Institut für Lernen unter erschwerten Bedingungen

Institut

KONTAKT

Claudia
Ziehbrunner
Titel
Prof. Dr.
Funktion
Leiterin Institut für Lernen unter erschwerten Bedingungen / Professorin
Krisztina
Meya
Funktion
Assistentin Leiterin Institut Lernen unter erschwerten Bedingungen

Optimales Lernen auch unter erschwerten Bedingungen ermöglichen und sichern. Lernschwierigkeiten werden als Passungsproblematik unterschiedlich determinierter Faktoren verstanden, welche Einfluss auf die Lernentwicklung eines Kindes, Jugendlichen oder jungen Erwachsenen haben. In einem wertgeleiteten Sinn wird der Aspekt egalitärer Bildungschancen fokussiert.

Die Arbeiten im Institut zielen darauf, den Zugang zu Bildungsstandards und Lehrplänen im Kontext erschwerter Lernbedingungen chancengerecht zu sichern, die Passung zwischen Lernangeboten und Lernvoraussetzungen zu erhöhen, um im Kontext erschwerten Lernens erfolgreiche Bildungsverläufe zu ermöglichen, sowie auf inklusive Teilhabe und Teilnahme aller Schülerinnen und Schüler am sozialen Lerngeschehen der Klasse.

Themenfelder

Lernprozesse und Lernentwicklung unter erschwerten Bedingungen

In diesem Arbeitsfeld werden Lernprozesse fokussiert mit besonderer Berücksichtigung der Effekte (heil)pädagogischer und pädagogisch-therapeutischer Unterrichts-, Interventions- und Präventionspraxis auf die unmittelbare und langfristige Lernentwicklung von Schülerinnen und Schülern. Das Erkenntnisinteresse zielt auf Faktoren, Methoden, Programme und Instrumente, die Lernen befördern und Schülern und Schülerinnen im Kontext erschwerter Lernbedingungen ihrem Potenzial entsprechende Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen.

MINT-Lernen unter erschwerten Bedingungen

MINT-Bildung umfasst die Integration der im Akronym genannten Fächer, darüber hinaus werden Fächer wie Sozialkunde und Sachunterricht subsumiert. Während Mathematik (M) traditionell im Fokus heilpädagogischer Förderung steht, sind die Inhaltsaspekte Natur und Technik (NT) sowie Medien und Informatik (I) für die Belange der Heilpädagogik noch wenig erschlossen.

Inhaltlich wird in allen drei Teilgebieten von "MINT-Lernen unter erschwerten Bedingungen" eine interdisziplinäre Integration von sonderpädagogischen Betrachtungsweisen und Grundsätzen aus den verschiedenen Fachdidaktiken vorgenommen. Heilpädagogische Kernthemen und Konzepte, wie beispielsweise Universal Design for Learning (UDL), werden für die verschiedenen Fachkontexte angewendet und nutzbar gemacht. Barrieren sollen eruiert und kontextspezifische minimiert werden, um mehr Partizipation und Lernen zu ermöglichen. Diese Erkenntnisse sollen in den fachdidaktischen Diskursen und in fachdidaktischen Modellen Eingang finden.

Inklusion und chancengerechtes Lernen

Im Fokus des Arbeitsfeldes stehen normative Verständnisse von Lernen, Unterricht und Schule. In der Interdependenz von Lernangebot und Lernvoraussetzungen manifestiert sich das Risiko von Bildungsbenachteiligung und Exklusion. In einem wertgeleiteten Sinn zielt das Erkenntnisinteresse auf in soziale Lernräume inkludierende, Bildungsbenachteiligungen ausgleichende (heil)pädagogische und pädagogisch-therapeutische Praktiken sowie auf die Überwindung segregierender Mechanismen im Bildungssystem.

ICT for Inclusion

Unter "ICT for Inclusion" wird die Nutzung und Anpassung von Medien und Technologien verstanden, um zum einen mehr Partizipation zu ermöglichen und zum anderen das Lernen zu unterstützen. Das Wissen zu Barrierefreiheit, zu heil- und sonderpädagogischer Nutzung von Mainstream-Technologien, digitalem Lernen und der Notwendigkeit von assistiven Technologien wird immer wichtiger. Bisher gibt es dazu nur wenig wissenschaftliche Veröffentlichungen und praxisnahe Modell- und Methodenbildung im heil- und sonderpädagogischen sowie therapeutischen Bereich. Gleichzeitig nehmen die Anfragen zu ICT und Digitalisierung und deren sonderpädagogischen und therapeutischen Nutzung immer mehr zu.

