Motivation und Selbstregulation bei Lernschwierigkeiten

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Prof. Dr. Herbert Goetze aus Potsdam im Interview mit der HfH Wissenschaftskommunikation. Foto: HfH

«Mathe interessiert mich eh nicht»

Das sind sogenannte «Killersätze», mit denen Kinder mit Lernproblemen ihre Beziehung zum Schulstoff im Grunde genommen abbrechen. Was man dagegen tun kann, war eines der zentralen Themen an der Tagung «Motivation und Selbstregulation bei Lernschwierigkeiten» vom 21./22. September 2018.

Denken Sie an ein Kind, das häufig abgelenkt ist, tagträumt, keine Lernstrategien hat und die Aufgaben, die es eigentlich bearbeiten müsste, nur vor sich herschiebt. Ein typischer Satz von ihm lautet: «Mathe interessiert mich eh nicht.» Das Kind äussert ihn nicht entschuldigend oder rechtfertigend. Vielmehr soll er den Status seiner Beziehung zum Schulfach Mathematik darstellen, für heute, morgen und übermorgen. Die Folge: Vermeidungsstrategien, Lernschwierigkeiten, Leistungsabfall. Für die heilpädagogischen Fachpersonen stellt sich in solchen Fällen unter anderem die grundsätzliche Frage: Kann es nicht oder will es nicht?

«Für diese Kinder ist der Alltag sehr anstrengend», sagt Rupert Tarnutzer, Dozent an der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik (HfH) und Leiter der Tagung. «Sie haben aber keine Strategien, um die Aufgaben besser zu strukturieren.» Wie es anders gehen könnte, untersuchen er und sein Team momentan im Rahmen des Interventionsprojekts «Motivation und Selbstregulation bei Lernschwierigkeiten» (MOSEL). Da geht es unter anderem um den bewussten Umgang mit solchen Killersätzen, wie das folgende Video-Interview zeigt.

«Es ist entscheidend, dass man im Bereich motivationaler Interventionen etwas unternimmt», lautet eine der letzten Aussagen von Rupert Tarnutzer. Ein Ansatz der besseren Selbstregulation zielt direkt auf ihre Gedankenwelt ab. «Irrationale Gedanken führen zu negativen Emotionen», sagt Herbert Goetze, emeritierter Professor für Sonderpädagogik an der Universität Potsdam. Er arbeitet mit der sogenannten Rational-Emotiven Erziehung. Danach kann man problematisches Verhalten von Kindern ändern, indem man gezielt mit ihren Irrationalitäten arbeitet. Was macht man also konkret mit solchen Kindern wie oben, die angeben, überhaupt nicht an einem Schulfach interessiert zu sein?

Doch mit einem Perspektivenwechsel allein ist es natürlich nicht getan. Ein weiterer zentraler Baustein umfasst die Vermittlung ganz konkreter Lerntechniken. Dies lässt sich anhand des Phänomens der sogenannten Prokrastination, also des Aufschiebens von Aufgaben, gut zeigen. «Auch wer intrinsisch motiviert ist, ist nicht davor gefeit, Aufgaben vor sich herzuschieben – ganz im Gegenteil», sagt Fabian Grolimund von der Akademie für Lerncoaching in Zürich.

Fazit: Das Kind, das häufig abgelenkt ist, tagträumt, keine Lernstrategien hat und die Aufgaben, die es eigentlich bearbeiten müsste, nur vor sich herschiebt – kann es nicht oder will es nicht? Die Antwort: beides, im Sinne von: Es lässt sich nicht künstlich trennen. Motivation und Selbststeuerung sind zwei eng verflochtene überfachliche Fähigkeiten, deren Entwicklung massgeblich dazu beitragen, Lernschwierigkeiten zu verhindern oder zu vermindern. Was genau die Teilnehmenden der Tagung davon mitgenommen haben – sehen Sie selbst.

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Diesen Kurzbericht (56 KB) können Sie hier herunterladen. 

Autoren: Dominik Gyseler, Dr.; Steff Aellig, Dr. 

Die Tagung «Motivation und Selbstregulation bei Lernschwierigkeiten» unter dem Patronat des Institutes für Lernen unter erschwerten Bedingungen fand am 21./22. September 2018 an der HfH in Zürich statt. Rund 180 Teilnehmer und Teilnehmerinnen informierten sich darüber, wie Schulische Heilpädagogen und Heilpädagoginnen sowie Lehrpersonen die Motivation und Selbstregulation bei Kindern mit Lernschwierigkeiten ankurbeln können. In den 12 Workshops wurden erprobte Interventionsmöglichkeiten vorgestellt.

Tagungen

Zu aktuellen Themen finden regelmässig Tagungen an der HfH statt. Sie ermöglichen Ihnen, sich innert kürzester Zeit auf den neusten Stand der Fachdiskussion zu bringen und bietet Ihnen die Gelegenheit, mit den Referenten und Referentinnen sowie anderen Fachleuten ins Gespräch zu kommen.

Fakten Weiterbildung

Kurse
Rund 100 Kurse jährlich
Programm
Erscheinungstermin Mitte Oktober
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Kurzkurse, Tagungen, CAS, MAS, E-Learning, Abrufangebote und Studienreisen

Kontakt

Prof. Dr. Barbara Forrer

Leiterin Zentrum Weiterbildung