Plurilinguale Kompetenzen in der Bildungssprache «PluS»

Kategorie Projekt

Ausgangslage und Ziele

Das vom Bundesamt für Kultur (BAK) geförderte Unterrichts- und Schulentwicklungsprojekt verbindet Ansätze des sprachsensiblen Unterrichts mit Ansätzen der Mehrsprachigkeitsdidaktik. In multiprofessionellen Teams entwickeln und realisieren Regelklassenlehrpersonen, Förderlehrpersonen und Lehrpersonen für Herkunftssprachlichen Unterricht (HSU) gemeinsam(en) Unterricht. Daraus entstehen Impulse und Material für sprachsensible, mehrsprachige und multimedial aufbereitete Spiel- und Lernumgebungen für die Schuleingangsstufe (Zyklus 1).

Projektleitung

Maja Kern Titel Prof., Dr. phil

Funktion

Professorin für Sprachförderung und Sprachdidaktik in heterogenen Lerngruppen

Fakten

  • Dauer
    09.2023
    01.2026
  • Projektnummer
    4_64

Projektteam

  • Alexandra Schiesser
  • Claudia Röösli Stübi
  • Marie-Nicole Bossart
  • Sabina Schönholzer Mastai

Kooperationen

  • Pädagogische Hochschule Zug
  • Pädagogische Hochschule Luzern

Finanzielle Unterstützung

  • Bundesamt für Kultur (BAK)

Ausgangslage

Bildungssprachliche Kompetenzen sind grundlegend für Schulerfolg (vgl. z. B. Lange, 2020). Der Aufbau dieser Kompetenzen ist allerdings anforderungsreich – und bisweilen dadurch erschwert, dass «die sprachliche Darbietung der Lerngelegenheiten und die sprachlichen Voraussetzungen, die Kinder und Jugendliche für deren Bewältigung mitbringen, nicht genügend im Einklang stehen» (Gogolin, 2020, S. 166). Dies hat verschiedene Gründe. Einer davon ist dem Umstand geschuldet, dass das Bildungssystem darauf aufbaut, dass alle Schüler:innen die notwenigen Kompetenzen in der Schulsprache mitbringen. Dabei geht vergessen, dass manche Kinder diese zuerst noch aufbauen müssen. Ein anderer Grund bezeichnete Gogolin (2008) als «monolingualen Habitus» der Schulen: Es zählen nur die Kompetenzen in der Unterrichtssprache (Deutsch in der Deutschschweiz) und in den Fremdsprachen (z.B. Französisch) – ein Rückgriff auf Kompetenzen in weiteren Sprachen ist nicht möglich oder wird sogar verboten. Dieser Habitus ist an Schweizer Schulen nach wie vor verbreitet (siehe z. B. Rellstab, 2021) und erschwert es mehrsprachigen Schüler:innen, ihre gesamtsprachlichen Repertoires als Ressourcen fürs Lernen zu nutzen (Gantefort & Maahs, 2020).

Das Kooperationsprojekt der PH Luzern, der PH Zug und der HfH setzt hier an: Es verbindet Ansätze des Sprachsensiblen Unterrichts mit Ansätzen der Mehrsprachigkeitsdidaktik: In multiprofessionellen Teams entwickeln Regelklassenlehrpersonen, Förderlehrpersonen und Lehrpersonen für Herkunftssprachlichen Unterricht (HSU) gemeinsam(en) Unterricht. Dabei entstehen Ideen und Materialien für sprachsensible, mehrsprachige und multimedial aufbereiteten Spiel- und Lernumgebungen für die Schuleingangsstufe (Zyklus 1).

Vorgehen

Die mehrsprachigen, sprachsensiblen Unterrichtseinheiten und das mehrsprachige Material werden an mehreren Weiterbildungen bzw. Workshops im multiprofessionellen Team (Regel-, IF-, DaZ - und HSU-Lehrpersonen) entwickelt. Diese Weiterbildungen bzw. der Workshops werden mittels schriftlichen Feedbacks fortlaufend evaluiert. Im Anschluss werden die entwickelten Unterrichtseinheiten in 4 Projektklassen (KiGa bis 1. Klasse) während 2–6 Wochen durchgeführt. Während der Durchführung unterrichten die HSU- und die Regellehrpersonen stellenweise im Teamteaching. Die Begleitevaluation des Projekts sieht verschiedene Methoden vor: Mittels teilnehmenden Unterrichtsbeobachtungen durch das Projektteam wird die Partizipation, die Interaktion und der Sprachgebrauch der Kinder dokumentiert. Die Regel- und HSU-Lehrpersonen werden jeweils retrospektiv an die Teamteachingsequenzen schriftlich zu den gleichen Themen befragt. Die Einschätzungen der Eltern werden mit teilstrukturierten Interviews durch die HSU-Lehrpersonen eingeholt. Das Projekt beinhaltet zudem Reflexionsgespräche mit einzelnen Kindern über die zuhause und in der Schule gesprochenen Sprachen. Schliesslich finden teilstrukturierte Interviews mit den Regel- und HSU-Lehrpersonen zu den Projektzielen statt.

Erwartete Ergebnisse

Das Projekt untersucht, inwiefern die gemeinsam entwickelten Unterrichtseinheiten die sprachliche Partizipation mehrsprachiger Kinder im Zyklus 1 fördern und ihre gesamtsprachlichen Ressourcen stärker ins Lernen einbinden. Die Ergebnisse sollen Lehrpersonen praxiserprobte Ansätze für sprachsensiblen, mehrsprachigen Unterricht bereitstellen und damit Impulse für Schulentwicklung geben.

Literatur

  • Gantefort, C., & Maahs, I.-M. (2020). Translanguaging. Mercator proDaZ. https://www.uni-due.de/imperia/md/content/prodaz/gantefort_maahs_translanguaging.pdf
  • Gogolin, I. (2008). Gogolin, I. (2008). Der monolinguale Habitus der multilingualen Schule (Internationale Hochschulschriften, Bd. 101, 2., unveränderte Auflage). Münster, New York, München, Berlin: Waxmann.
  • Gogolin, I. (2020). Durchgängige Sprachbildung. In I. Gogolin, A. Hansen, S. McMonagle, & D. Rauch (Hrsg.), Handbuch Mehrsprachigkeit und Bildung (S. 165–173). Springer Fachmedien Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-20285-9
  • Lange, I. (2020). Bildungssprache. In I. Gogolin, A. Hansen, S. McMonagle, & D. Rauch (Hrsg.), Handbuch Mehrsprachigkeit und Bildung (S. 53–58). Springer Fachmedien Wiesbaden.
  • Redder, A., Krause, A., Prediger, S., Uribe, Á., & Wagner, J. (2022). Mehrsprachige Ressourcen im Unterricht nutzen – worin bestehen die «Ressourcen»? DDS – Die Deutsche Schule, 2022(03), 312–326. https://doi.org/10.31244/dds.2022.03.09
  • Rellstab, D. H. (2021). Legitime Sprachen, legitime Identitäten. Interaktionsanalysen im spätmodernen «Deutsch als Fremdsprache»-Klassenzimmer (1. Aufl., Bd. 21). transcript Verlag. https://doi.org/10.14361/9783839456941

Konferenzbeiträge

  • Kern, M., & Schiesser, A.
    Sprachförderung in Forschungskooperationen: Handkarten als Element der Professionalisierung
    [Konferenzvortrag].
    Tagung Fachdidaktiken FDD,
    Luzern, Schweiz.