Sozial-emotionale Kompetenzen stärken durch Psychomotoriktherapie, Tagung

Event

Ein Blick in die Zukunft

Kontakt

Tagungsleitung

Iris
Bräuninger
Titel
Dr. rer. soc.
Funktion
Senior Researcher / Co-Leiterin Bachelor Psychomotoriktherapie
Olivia
Gasser-Haas
Titel
Dr. phil.
Funktion
Senior Lecturer / Co-Leiterin Bachelor Psychomotoriktherapie

Überblick

Die Tagung «Sozial-emotionale Kompetenzen stärken durch Psychomotoriktherapie – ein Blick in die Zukunft» findet zum 50-jährigen Ausbildungsjubiläum der Psychomotoriktherapie in der Deutschschweiz statt. Emotionale und soziale Kompetenzen sind eng miteinander verknüpft und beeinflussen die Qualität unserer Beziehungen, unsere psychische Entwicklung und unser Verhalten massgeblich.

Psychomotoriktherapie basiert auf der ganzheitlichen Sichtweise des Menschen und betont die Wechselwirkung zwischen Körper und Psyche. Dabei setzt sie bei den Ressourcen und Stärken der beteiligten Personen an und fördert die differenzierte Wahrnehmung, die Motorik und die Fähigkeit, Emotionen und das eigene Verhalten sowie die sozialen Kompetenzen zu regulieren. Psychomotoriktherapie leistet dadurch einen wichtigen Beitrag zum körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehen im Sinne des psychischen Gesundheitsbegriffs der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und zur Aktivität und sozialen Partizipation von Betroffenen gemäss Internationaler Klassifikation der Funktionsfähigkeit und Behinderung (ICF).

Renommierte Referent*innen präsentieren Perspektiven, welchen Beitrag die Psychomotoriktherapie in der Schweiz in Zukunft zur Stärkung sozial-emotionaler Kompetenzen leisten kann. In Workshops wird die Thematik vertieft und der Transfer in die Berufspraxis hergestellt. Das vielfältige und abwechslungsreiche Programm bietet wichtige Impulse für die Weiterentwicklung des Praxisfeldes und die zukünftige Ausbildung der Psychomotoriktherapeut*innen.

Die Tagung ist ein Anlass des Instituts für Verhalten, sozio-emotionale und psychomotorische Entwicklungsförderung.

Zielgruppen

  • Fachpersonen aus therapeutischen, sozialen, pädagogischen, psychologischen und medizinischen Institutionen
  • Lehrpersonen
  • Vertreter*innen aus Berufsverbänden
  • Förder-, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen
  • Studierende und Alumni

Fakten

  • Maximale Anzahl Teilnehmende: 200
  • Anmeldeschluss: 22. April 2022

Teilnahmegebühren

  • Teilnahme vor Ort inkl. Pausenverpflegung:
    • CHF 280
    • Studierende der HfH: CHF 250
  • Digitale Teilnahme:
    • CHF 230
    • Studierende der HfH: CHF 210

Programm

Samstag, 14. Mai 2022

08.30–09.00 Uhr
Empfang mit Kaffee und Gipfeli

09.00–09.15 Uhr
Begrüssung
Barbara Fäh, Prof. Dr., Rektorin HfH
Silvia Steiner, Dr., Regierungsrätin, Vorsteherin der Bildungsdirektion, Präsidentin der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren EDK

09.15–09.45 Uhr
Referat 1: «Modell sozialer Interaktion und die Anwendung in der Psychomotoriktherapie»
Dennis Hövel, Prof. Dr., HfH und Pierre-Carl Link, Prof., HfH

09.45–10.30 Uhr
Referat 2: «Aktuelle Studien aus der Schweiz zur Bedeutung von sozial-emotionalen Kompetenzen in der Psychomotoriktherapie»
Olivia Gasser-Haas, HfH und Iris Bräuninger, Dr. rer. Soc., HfH

10.30–11.00 Uhr
Erfrischungspause

11.00–12.30 Uhr
Workshop 1 bis 8 (1. Durchführung)

