Institut für Behinderung und Partizipation

Institut

Das Institut für Behinderung und Partizipation befasst sich zentral mit der Frage, wie sich Menschen (mit Fokus auf das Kindes- und Jugendalter) mit einer Körper-, Mehrfachbehinderung, einer kognitiven Beeinträchtigung, Sehbehinderung sowie Entwicklungsgefährdungen bestmöglich entwickeln und an der Gesellschaft partizipieren können. Ein weiterer Fokus liegt bei Themen der Heilpädagogik der frühen Kindheit sowie der gesellschaftlichen Teilhabe durch Access Technologien, Braille, leichte (Gebärden-)Sprache und Unterstützte Kommunikation.

KONTAKT

Carlo
Wolfisberg
Titel
Prof. Dr.
Funktion
Leiter Institut für Behinderung und Partizipation / Professor / Leiter Master Schulische Heilpädagogik 11/19

Das Institut generiert durch Forschung und vermittelt in Lehre und Dienstleistungen Wissen und Kompetenzen in den Förderschwerpunkten geistige Entwicklung, körperlich-motorische Entwicklung, Sehen sowie im Bereich der Heilpädagogik der Frühen Kindheit. Es nimmt dabei eine schweizweit einzigartige Stellung ein. Die vielfältigen Institutsaktivitäten sind in drei Themenfelder gebündelt.

Heilpädagogik der Frühen Kindheit

Das Bewusstsein um die grosse Bedeutung der ersten Lebensjahre der Kinder hat in Wissenschaft, Gesellschaft und Politik in den letzten Jahren stetig zugenommen. Das Thema der Inklusion und Partizipation von Kindern mit Behinderung und ihren Familien erhält dabei eine vergleichsweise geringe Bedeutung. Die Heilpädagogik der Frühen Kindheit hat zum Ziel, diese Lücke zu füllen. Sie umfasst pädagogisch-therapeutische und sonderpädagogische Massnahmen bei Kindern mit Behinderung, Entwicklungsauffälligkeit und Entwicklungsgefährdung im Alter von 0-7 Jahren.

In der Strategieperiode 2022 – 2025 werden drei strategische Schwerpunkte bearbeitet:

Aufbau und Implementierung der Fachstelle «Heilpädagogik der Frühen Kindheit»

Mit der Errichtung der Fachstelle schafft das IBP eine Anlaufstelle für Fachpersonen, Behördenvertreter:innen und weitere Hochschulen, welche sich auf die frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung und auf Kinder mit Behinderung, Entwicklungsauffälligkeiten und Entwicklungsgefährdungen, ihre Familien, sowie das erweiterte Umfeld fokussieren. Themen und Angebote der Forschung, Lehre, Weiterbildung und Dienstleistung werden hier sichtbar und adressierbar gemacht. Die Fachstelle wird bis August 2022 erstellt und an der Tagung «Interaktionsräume der Heilpädagogischen Früherziehung» vom 12.11.22 offiziell eröffnet.

Partizipation in der frühen Kindheit

Das Sammeln von positiven Erfahrungen in einer unterstützenden Umgebung ermöglichet kleinen Kindern die Aneignung von Wissen und Fertigkeiten und das Bilden von sozialen Beziehungen. Für Familien mit Kindern mit Behinderung oder Entwicklungsverzögerung sind die Möglichkeiten zur Partizipation jedoch oftmals eingeschränkt. Folglich spielen partizipatorische Zielsetzungen zu Hause und in der Gemeinschaft eine zentrale Rolle. Dies umso mehr, als dass frühe positive Erfahrungen die Erwartungen von Menschen mit Behinderung, deren Familien und der Öffentlichkeit an die gesellschaftliche Teilhabe im Allgemeinen prägen. Um dem ausserordentlichen Stellenwert der gesellschaftlichen Partizipation von Kleinkindern mit Behinderung und deren Familien gerecht zu werden, setzt das IBP verschiedene Projekte in Forschung, Lehre und Dienstleistung um.

Wirkfaktoren der Prävention, Diagnostik, Intervention und Beratung in der frühen Kindheit

Die Wirksamkeit heilpädagogischen Handelns wird in den letzten Jahren immer öfters gefordert. Aufgrund der komplexen und vielschichtigen Effekte von sonderpädagogischen Massnahmen in der frühen Kindheit richtet sich der strategische Schwerpunkt nach dem Modell der evidenzbasierten Praxis. Dabei werden die externe Evidenz (Wissenschaftliche Ergebnisse aus randomisierten Gruppenstudien oder kontrollierte Einzelfallstudien), die soziale Evidenz (Bedürfnisse von Kindern und Eltern) und die interne Evidenz (Fachexpertise, subjektives Erleben von Bedeutsamkeit) unterschieden, welche in ihrer Verwobenheit einen Blick auf das gesamte Wirkungsfeld erlauben.

Bildung, Partizipation und Interaktion im Kontext kognitiver und komplexer Beeinträchtigung

Das IBP sieht sich all jenen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen verpflichtet, welche aufgrund von verschiedenen Beeinträchtigungen auf besondere Unterstützung bei ihrer Bildung angewiesen sind, etwa im Kontext kognitiver Beeinträchtigung, körperlich-motorische Entwicklungen und chronische Erkrankungen sowie bei der Beeinträchtigung des Sehens und bei Blindheit. Eine besonders anspruchsvolle Bedarfslage ergibt sich in diesem Zusammenhang für Menschen mit komplexer Behinderung. Zu ihnen gehören neben Kindern und Erwachsenen mit schwerster (mehrfacher) Beeinträchtigungen Personen mit kognitiver Beeinträchtigung und herausforderndem Verhalten, mit schwerer Autismus-Spektrum-Störung, mit kognitiver Beeinträchtigung und psychischer Störung sowie kognitiver Beeinträchtigung und chronischen Erkrankungen.

