufgaben jedoch neigen Schülerinnen und Schüler mit Lernschwierigkeiten zu unterschiedlichem Meideverhalten (schätzen, anstatt auszurechnen, abbrechen, sofortige Hilfe suchen etc.). Im Referat wird aufgezeigt, wie dieses problematische Verhalten abgebaut werden kann und produktive Strategien vermittelt und eingeübt werden können. Erfahrungen der beteiligten SHP in der Vermittlung und Befunde aus dem Projekt werden einbezogen.

Rupert Tarnutzer, Dr. phil.

Referat 2 Klug entscheiden, mit Kopf und Bauch

Im beruflichen Alltag hat man es oft mit Bauchgefühlen zu tun, besonders wenn man mit Jugendlichen arbeitet. Die Frage ist: Wie geht man mit diesen Bauchgefühlen um, und welche Rolle spielen sie bei Entscheidungen? Soll man lieber auf den Kopf hören oder dem Bauchgefühl nachgeben? Was kann man Jugendlichen raten, die in so einem Zwiespalt stecken? Mit der didaktischen Metapher des «Strudelwürmli» erklärt Maja Storch lustig, informativ und praxisnah die neurobiologischen Hintergründe und gibt Empfehlungen aus der Sicht der Psychologie.

Maja Storch, Dr. phil.

Referat 3 Programmatische Förderung der Selbstregulation in der Grundschule. Das Programm «Lubo aus dem All!»

«Lubo aus dem All!» ist ein kognitiv-behavioral ausgerichtetes Unterrichtswerk, das Kindern Wissen zu sozialen Situationen, Gefühlen, Emotions- und Verhaltensregulation sowie prosozialem Verhalten vermittelt. Der Vortrag stellt auf Basis des zugrunde liegenden Sequenzierungsmodells die Konzeption der Massnahme vor und beleuchtet praktische Implikationen zur Implementierung des Programms in den Schulalltag. Zudem werden Befunde der Wirksamkeitsstudien beleuchtet und vor dem Hintergrund eines nachhaltigen Einsatzes diskutiert.

Dennis Christian Hövel, Dr. phil.

Referat 4 Motivation als Kompetenz – kann man lernen, motiviert zu sein?

Motivation gilt als eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiche Lernprozesse. Vielen Lernenden kommt die Motivation im Lauf ihrer Schulbildung
abhanden. Sie haben häufig wenig Zutrauen in ihre eigenen Fähigkeiten, setzen sich unrealistische Ziele oder geben allzu schnell auf. Die aufgezählten Verhaltensweisen lassen sich unter anderem mit motivationsbezogenen Defiziten erklären. Das Konzept der Motivation als Kompetenz zielt darauf ab, dass Motivation und Durchhaltevermögen über motivationale Dispositionen hinaus gezielt gefördert und gesteigert werden können – von Lehrkräften wie auch von Lernenden selbst.

Liliana Tönnissen, lic. phil.

Referierende und Workshopleitungen
  • Tabea Bruggmann, Klassenlehrperson und Schulische Heilpädagogin in der Lernlandschaft der Primarschule Bürglen, TG
  • Catherine De Clercq, Supervision / Coaching BSO, St. Gallen, www.catherine-declercq.ch
  • Urs Eisenbart, Supervisor und Coach «bilden beraten entwickeln», www.urseisenbart.ch
  • Andrea Fenner, Schulische Heilpädagogin, Primarschule Rüdlingen, SH
  • Ruedi Gurtner, Schulischer Heilpädagoge, Schulleiter tipiti-Oberstufensonderschule, Wil, SG
  • Dennis Christian Hövel, Prof. Dr. Professor für Prozesse des Lernens und Lernentwicklung, HfH
  • Roman Manser, lic. phil. Leiter Studienschwerpunkt Pädagogik für Menschen mit geistiger Behinderung, HfH
  • Ruth Monstein Primarlehrerin, Coach, Fachberaterin für Psychotraumatologie, Autorin des BINJA-Achtsamkeitstraining, www.ruthmonstein.ch
  • Maja Storch, Dr. phil. Dipl.-Psych., Mitentwicklerin des Zürcher Ressourcen, Modells ZRM, Inhaberin des Instituts für Selbstmanagement und Motivation Zürich ISMZ, www.zrm.ch
  • Judith Tobler-Huber Sekundarlehrerin phil. I und Schulische Heilpädagogin, St. Gallen
  • Karolin Weber Autorin, Dozentin am IVP NMS, PH Bern (Gestalten), Mitautorin LP 21, insbesondere Entwicklungsorientierte, Zugänge, 1. Zyklus

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