12.30–13.30 Uhr
Stehlunch

13.30–14.15 Uhr
Referat 3: «Trauma und der Körper. Die Bedeutung der Körpererfahrung und wie man sie in der Psychomotoriktherapie misst»
Mia Scheffers, Dr., University of Applied Sciences Windesheim, Niederlande

14.15–15.00 Uhr
Referat 4: «Beziehung in und durch Bewegung – Relevanz der Psychomotoriktherapie zur Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen für Kinder und Jugendliche»
Mone Welsche, Prof.in Dr., Katholische Hochschule Freiburg, Deutschland

15.00–15.15 Uhr
Erfrischungspause

15.15–16.45 Uhr
Workshops 1 bis 8 (2. Durchführung)

16.45–17.00 Uhr
Gemeinsamer Abschluss der Tagung

Referate

Referat 1: Sozio-Emotionale Kompetenz zwischen Kognition, Affekt und Körperlichkeit

Das sozial-kognitive Informationsverarbeitungsmodell (SKI) ist in seiner Erweiterung eine international empirisch gut abgesicherte Theorie für einen sozio-emotionalen Kompetenzbegriff, die sich für einen pädagogisch-therapeutischen Handlungsansatz eignet. Das dahinterstehende kognitionspsychologische Wirkungsmodell beschreibt, dass die mit Verhalten in Zusammenhang stehenden Kognitionen Affekte hervorrufen, die wiederum das Verhalten initiieren und aufrechterhalten. Zum Einstieg wird das SKI-Modell anhand einer Fallvignette aus der Psychomotoriktherapie vorgestellt, um darauf aufbauend entwicklungsbezogen darzustellen, in welchen Altersabschnitten welche Phasen des Modells bedeutsam sind und der Körper im Sinne von somatischen Markern eine Rolle spielt. Nach der Präsentation entwicklungspsychologischer bedeutsamer Befunde in Hinblick auf die sozial-kognitiven Verarbeitungsprozesse wird das Thema der Körperlichkeit aus Sicht der Psychomotoriktherapie aufgegriffen. Körperorientierte Therapieangebote, in denen Verbindungen zum SKI-Modell möglich sind, sowie eine kritische Reflexion des Kompetenzbegriffs bilden den Abschluss des Impulsvortrags.

Dennis Christian Hövel, Prof. Dr.
Leiter Institut für Verhalten, sozio-emotionale und psychomotorische Entwicklungsförderung / Professor, Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik, Zürich

Pierre-Carl Link, Prof.
Professor für Erziehung und Bildung im Feld sozio-emotionaler und psychomotorischer Entwicklung, Institut für Verhalten, sozio-emotionale und psychomotorische Entwicklungsförderung HfH

Referat 2: Aktuelle Studien aus der Schweiz zur Bedeutung von sozial-emotionalen Kompetenzen in der Psychomotoriktherapie

Im ersten Teil des Referates gibt Olivia Gasser-Haas einen Kurzüberblick über die geschichtliche Veränderung und Relevanz von sozial-emotionalen Kompetenzen in der Psychomotoriktherapie in der Deutschschweiz und zeigt anhand einer aktuellen quantitativen Studie die Auswirkungen von motorischen Auffälligkeiten auf die sozial-emotionalen Kompetenzen von 9-11jährigen Kindern in der Schweiz auf. Die quantitative Studie untermauert dabei die Bedeutung der Psychomotoriktherapie zur Stärkung sozial-emotionaler Kompetenzen.
Im zweiten Teil präsentiert Iris Bräuninger den aktuellen Stand der Mixed-Methods mit randomisiertem kontrolliertem Forschungsdesign zur Frage, ob Psychomotoriktherapie sozial-emotionalen Fähigkeiten fördert und herausforderndes Verhalten bei Primarschulkinder reduziert. Die qualitative Studie wird psychomotorische Interventionen für diese Indikation dokumentieren und unterschiedliche Effekte und mögliche Wirkmechanismen identifizieren.