Strategische Schwerpunkte

Teilhabeorientierte Diagnostik

Die Forderung und Umsetzung inklusiver Schulen als Lernorte, die so eingerichtet sind, dass sie im Sinne eines Universal Designs for Learning (UDL) Barrieren zu minimieren verstehen, bringt neue Anforderungen an die Diagnostik im Kontext von Lernschwierigkeiten. Eine teilhabeorientierte Diagnostik geht einher mit einer interaktionistischen Sichtweise auf Behinderung und Beeinträchtigung. Diese fokussiert weder einseitig auf kognitive Schwierigkeiten noch auf eine medizinische Diagnose. Möglichst viele Faktoren, die das Lernen beeinflussen, werden in die diagnostischen Fragestellungen miteinbezogen. Die Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Gesundheit und Behinderung ICF-CY (WHO, 2001) greift die Aspekte Körperfunktionen, Aktivitäten, Teilhabe, Partizipation, Herkunftsmilieu und Interaktion unter Gleichaltrigen diagnostisch auf und bietet damit die Voraussetzungen, um in der sonderpädagogischen Diagnostik als Grundlage für die Kind-Umfeld-Analyse eingesetzt zu werden. 

Chancen und Risiken der Digitalisierung für die Heilpädagogik

Für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf eröffnet die Digitalisierung im Bildungssektor neue Möglichkeiten des Lernens und der Informationszugänglichkeit, stellt aber auch ein gewaltiges Gefahrenpotenzial für vollwertige Partizipation dar. Heilpädagogisch Tätige sind aufgerufen, die Basis für eine barrierefreie Lebensgestaltung in einer digitalisierten Welt zu schaffen. Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich das Institut mit digitaler Teilhabe und mit der Barrierefreiheit von Informations- und Kommunikationstechnologien sowie assistiven Technologien und E-Accessibility. Dazu gehören auch medienpädagogische und -didaktische Kompetenzen zum reflexiven und kritischen Umgang mit digitalen Medien und in Verbindung mit dem transversalen Thema Ethik.

Inklusive Fachdidaktik Mathematik

Die mathematische Förderung von Schülerinnen und Schülern mit besonderem Bildungsbedarf in Mathematik beinhaltet komplexe Herausforderungen, insbesondere auch in der integrativen Schulung. Lernhürden und Ressourcen müssen erkannt und die Förderung entwicklungsorientiert auf Verständnis und den Aufbau von Grundvorstellungen ausgerichtet sein, um erfolgreiches Weiterlernen zu ermöglichen.

Inklusive Fachdidaktik Naturwissenschaften

Die allgemeine Bedeutung naturwissenschaftlicher Bildung, unter anderem für die Wirtschaft, ist unumstritten. Generell wird ein Fachkräftemangel konstatiert. Naturwissenschaftliche Kenntnisse verhelfen Schülerinnen und Schülern zu einem besseren Verständnis der sie umgebenden Welt, da naturwissenschaftliches Lernen vollständig in Alltagssituationen eingebettet ist und alltägliche Lebenssituationen behandelt. Dies ist zwingend für die aktive Teilhabe an der Gesellschaft. 

Die Themen Heterogenität und Inklusion werden vermehrt in einen fachdidaktischen Diskurs aufgenommen. Im Zusammenhang mit naturwissenschaftlicher Bildung zeichnet sich ein neues Fach- und Forschungsgebiet "Inklusive Didaktik des Sachunterrichts" ab. Aktuelle Forschungsprojekte siedeln sich meist an der Schnittstelle zwischen den Disziplinen an und Projekte zielen auf eine Vernetzung vorhandener hochschulidaktischer Kompetenzen der Bereiche Sonderpädagogik, allgemeine Didaktik, Fachdidaktik und Sprachbildung.

Begabungs- und Begabtenförderung

Die Begabungs- und Begabtenförderung als Teil der Schul- und Unterrichtsentwicklung gehört zum Grundauftrag der Regelschule. Die ganzheitliche Erfassung der spezifischen Situation und allfälliger Problemlagen begabter Schülerinnen und Schüler, der daran anschliessenden Planung und Umsetzung von passgenauen Lernangeboten sowie deren Evaluation sind Bestandteil des Aufgabenbereichs der Schulischen Heilpädagogik. Zur Unterstützung der Entfaltung und Ausschöpfung der Potenziale begabter Schülerinnen und Schülern bieten sich unterschiedliche Möglichkeiten an, die sich in der Forschung als effektiv erwiesen haben, z.B. Akzeleration, Enrichment, Pull-Out. Im Institut wird ein spezifischer Fokus auch auf jene Potenziale gelegt, die aufgrund erschwerter Lernbedingungen wenig augenfällig sind.