In der Strategieperiode 2022 – 2025 werden drei strategische Schwerpunkte bearbeitet:

Aufbau und Implementierung der Fachstelle «Bildung bei kognitiver und komplexer Beeinträchtigung»

Die Fachstelle bearbeitet vielfältige Themen und Fragestellung, bei denen es im weitesten Sinne um die Begleitung und Unterstützungen von Menschen mit kognitiven und komplexen Beeinträchtigungen geht. Sie besteht aus einem Zusammenschluss von Expert:innen, welche im Thema «Bildung bei kognitiver und komplexer Beeinträchtigung» an der interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik tätig sind.

Diagnostik, Bildungsplanung und Didaktik

Eine differenzierte Auseinandersetzung mit den individuellen Voraussetzungen von Kindern und Jugendlichen mit einer komplexen Beeinträchtigung bildet die Basis für eine professionelle Begleitung. Die Bildungsplanung geht vom Individuum aus mit dem Ziel dieses zu einem möglichst selbstbestimmten Leben zu befähigen. Ebenso wird der Unterricht den Voraussetzungen der Lernenden angepasst. Dies geschieht z.B. mit basal-perzeptive Zugängen, handlungsorientierten Aufgabenstellungen oder unterstützter Kommunikation.

Partizipation und Interaktion

Das IBP geht von einer partizipativen Grundhaltung aus. Lebenslanges Lernen soll sowohl für die Fachleute als auch die zu begleitenden Menschen an erster Stelle stehen. Die Beziehungsgestaltung nimmt dabei eine zentrale Rolle ein. Heilpädagogik geschieht immer im Dialog. Zwei Projekte legen hier einen Fokus: (1) Lerngespräche: Lernenden mit kognitiven und komplexen Beeinträchtigungen bringen sich aktiv in die Zielfindung und Zukunftsplanung ein. (2) stark3: Menschen mit kognitiven und komplexen Beeinträchtigungen kommen in naher Zukunft an die Hochschule.

Gesellschaftliche Teilhabe durch Access Technologien (AT), Braille, Leichte (Gebärden-)Sprache und Unterstützte Kommunikation (in Kooperation mit ISK)

In diesem Themenfeld werden v.a. die Gelegenheits- und Zugangsbarrieren in den Bereichen Information, Kommunikation und Mobilität berücksichtigt sowie die Ermöglichung von Teilhabe bzw. die Barrierefreiheit durch Access Technologien, Braille, Leichte (Gebärden-)Sprache und Unterstützte Kommunikation. Der Begriff «Access Technologien» fokussiert auf universellen, gleichberechtigten und selbstbestimmten Zugang für Alle und ist anschlussfähig an das Konzept des «Universal Design for Learning». Neben den personenbezogenen Faktoren werden auch die Umweltfaktoren, die eine Relevanz für die Zugänglichkeit haben, fokussiert.

In der Strategieperiode 2022 – 2025 werden zwei strategische Schwerpunkte bearbeitet:

Gesellschaftliche Teilhabe durch Access Technologien

Access Technologien umfassen digitale und technische Möglichkeiten sowie nicht technische Hilfsmittel zum Abbau von Zugangs- und Gelegenheitsbarrieren durch Unterstützung von Kommunikation, Mobilität und einem selbstbestimmten Zugang zu Information. Sie ermöglichen Menschen mit Beeinträchtigung die Teilhabe an Bildungsprozessen, an gesellschaftlichen Aktivitäten und am Berufsleben.

Braille, Leichte (Gebärden-)Sprache und Unterstützte Kommunikation (UK) in Teilhabe- und Bildungsprozessen

Es gibt unterschiedliche Zugänge, die das Ziel haben, gesellschaftliche Teilhabe durch Kommunikation ermöglichen:

  • Die Brailleschrift oder auch Punktschrift genannt, sichert seit nunmehr fast 200 Jahren Bildungs- und Teilhabechancen von Menschen mit Blindheit und hochgradiger Sehbehinderung.
  • Leichte Sprache stellt ein Konzept dar, das den Zugang und die Verständlichkeit von schriftlichen Texten (Informationen, Literatur) ermöglichen soll.
  • «Leichte Gebärdensprache» wird in der Kommunikation mit Menschen mit einer Hörbehinderung und Migrationshintergrund und Menschen mit einer Hörbehinderung und einer zusätzlichen kognitiven Beeinträchtigung eingesetzt/ verwendet.
  • Unterstützte Kommunikation bietet Menschen mit eingeschränkter oder fehlender Lautsprache eine alternative Kommunikationsmöglichkeiten.

Aktuell

Unsere Forschungs- und Entwicklungsprojekte

In anwendungsorientierten Forschungs- und Entwicklungsprojekten analysiert das Institut aktuelle und zukünftige Fragen der Praxis und der Profession. Mit den Angeboten in Forschung und Entwicklung trägt das Institut wesentlich zum Verständnis und zur innovativen Bearbeitung von heilpädagogischen Fragestellungen, zur Professionalisierung der Praxis sowie zur Entwicklung der Disziplin bei.

Team

Die Mitarbeitenden sind Experten und Expertinnen für die Generierung, Verwertung und Vermittlung von Wissen zu Bildungs-, Entwicklungs- und Inklusionsfragen von Menschen mit besonderem Bildungsbedarf. Professorinnen- und Professoren nehmen eine fachlich-thematische Leitungsaufgabe in einem für die HfH strategischen Lehr- und Forschungs- oder Entwicklungsgebiet wahr.