Iris Bräuninger, Dr. rer. soc.
Senior Researcher / Co-Leiterin Bachelor Psychomotoriktherapie, Institut für Verhalten, sozio-emotionale und psychomotorische Entwicklungsförderung HfH

Olivia Gasser-Haas, MSc
Advanced Lecturer / Co-Leiterin Bachelor Psychomotoriktherapie, Institut für Verhalten, sozio-emotionale und psychomotorische Entwicklungsförderung HfH

Referat 3: Trauma und der Körper. Die Bedeutung der Körpererfahrung und wie man sie in der Psychomotoriktherapie misst

Das Referat ist auf Englisch und wird übersetzt.

Traumabedingte Störungen sind weit verbreitet und insbesondere Kindertraumata führen zu erheblichen Belastungen für den Einzelnen und die Gesellschaft über die gesamte Lebensspanne. Traumatische Erfahrungen haben weitreichende Auswirkungen auf die Beziehung eines Menschen zu seinem Körper. Ein zentrales Element in den Erzählungen traumatisierter Menschen ist ihr fehlender Körperbezug. Darüber hinaus behindert ein gestörtes oder negatives Körpererlebnis auch soziale und intime Beziehungen. Daher sind Interventionen zur positiven Beeinflussung des Körpererlebens, wie sie psychomotorische TherapeutInnen anwenden, in der Behandlung von Menschen mit traumabedingten Störungen von entscheidender Bedeutung. Ich werde auf zwei psychomotorische Programme eingehen, die wir für Menschen mit traumabedingten Störungen entwickelt haben, bei denen die Auseinandersetzung mit Körpererfahrung eine wichtige Rolle spielt.

Im zweiten Teil werde ich die Bedeutung einer klaren Definition des Körpererlebens und seiner Dimensionen diskutieren und veranschaulichen, wie Selbstauskunft Erhebungen helfen, Informationen über Körpererleben bei Traumata zu gewinnen und wie diese zur Evidenz für körper- und bewegungsorientierte Interventionen beitragen.

Trauma and the body. The importance of body experience and how to measure it in Psychomotor Therapy

Trauma-related disorders are highly prevalent and child trauma in particular results in significant burden to individuals and society over the lifespan. Traumatic experiences have far-reaching effects on an individual’s relationship with their body. A central element in the narratives of traumatized people is their lack of body ownership. Moreover, a disturbed or negative body experience also hinders social and intimate relationships. Therefore, interventions aimed at positively influencing body experience, as used by psychomotor therapists, are crucial in the treatment of people suffering from trauma related disorders. I will elaborate on two psychomotor programs we developed for people with trauma related disorders in which addressing body experience plays an important role.

In the second part of the lecture I will discuss the importance of clearly defining body experience and its dimensions and illustrate how self-report measures help to gain information on body experience in trauma and how this contributes to evidence for body- and movement-oriented interventions.

Mia Scheffers, Dr.
School of Human Movement and Education, Windesheim University of Applied Sciences, Zwolle, Niederlande

Referat 4: Beziehung in und durch Bewegung – Relevanz der Psychomotoriktherapie für die Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen bei Kindern und Jugendlichen

Sozial-emotionale Kompetenzen entwickeln sich aus Erfahrungen und Lernprozessen, die in (leiblichen) Beziehungserfahrungen mit anderen Menschen entstehen. Sie haben einen weitreichenden Einfluss auf die Alltagsbewältigung über die Lebensspanne und gelten als Resilienzfaktoren. Die Unterstützung in der Entwicklung angemessener sozial-emotionaler Kompetenzen ist mit Blick auf Bildung und Gesundheit, Prävention und Therapie auch ein zentrales Ziel in der Psychomotoriktherapie. Ist in den ersten Lebensjahren die Beziehung zu den primären Bezugspersonen prägend für die Entwicklung dieser Kompetenzen, steigt mit zunehmendem Alter die Relevanz der Gleichaltrigen. Den Beziehungserfahrungen, die im gemeinsamen Bewegen als zentrales Feld kindlicher Betätigung entstehen, kommt eine besondere Bedeutung zu. Kinder nehmen im gemeinsamen Bewegungsspiel Beziehung zueinander auf und lernen diese im günstigen Fall sozialkompetent zu gestalten.