Mehrperspektivischer Leistungsbegriff

Selektion stellt eine besondere Herausforderung in Bildungssystemen dar. Sie steht im Konflikt zu differenzbejahenden Ansätzen, wie sie den Inklusionsdiskursen innewohnen. Im deutschsprachigen Raum herrschen strukturell segregierende Schulsysteme vor. Eine heilpädagogische Sicht auf die Chancen und Risiken der Kompetenzorientierung im Lehrplan 21 nimmt das Thema der Beurteilung von Lernleistungen im Kontext erschwerter Lernbedingungen mehrperspektivisch auf. Im Vordergrund steht die Förderung der Leistungsfähigkeit aller Schülerinnen und Schüler auf allen Leistungsniveaus.

Bildung für alle Sekundarstufe I

Historische und strukturelle Bedingungen der Sekundarstufe I prägen die Kultur im Umgang mit Fragen der Integration von Schülerinnen und Schülern mit besonderem Bildungsbedarf. Die Stufe ist gekennzeichnet vom Versuch, durch verschiedene Formen der Selektion und äusseren Differenzierung ein nach Fähigkeiten und Leistungen entsprechendes Niveau des Lernstoffes anzubieten. Der Einsatz von Schulischen Heilpädagogen und Heilpädagoginnen hat wenig Tradition. Gleichzeitig wird im Kontext der Integration für immer mehr Schülerinnen und Schüler der Zugang zur Regelschule auch auf Stufe Sek I eröffnet. Diese Situation stellt viele Sekundarschulen und ihre Lehrpersonen vor Herausforderungen. Die beiden grössten stellen einerseits die Schaffung einer integrativen Schulstruktur, jenseits von äusserer Differenzierung und Selektionsdruck, dar und andererseits der Umgang mit der zunehmenden Heterogenität der Schülerinnen und Schüler bezüglich Leistung und Verhalten.

Lernen am gemeinsamen Gegenstand - in individuell unterschiedlicher Breite und Tiefe - ist eine grundlegende Bedingung für eine effektive schulische Integration. Je höher die Schulstufe, desto komplexer werden die Themen und Inhalte und desto stärker klafft die schulische Leistungsfähigkeit zwischen Schülern und Schülerinnen mit und ohne besonderem Bildungsbedarf auseinander.

Berufliche Integration

Schülerinnen und Schüler mit Lernschwierigkeiten oder Beeinträchtigungen sind in der Phase der Berufsbildung und im Übergangsprozess in die Arbeitswelt besonders gefordert und mit Hindernissen konfrontiert: In der Auseinandersetzung mit sich selber und mit dem Spektrum an möglichen Berufsrichtungen gilt es eine passende Anschlusslösung zu finden. Je nach Situation auf dem Lehrstellenmarkt stehen sie in Konkurrenz zu anderen Schulabgängerinnen und Schulabgängern, erleben Enttäuschungen und müssen Umwege in Kauf nehmen. Das Berufsbildungssystem ist in der Schweiz so gestaltet, dass mittels Unterstützungsmassnahmen versucht wird, möglichst viele junge Erwachsene zu einem anerkannten Berufsabschluss zu führen. Ausserdem ist die Durchlässigkeit zwischen den Bildungsgängen ein zentrales Anliegen. Das Unterstützungsangebot ist gut ausgebaut, allerdings ist es für die Betroffenen und für ihre Bezugspersonen oft nicht einfach, sich in diesem System zu orientieren. Koordination und Kooperation sind vor allem an den Schnittstellen noch nicht immer gewährleistet.

Aktuell

Weiterbildung und Dienstleistungen

Zu allen von uns bearbeiteten Schwerpunkten bieten wir Ihnen Weiterbildungen und Dienstleistungen in unterschiedlichen Formaten an. Auf Wunsch bringen wir unsere Angebote passgenau direkt zu Ihnen und in Ihre Teams.

Forschung und Entwicklung

In anwendungsorientierten Forschungs- und Entwicklungsprojekten analysieren wir aktuelle und zukünftige Fragen der Praxis und der Profession. Damit tragen wir zum Verständnis und zur innovativen Bearbeitung von heilpädagogischen Fragestellungen, zur Professionalisierung der Praxis sowie zur Entwicklung der Disziplin bei.

Team

Unsere Mitarbeitenden sind Experten und Expertinnen für die Generierung, Verwertung und Vermittlung von Wissen zu Bildungs-, Entwicklungs- und Inklusionsfragen von Menschen mit besonderem Bildungsbedarf.

Das Institut für Lernen unter erschwerten Bedingungen eröffnet einen Zugang zu Lernschwierigkeiten und deren Genese im Bedingungsgefüge interdependenter personaler, sozialer und Umweltfaktoren.