Meilensteine einer bewegten Geschichte

40 Jahre Gebärdensprache an der HfH

Die HfH bildet als einzige Hochschule in der Schweiz Fachpersonen in den Bereichen Gebärdensprachdolmetschen, - übersetzen, -lernen und -lehren aus. Welche Meilensteine prägten die Entwicklung der Gebärdensprache an der HfH?

Kontakt

Tobias Haug Titel Prof. Dr.

Funktion

Professor für Gebärdensprache und Kommunikation gehörloser Menschen

Katja Tissi Titel BA

Funktion

Senior Lecturer

Im Jahr 1986 bot die HfH (damals noch Heilpädagogisches Seminar, HPS) erstmals eine zweistufige Dolmetscherausbildung an. Seit 2006 kann Gebärdensprachdolmetschen als Bachelor-Studiengang absolviert werden. Über hundert Gebärdensprachdolmetscher:innen wurden seither ausgebildet.

Im Frühjahr 2027 lanciert die HfH einen Master (MA) in Gebärdensprachdolmetschen. Die Studierenden eignen sich spezifische Kenntnisse an, beispielsweise zum Dolmetschen im Kontext von Gericht und Polizei, zu mehrsprachigen Grossanlässen und zum Mediendolmetschen. Dies entlang der Überzeugung, dass die Gebärdensprache der Schlüssel zur Beendigung von Diskriminierung gehörloser und hörbehinderter Menschen ist.

Zudem wurden in den letzten Jahren Projekte mit nationaler Bedeutung angestossen, Unterrichtsmaterialien für die Praxis entwickelt und das Weiterbildungsangebot ausgebaut.

Meilensteine von 1986 bis 2025 (in DSGS)

Welche Meilensteine prägten die Geschichte der Gebärdensprache an der HfH? Schauen Sie das Video in DSGS.

Meilensteine

  • 1986

    Die Dolmetscher:innenausbildung in Gebärdensprache startet erstmals mit 14 Studierenden am Heilpädagogischen Seminar (HPS). Der erste Teil der Ausbildung dauert drei Jahre und fokussiert das Dolmetschen von Deutsch in die Deutschschweizerische Gebärdensprache (DSGS). Es werden Module wie «Fingeralphabet (Übungen)», «Hörgeschädigte in Gesellschaft und Geschichte» oder «Psychologische Aspekte der Hörschädigung» angeboten.

  • 1990

    Das erste Forschungsprojekt zu Gebärdensprache untersucht den Zusammenhang zwischen Erwerbsalter und den verwendeten Formen der Gebärdensprache. Mitfinanziert wird das Projekt vom Forschungszentrum für Gebärdensprache (FZG) und dem Schweizerischen Nationalfonds (SNF).

  • 1990

    Die Ausbildung für Gebärdensprachlehrer:innen startet am HPS mit 12 Teilnehmenden. Sie erfolgt in Teilzeit und wird vom Bundesamt für Sozialversicherungen subventioniert. Die Sprachgemeinschaft ist ein Ort der Integration und der Identitätsbildung. Konzipiert wurde die Ausbildung vom Schweizerischen Gehörlosenbund (SGB).

  • 1994

    Nun startet der zweite Teil der Ausbildung der «Gehörlosendolmetscherausbildung», der zwei Jahre dauert. Die Studierenden fokussieren die umgekehrte Dolmetschrichtung: Sie übersetzen von der Deutschschweizerischen Gebärdensprache (DSGS) in die deutsche bzw. schweizerdeutsche Lautsprache.

  • 2001

    Das HPS wird in die Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik (HfH) überführt und die Ausbildung als Gebärdensprachdolmetscher:innen sowie -lehrer:innen in das Angebot der HfH integriert.

  • 2006

    Der Beruf der Gebärdensprachdolmetscher:innen professionalisiert sich. An der HfH wird die Ausbildung neu als Bachelorstudiengang angeboten, das Studium in Teilzeit dauert vier Jahre. Das Bachelorstudium nehmen 15 Studierende auf, die zwei Prozent der insgesamt 761 Studienplätze ausmachen.

  • 2014

    Die HfH beteiligt sich am europäischen Projekt «De-Sign Bilingual» in Zusammenarbeit mit der SEK3 – Oberstufe für Gehörlose und Schwerhörige. Der Fokus liegt auf dem bilingualen-bimodalen Unterricht und Good Practices.

  • 2015

    Das dreijährige Projekt «Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen für Gebärdensprachen» (GER-GS) startet. In Zusammenarbeit mit der ZHAW werden Weichen für die Gebärdensprachlehre in der Schweiz und Europa gestellt.

  • 2016

    Die Künstliche Intelligenz hält Einzug in die Gebärdensprachforschung: Im Projekt SMILE wird ein automatisiertes Gebärdensprachtestsystem entwickelt. In Folgeprojekten werden weitere Forschungseinrichtungen einbezogen.

  • 2019

    Das Handbuch Deutschschweizerische Gebärdensprache erscheint. Es handelt sich um eine bilinguale Referenzgrammatik, die für Gebärdensprachlehrer:innen entwickelt wurde. Die Publikation ist kostenlos online zugänglich.

  • 2021

    Der Beruf «Gebärdensprachlehrer:in» wird vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) anerkannt. Der Lehrgang Gebärdensprachlehrer:in an der HfH schliesst neu mit einem Branchenzertifikat ab und bereitet auf die Berufsprüfung vor.

  • 2022

    Zum ersten Mal wird ein Zertifikatslehrgang für (gehörlose) Gebärdensprachübersetzer:innen angeboten (Certificate of Advanced Studies). Der CAS startet mit elf Teilnehmer:innen.

  • 2024

    Der Startschuss zur Entwicklung des Studiengangs Master Gebärdensprachdolmetschen fällt. Angestrebt wird eine zusätzliche Professionalisierung der Dolmetscheinsätze in vielfältigen Settings. Das Studium soll voraussichtlich im Frühlingssemester 2027 starten.

  • 2025

    Der Bachelor Gebärdensprachdolmetschen startet im Herbstsemester 2025 mit einem weiterentwickelten Curriculum.