In diesem Referat wird die Relevanz der Bewegungs- und Körperebene für die Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen im Kindesalter dargestellt und die förderlichen Prozesse für Kinder und Jugendliche mit Unterstützungsbedarf, die im Kontext der Psychomotoriktherapie angestossen und gestaltet werden, verdeutlicht.

Mone Welsche, Prof.in Dr.
Professorin für Entwicklungsförderung im Kindes- und Jugendalter, Katholische Hochschule Freiburg

Workshops

Workshop 1: Im Spannungsfeld zwischen Real und Ideal – Psychomotoriktherapie mit verhaltensauffälligen männlichen Jugendlichen

Für etliche Jugendliche ist die virtuelle Welt zunehmend attraktiver geworden als die reale Erfahrungswelt. Corona tut sein Übriges dazu … Auf der Strecke bleiben häufig ein direkter Körperbezug, sowie altersgemässe emotionale und soziale Kompetenzen. In diesem Workshop wollen wir auf theoretischer und praktischer Ebene Ansätze erarbeiten, wo und wie wir vor allem verhaltensauffällige männliche Jugendliche für reale Bewegungs- und Sinneserfahrungen gewinnen können. Der thematische Schwerpunkt beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Selbstwert, Aggression, Verweigerung und Depression. Wir sprechen über Authentizität und widmen uns der zentralen Frage, ob und wie die Psychomotoriktherapie in diesem Spannungsfeld in Zukunft einen relevanten Beitrag leisten kann. Der Workshop bietet geführte und freie Sequenzen, lädt zur Selbstreflexion ein, arbeitet abwechselnd im Kleingruppen-, PartnerInnen- oder Plenumsformat. Ausserdem werden Sie zwischendurch herzlich zu einer eigenen kleinen Schmunzeltour durch Ihre eigene Jugend eingeladen …

Barbara Aeberhard
Dipl. Rhythmiklehrerin, dipl. Musiktherapeutin, Erwachsenenbilderin, Schulstiftung Glarisegg, Steckborn

1. Durchführung (11.00–12.30 Uhr):  vor Ort an der HfH
2. Durchführung: (15.15–16.45 Uhr): Digital

Workshop 2: Psychomotorik in der Neonatologie: Forschung als Entwicklungspunkt

Der Workshop ist auf Französisch und wird übersetzt.

Die entwicklungsunterstützende Pflege und Versorgung in der Neonatologie hat in den letzten 20 Jahren einen enormen Aufschwung erlebt. Einer der bedeutendsten europäischen Beiträge erfolgte durch André Bullinger, Professor an der Universität Genf, im Bereich der Sensomotorik. Seine Arbeiten prägten eine ganze Generation von Psychomotoriktherapeut*innen. Die im Wesentlichen klinische Arbeit wird heute durch wissenschaftliche Studien untermauert, und seine ursprüngliche und vielversprechende Perspektive für die betroffenen Fachleute unterstrichen.

In diesem Workshop werden klinische Fallbeispiele vorgestellt, die diesen sensomotorischen Ansatz bei den kleinsten und anfälligsten hospitalisierten Säuglingen in Krankenhäusern veranschaulichen. Zudem werden die ersten Ergebnisse einer Studie vorgestellt, die darauf abzielt, den Einsatz des sensomotorischen Ansatzes so früh wie möglich zu validieren.

La psychomotricité en néonatologie : la recherche comme point de développement

Les soins de soutien au développement en néonatologie ont connu un essor considérable ces 20 dernières années. L’une des contributions européennes les plus marquantes a été faite par les travaux en sensorimotricité d’André Bullinger, professeur à l’Université de Genève, qui ont marqué une génération entière de psychomotricien.ne.s. Ces travaux essentiellement cliniques sont relayés aujourd’hui par des études scientifiques qui soulignent son regard original et porteur pour les professionnels concernés. La présente communication s’attache à proposer des vignettes cliniques illustrant cette approche sensorimotrice auprès des plus petits et vulnérables bébés hospitalisés et à exposer les premiers résultats d’une étude visant à valider l’utilisation du bilan sensorimoteur le plus précocement possible.

