Schulen leiten inklusiv!

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Bild des Publikums und Gästen auf der Bühne, Kameramann hält die Situation bildlich fest. Bild: Steff Aellig, HfH

Sonderpädagogisches Know-how für Schulleitende

Neugierde und Interesse an Menschen - das müssen Schulleitende mitbringen, wenn sie ihre Schule inklusiv leiten wollen. Das allein reicht aber noch nicht, um erfolgreich zu sein. Die Teilnehmenden der Tagung «Schule leiten inklusiv!» vom 23. November 2019 setzten sich mit weiteren Schlüsselkompetenzen auseinander.

Forschung und Praxis scheinen sich einig zu sein: Für das Gelingen einer inklusiven Schule ist die Schulleitung die zentrale Schaltstelle. Doch was bedeutet das ganz konkret? Erstens: wirksame Ressourcensteuerung. Eine gute Schulleitung sorgt dafür, dass in einem System mit knappen Ressourcen die Unterstützung zu jenen Kinder und Jugendlichen gelangt, die sie gerade am meisten brauchen. Zweitens professionelle Fallarbeit. «Gute Schulleitungen zeigen Mut und Kompetenz, dort näher ans Geschehen zu rutschen, wo es brennt!» meint Andrea Lanfranchi, Institutsleiter an der HfH, bei der Eröffnung der Tagung, die in Kooperation mit der PHZH durchgeführt wurde. Und drittens: Sonderpädagogisches Know-How. Sich nicht verführen lassen, komplexe Fragestellungen sofort an externe Fachstellen zu delegieren, sondern selber zur Expertin werden – und sich trotzdem dort Unterstützung von aussen zu holen, wo man sie braucht. «Da müssen Schulleitende eine Balance finden», ist Philippe Dietiker vom Volksschulamt Zürich überzeugt.

«Schulleitungen werden bis anhin fachlich nicht ausreichend auf ihre Aufgaben in der inklusiven Schule vorbereitet», ziehen Esther Albertin und Meike Wolters, die beiden Tagungsleiterinnen, das ernüchternde Fazit aus einer eigenen Untersuchung. Wie lernt man denn, eine Schule inklusiv zu leiten? «Für mich und mein Team kamen die Entwicklungsanstösse meistens von einzelnen Kindern und ihren besonderen Bedürfnissen», erzählt Thomas Minder, Schulleiter in einer kleinen Thurgauer Schule und Präsident des «Verbandes Schulleiterinnen und Schulleiter Schweiz». Handlungsdruck gibt es in Minders Schule immer dann, «wenn Eltern auf uns zukommen und freundlich, aber bestimmt fordern, ihr Kind mit einer Beeinträchtigung soll doch wenn möglich bei uns im Dorf zur Schule gehen können.» Im Video-Interview erzählt Thomas Minder, was aus seiner Sicht weitere Gelingensbedingungen für eine inklusive Schule sind.

Ein praxistaugliches Modell, um die unterschiedlichen Aufgaben und Kompetenzen von Schulleitungen einzuordnen, bietet das Vier-Rahmen-Modell (nach Bolman & Deal, 2013). Die Vision einer inklusiven Schule vorzuleben zum Beispiel lasse sich dem «Symbolischen Rahmen» zuordnen, erklärt David Scheer, Vertretungsprofessor an der PH Ludwigsburg. Das Engagement, auf schulpolitischer Ebene Ressourcen zu aktivieren und für die Ziele der Schule einzutreten, gehöre in den «Politischen Rahmen». Scheer hat die Tauglichkeit dieses Modells für die Arbeit von Schulleitenden empirisch untersucht – und bestätigt gefunden. «Eine kompetente Führungskraft hat alle vier Rahmen verinnerlicht», meint David Scheer, «und kann diese zur Bewältigung von herausfordernden Situationen flexibel einsetzen.» Dieser Prozess wird im Modell als «Reframing» bezeichnet, als Umdeutung oder Perspektivenwechsel.

Sind denn gute Schulleitungen automatisch auch inklusive Schulleitungen? Diese Frage wurde an der Tagung nur zum Teil  beantwortet. So blieben einige Ausführungen zu sehr auf der Ebene von allgemeinen Grundsätzen zu Führung oder Schulentwicklung. Unklar blieb auch, ob man nun von inklusiver oder «nur» von integrativer Schule sprechen soll. «Wir haben bisher erst assoziative Kriterien, was eine inklusive Schule ist», meint denn auch Vera Moser, Professorin an der Humboldt Universität in Berlin. Deshalb sei es wichtig, dass Inklusion nicht als Megathema über einer Schule stehe und das System möglicherweise überfordere. «Schulentwicklung umfasst verschiedene Themen», so Moser, «und Inklusion muss hier gut andocken. Im Video-Interview erklärt Vera Moser, wieso sie Inklusion als «Nordstern» für die Schulentwicklung bezeichnet.

Die Tagung «Schule leiten inklusiv!» fand am 23. November 2019 an der HfH in Zürich statt. Sie war ein Anlass des Instituts für Professionalisierung und Systementwicklung (HfH) in Kooperation mit dem Zentrum Management und Leadership (PHZH) und wurde geleitet von Esther Albertin-Brenzikofer, Meike Wolters-Kohler (HfH) und Niels Anderegg (PHZH).

Autoren: Steff Aellig, Dr. Link Who-is-Who Steff Aellig und Dominik Gyseler, Dr. Link Who-is-Who Dominik Gyseler, Wissenschaftskommunikation HfH

Angebote zur Vertiefung

Schulleitende brauchen sonderpädagogisches Know-how. Hier haben wir drei Angebote für Sie zusammengestellt, mit denen Sie Ihr Fachwissen weiter vertiefen können:

 


Tagungen

Zu aktuellen Themen finden regelmässig Tagungen an der HfH statt. Sie ermöglichen Ihnen, sich innert kürzester Zeit auf den neusten Stand der Fachdiskussion zu bringen und bietet Ihnen die Gelegenheit, mit den Referenten und Referentinnen sowie anderen Fachleuten ins Gespräch zu kommen.

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Leiterin Zentrum Weiterbildung, Leiterin Zentrum Dienstleistungen