Mit dem Master Logopädie habe ich mein berufliches Denken nachhaltig erweitert

Kategorie News

Der Masterstudiengang Logopädie verbindet praxisorientierte Projekte und individuelle Schwerpunktsetzungen. Claudia Schneebeli profitiert nach langjähriger Tätigkeit als Logopädin von einem erweiterten Blick auf ihr Berufsfeld.

Kontakt

Sina Mächler Titel MSc

Funktion

Mitarbeiterin Hochschulkommunikation, Marketing

Seit zwei Jahrzehnten arbeitet Claudia Scheebeli als Logopädin und begleitet Kinder mit komplexen Beeinträchtigungen sowie ihre Familien. Um ihre umfassende Praxiserfahrung wissenschaftlich zu vertiefen, entschied sie sich für den Masterstudiengang Logopädie an der HfH. Im Interview erzählt sie mehr zu ihren Beweggründen.

Der Masterstudiengang Logopädie an der HfH richtet sich an Logopädinnen und Logopäden, die ihre fachlichen Kompetenzen vertiefen und komplexe logopädische Fragestellungen professionell bearbeiten möchten. Das berufsbegleitende Studium verbindet wissenschaftliches Arbeiten, therapeutisches Handeln und individuelle Schwerpunktsetzungen in den Bereichen Gesundheit, Bildung sowie Leadership und multiprofessionelle Kooperation.

Kannst du bitte deinen beruflichen Werdegang kurz beschreiben?

Seit rund 20 Jahren bin ich als Logopädin im Frühbereich tätig. Ein Schwerpunkt meiner Arbeit liegt in der Unterstützten Kommunikation (UK) sowie in der Begleitung von Kindern mit komplexen Beeinträchtigungen. Mein beruflicher Weg führte mich von einer Schule für Kinder mit Hör- und Sprachbeeinträchtigung über das Kinderspital Zürich bis in die Selbstständigkeit. Heute führe ich zusammen mit meiner Kollegin eine eigene Praxis im Frühbereich – die Praxis für kleine Helden. Dort bieten wir neben Therapien auch Beratungen, Supervisionen und Workshops für Fachpersonen sowie Elternkurse an.

Weshalb bist du Logopädin geworden?

Weil für mich der Beruf der Logopädin eine echte Herzensaufgabe ist: Ich kann Menschen dabei unterstützen, sich mitzuteilen, gehört zu werden und Teilhabe zu erleben – auch mit Unterstützter Kommunikation. Besonders motiviert mich die Arbeit mit Kindern und ihren Familien sowie die Möglichkeit, Kommunikation auf unterschiedlichen Wegen zu ermöglichen. Heute verstehe ich meine Rolle nicht nur therapeutisch, sondern auch systemisch – indem ich Familien begleite, Fachpersonen berate und mein Wissen weitergebe.

Du arbeitest im Frühbereich. Warum hast du dich für den Master Logopädie entschieden?

Immer häufiger wurde ich von Eltern und Fachpersonen angefragt, mein Fachwissen in Workshops, Fachvorträgen und Projekten weiterzugeben. Dabei entstand der Wunsch, meine langjährige Praxiserfahrung wissenschaftlich zu fundieren und noch gezielter zu reflektieren. Das war meine Motivation für das Masterstudium an der HfH, das ich kürzlich abgeschlossen habe.

Was hat dir besonders gut am Studienalltag an der HfH gefallen?

Besonders bereichernd war für mich die enge Verbindung von Praxis, Theorie und Forschung. Das zeigte sich vor allem in den Studienprojekten: Dort konnten wir eigene Ideen und konkrete Praxisvorhaben entwickeln, fachlich begleitet durch Dozent:innen der HfH umsetzen und gleichzeitig wissenschaftlich fundieren. Gemeinsam mit meiner Praxiskollegin Julia Winzenried konzipierte, organisierte und leitete ich beispielsweise einen Eltern-Workshop zur Anbahnung sozialer Kommunikation, nach dem Vorbild des TASK (Training Autismus –Sprache – Kommunikation). Und bei einem kleineren Projekt führte ich eine Fallanalyse zur Anregung eines empowernden Prozesses im Umgang mit Unterstützter Kommunikation im interdisziplinären Kindregarten-Team durch. Für mich war es sehr wertvoll zu lernen, wie sich praktische Fragestellungen systematisch untersuchen und begründen lassen. Genau diese Verbindung hat mein berufliches Denken nachhaltig verändert.

Sehr prägend waren für mich auch die Module Leadership und Organisationsentwicklung sowie Portfolio. Ich konnte viele Impulse mitnehmen, um meine Praxis weiterzuentwickeln, Abläufe zu optimieren und organisatorische Prozesse bewusster zu gestalten. Gleichzeitig haben sie mir geholfen, meine berufliche Tätigkeit klarer einzuordnen – im Spannungsfeld zwischen fachlichem Anspruch, persönlicher Motivation und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Du führst eine eigene Praxis, das ist bestimmt zeitintensiv. War dies eine Herausforderung im Studium und Beruf?

Ja, das war die grösste Herausforderung: eine Balance zwischen Masterstudium und Selbstständigkeit zu finden. Gleichzeitig war genau diese Verbindung eine grosse Stärke, weil ich neue Erkenntnisse unmittelbar in meine Praxis einbringen konnte. Ein weiteres Spannungsfeld bleibt die wirtschaftliche Realität, da innovative Projekte und Beratungsangebote oft schwer finanzierbar sind.

Das letzte Wort gehört dir: Möchtest du noch etwas zum Studium sagen?

Der Master war für mich weit mehr als eine Ausbildung. Er hat mein berufliches Selbstverständnis nachhaltig erweitert und mir neue Perspektiven in Beratung, Lehre, Projektentwicklung und Forschung eröffnet. Ich empfehle das Studium allen, die sich weiterentwickeln möchten und einen guten Rahmen suchen, um eigene Projekte umzusetzen und sie fachlich zu vertiefen.