Ayala Borghini, Dr.
Doktorin der Psychologie, Psychotherapeutin FSP, Professur PAPTC Studiengang Psychomotorik, Haute école de travail social Genf (HETS-GE HES-SO)

1. Durchführung (11.00–12.30 Uhr): Digital
2. Durchführung: (15.15–16.45 Uhr): vor Ort an der HfH

Workshop 3: Psychomotoriktherapie – Mittel zur Selbstwahrnehmung für junge Frauen

Ist die Psychomotorik bislang vornehmlich als Therapieform bekannt, die mit Kindern und Jugendlichen praktiziert wird, so wird der Fokus in diesem Workshop auf junge Frauen gerichtet, die an der Schwelle des Erwachsenseins stehen. In der Entwicklung zur Frau gewinnen gängige Schönheitstrends und Körperideale zunehmend an Bedeutung – Verunsicherung, eine verzerrte Selbstwahrnehmung und sogar Selbsthass können negative Folgen sein. Es ist deshalb wünschenswert, neue Räume zu schaffen, in denen begleitet eine achtsame Auseinandersetzung mit sich und dem Körper in seiner Individualität angestossen wird. D en Teilnehmer*innen werden in diesem Workshop konkrete Handlungsvorschläge gemacht, wie mit jungen Frauen die Selbstwahrnehmung und damit zusammenhängend das Selbstwertgefühl gestärkt werden kann. Es werden Angebote zur Körperbildarbeit und zum Spüren von Körpersignalen sowie deren Bedeutung für die eigene Gefühlswelt aufgezeigt. Zudem werden über das aktive Erforschen von Bewegungsmöglichkeiten praktische Hinweise gegeben, wie junge Frauen einen Zugang zum Körpererleben (wieder)finden könnten. Diskutiert werden soll auch, in welchem Rahmen Angebote dieser Art stattfinden könnten.

Nina Hipp, MA
Motologin, Psychiatrische Dienste Thurgau / Münsterlingen

1. Durchführung (11.00–12.30 Uhr): Digital
2. Durchführung: (15.15–16.45 Uhr): vor Ort an der HfH

Workshop 4: Wachsende Bedeutung der Prävention in der Psychomotoriktherapie

In diesem praxisorientierten Workshop werden Sie sich mit der Wichtigkeit der Förderung der sozio-emotionalen Kompetenzen beschäftigen und erfahren, wie sich die Psychomotoriktherapie schulisch in diesem Bereich präventiv vermehrt einbringen kann.

Es wird ein Forschungsprojekt, welches für die Psychomotoriktherapie entwickelt wird, vorgestellt. Dabei geht es um die Frage, wie die Lehrpersonen in der Organisation von sozialen Prozessen im Klassenverband aktiv durch psychomotorische Interventionen unterstützt werden kann. Ausgehend davon, dass das Lernen in der Gruppe für alle Kinder hohe Anforderungen an ihre emotionalen und sozialen Kompetenzen stellt, soll die Kontakt- und Beziehungsgestaltung begleitet und geführt werden, um Stress und Verhaltensauffälligkeiten zu mindern. Die Psychomotoriktherapie kann dabei mit ihrem körperlichen und spielerischen Zugang dem Erleben, den Gedanken und Gefühlen Raum zur Exploration geben und das Selbst sowie das soziale Erleben positiv beeinflussen. Sie kann in Zusammenarbeit mit der Lehrperson einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsförderung leisten, erweitert die interdisziplinäre Zusammenarbeit sowie den Austausch der verschiedenen Fachrichtungen.

Ziele: Auseinandersetzung mit der Bedeutung der Prävention für die Psychomotoriktherapie; Schaffen eines positiven Klassenklimas und der Beitrag durch die Psychomotorik; Vorstellung eines Forschungsgedanken-Projektes. Arbeitsweise: Praxisbezogenes Arbeiten mit theoretischer Fundierung.

Lucia Maier Diatara, BSc
Psychomotoriktherapeutin, Institut für Verhalten, sozio-emotionale und psychomotorische Entwicklungsförderung HfH

1. Durchführung (11.00–12.30 Uhr): Digital
2. Durchführung: (15.15–16.45 Uhr): vor Ort an der HfH

Workshop 5: Systemischer Ansatz in der Psychomotoriktherapie – Interventionen auf mehreren Ebenen

Das Kind braucht Sicherheiten im Beziehungsgeflecht seines Alltages, um sich sozial-emotional zu entwickeln. Innerhalb der Schule verortet, ist es ein Muss, dass wir aktiv die Zusammenarbeit mit den Lehrpersonen pflegen und mögliche Konflikte innerhalb dieses Feldes konstruktiv angehen. Gewinnen wir die Eltern der Therapiekinder regelmässig zur Teilhabe in der Therapie und in der Beratung, wird unsere Arbeit sichtbar wirksam.

Unsere Räume, reich an Material ausgestattet, bieten unzählige Möglichkeiten, wie Eltern mit den Kindern über die Handlung und das Spiel Gemeinsames erfahren und damit ihre Beziehung positiv stärken können. Als Fachleute können wir die Eltern darin bestärken, wie wichtig und zentral das Gefühl ist, verstanden zu werden und wie der Fokus geleitet werden kann auf Gelingendes. Das gemeinsame Erleben schafft nicht per se eine «bessere» Beziehung, doch eine verbindlichere. Das wiederum ist die Basis, auf die eine entwicklungsfördernde Zusammenarbeit mit den Eltern aufgebaut werden kann. Der Workshop bietet anhand von praktischen Beispielen, untermauert mit Theoriebezügen, Einblick in die systemische Arbeit im Rahmen der Psychomotoriktherapie. Dieser Einblick soll Psychomotoriktherapeut*innen Mut machen, sich aktiv für die Vernetzungsarbeit einzusetzen und Eltern und Schulen einzubeziehen, um Kinder in ihren sozial-emotionalen Kompetenzen zu stärken.

Theresia Buchmann, Psychomotoriktherapeutin (EDK)
Psychomotoriktherapeutin (EDK), Schulische Dienste Willisau, Initiantin KINDER STARK MACHEN, Supervision / Beratung in der Praxis und im systemischen Bereich

1. Durchführung (11.00–12.30 Uhr): vor Ort an der HfH
2. Durchführung: (15.15–16.45 Uhr): Digital

Workshop 6: Etablierung Klienten-berichteter Zielparameter für die Psychomotoriktherapie. Warum und wie?

Der Workshop ist auf Englisch und wird übersetzt.

Es ist notwendig, einen Konsens über spezifische Zielparameter für die Psychomotoriktherapie zu erreichen. Wir müssen unsere Therapieziele auf körper- und bewegungsbezogener Ebene definieren. Wie können wir beispielsweise die Ergebnisse einer psychomotorischen Therapie bei Depression anders als mit einem Depressionsfragebogen nachweisen? Messen wir Aktivität, Körperbewusstsein, Freude an Bewegung / Spiel oder all das? Ich werde ein Forschungsprojekt vorstellen, in dem

  1. Therapeut*innen, Klient*innen und Forscher*innen gemeinsam mögliche Ergebnisse der Psychomotoriktherapie diskutierten und Konsens über die wichtigsten Ergebnisse erzielten;
  2. Forscher*innen erstellten eine Bestandsaufnahme der Instrumente zur Messung dieser Ergebnisse und
  3. Therapeut*innen verwendeten diese Fragebögen mit ihren Klient*innen, um Therapieziele festzulegen und zu bewerten.

Die Fragebögen zur Selbstauskunft tragen zur gemeinsamen Entscheidungsfindung in der Therapie bei. Auf aggregierter Ebene helfen die Ergebnisse der Messungen zudem, mehr Evidenz für psychomotorische Interventionen zu erhalten. Wir werden mit dem ersten Schritt des Projekts gemeinsam experimentieren.

Establishing client reported outcome measures for psychomotor therapy. Why and how?

It is necessary to reach consensus about specific outcome measures for psychomotor therapy. We have to define our therapy goals on the body- and movement-related level. How can we, for example, demonstrate the results of a psychomotor treatment for depression, other than with a depression questionnaire? Do we measure the level of activity, body awareness, pleasure in movement / play or all of these? I will present a research project in which

  1. therapists, clients and researchers together discussed possible outcomes for psychomotor therapy and reached consensus on the most important ones;
  2. researchers made an inventory of instruments measuring these outcomes and
  3. therapists used these questionnaires with their clients to set and evaluate therapy goals. The self-report questionnaires contribute to Shared

Decision Making in therapy. Moreover, on an aggregated level the results of the measurements help to obtain more evidence for psychomotor interventions. We will experiment with the first step of the project.

Mia Scheffers, Dr.

1. Durchführung (11.00–12.30 Uhr): vor Ort an der HfH

2. Durchführung: (15.15–16.45 Uhr): Digital

Workshop 7: Förderung der sozial-emotionalen Kompetenzen mit dem Konzept der Beziehungsorientierten Bewegungspädagogik bei Kindern und Jugendlichen

Das Konzept der Beziehungsorientierten Bewegungspädagogik stärkt die Selbstwahrnehmung und die sozial-emotionalen Kompetenzen durch Bewegungsimpulse, die sich auf kleinem Raum und im direkten Körperkontakt umsetzen lassen und die Beziehungsdimensionen des Füreinander, Gegeneinander- und Miteinander adressieren. Die Grundlagen, Bausteine und Prinzipien des Konzeptes werden vorgestellt und anhand konkreter Praxisbeispiele verdeutlicht. Darüber hinaus werden aktuelle Forschungsergebnisse präsentiert. Auf Basis von bereits durchgeführten Praxisprojekten mit Kindern und Jugendlichen zwischen 5 und 14 Jahren in Gruppenkonstellationen von 2 bis 16 Teilnehmer*innen wird im Workshop gemeinsam der Frage nachgegangen, wie das Konzept als Ergänzung in der Psychomotoriktherapie zur gezielten Arbeit an Beziehungsaspekten angewandt werden kann.

Mone Welsche, Prof.in Dr.
Professorin für Entwicklungsförderung im Kindes- und Jugendalter, Katholische Hochschule Freiburg

1. Durchführung (11.00–12.30 Uhr): vor Ort an der HfH
2. Durchführung: (15.15–16.45 Uhr): Digital

Workshop 8: Traumasensible Zugänge in der Psychomotoriktherapie

Möglichkeiten und Grenzen traumasensibler Beziehungsgestaltung in pädagogisch-therapeutischen Handlungsfeldern.

Folgen von Traumata zeigen sich auch in pädagogisch-therapeutischen Handlungsfeldern. Wie eine pädagogisch-therapeutische Antwort auf das Erleben und Verhalten von traumatisierten Schülern und Schülerinnen aussehen kann und wo Grenzen der Pädagogik und Psychomotoriktherapie liegen, vermittelt der Kurs. Im Mittelpunkt stehen pädagogisch-therapeutische Angebote, die traumatisierten und belasteten Schüler und Schülerinnen innerlich und äusserlich Sicherheit vermitteln. Traumasensible Unterstützung im pädagogisch-therapeutischen Alltag erfolgt im Hier-und-Jetzt.

Wie Psychomotoriktherapeut:innen auch Lehrpersonen unterstützen können, eine traumasensible Beziehungs- und Unterrichtsgestaltung zu etablieren und was der Umgang mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen für die Reichweite ihrer eigenen Disziplin, Profession und Praxis bedeutet, soll diskutiert werden. Traumasensible Beziehungsgestaltung dient nicht nur traumatisierten Schülern und Schüler:innen, sondern kann für alle Kinder und Jugendlichen unterstützend sein. Der Kurs richtet sich auch an Lehrpersonen und schulische Heilpädagog:innen, sowie deren multiprofessioneller Zusammenarbeit mit Psychomotoriktherapie und Logopädie.

Anhand von drei Entwicklungsfeldern werden traumasensible Massnahmen vermittelt:

  • Entwicklungsfeld I: Professionalisierung durch Nicht-Intervention und Kooperation
  • Entwicklungsfeld II: Der sichere Ort in der Schule;
  • Entwicklungsfeld III: Pädagogik der Selbstbemächtigung (Zimmermann, 2017)

Pierre-Carl Link, Prof.
Professor für Erziehung und Bildung im Feld sozio-emotionaler und psychomotorischer Entwicklung, HfH

1. Durchführung (11.00–12.30 Uhr): vor Ort an der HfH
2. Durchführung: (15.15–16.45 Uhr): Digital

Anmeldung

Bitte melden Sie sich für eine Teilnahme vor Ort oder online an.

  • Die Tagung an der HfH wird unter Berücksichtigung des Schutzkonzeptes durchgeführt.Ihre Anmeldung behält Ihre Gültigkeit, wenn auf Grund der aktuellen Covid-19-Situation Anpassungen bei der Durchführungsmodalität erforderlich sind. Aktuelle Infos finden Sie auf unserer Webseite. Das vorliegende Schutzkonzept der HfH gilt verbindlich für alle Mitarbeiter:innen, Student:innen, Weiterbildungsteilnehmer:innen sowie für externe Besucher:innen. Die HfH stellt durch geeignete Massnahmen sicher, dass die Vorgaben von Bund und Kanton eingehalten werden. Mit Ihrer Anmeldung bestätigen Sie, dass Sie das Schutzkonzept zur Kenntnis genommen haben.

    Weitere Informationen bezüglich Coronavirus

Anmeldung

Anmeldungen sind leider nicht mehr möglich.

Bei Interesse melden Sie sich bitte per E-Mail unter tagungen [at] hfh.ch.

Durchführung der Veranstaltung

Teilnahme vor Ort oder digital

Es bestehen zwei Möglichkeiten zur Tagungsteilnahme: Die Tagung kann entweder «vor Ort» an der Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik, Schaffhauserstrasse 239 in Zürich besucht werden oder es ist eine ausschliesslich digitale Teilnahme möglich.

Die Referate finden vor Ort statt. Sie werden live übertragen, so dass sie digital und vor Ort (HfH) besucht werden können. Zu beachten ist, dass die digitale Teilnahme für die Referate nur rezeptiv möglich und eine aktive Teilnahme mit Fragen ausgeschlossen ist. Das englische Referat wird auf Deutsch übersetzt.

Die Workshops 1 bis 8 finden abwechselnd digital oder vor Ort an der HfH statt. Die detaillierten Angaben dazu finden sich unter den jeweiligen Workshops. An den Workshops 1 bis 8 (digital oder vor Ort) kann aktiv partizipiert werden. Finden die Workshops in englischer oder französischer Sprache statt, werden diese in den Workshops auf Deutsch übersetzt.

Personen, die die Tagung vor Ort an der HfH besuchen, können gerne an einem Online-Workshop teilnehmen. Es werden an der HfH Räume sowie das WLAN für die Teilnahme zur Verfügung gestellt. Zu beachten ist, dass dafür ein eigenes Gerät mitgebracht werden muss (z. B. Laptop und Headset/Kopfhörer).

Wichtiger Hinweis

Bei einer digitalen Teilnahme an der Tagung sind die Namen der einzelnen Teilnehmenden sowie allfällige Beiträge (Video, Ton, Chat etc.) für die anderen Teilnehmenden sicht- bzw. wahrnehmbar.

Weder die Referate noch die Workshops werden aufgezeichnet und zur Verfügung gestellt. Eine Aufzeichnung und Weitergabe der Unterlagen durch die Teilnehmenden ist untersagt.

Tagungsbroschüre «Sozial-emotionale Kompetenzen stärken durch Psychomotoriktherapie»

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