25 Jahre Stottercamp: Die Intensivtherapiewoche ist eine Erfolgsgeschichte

Kategorie News

Das Stottercamp der HfH fand vom 4. bis 11. Juli 2026 statt. Ein besonderes Jahr, denn wir durften ein grosses Jubiläum feiern. Dies nehmen wir zum Anlass für einen Rückblick aus drei Blickwinkeln – und haben Statements von Jugendlichen, den Studierenden sowie dem Leitungsteam eingeholt.

Kontakt

Wolfgang G. Braun Titel Prof.

Funktion

Senior Lecturer / Leiter Förderzentrum

Über 350 Jugendliche durften wir in all den Jahren therapeutisch ein Stück auf ihrem Weg begleiten und ihnen Techniken, Mut und Selbstvertrauen mit ihrem Sprechen und Stottern mitgeben. Durch den methodenkombinierten Ansatz von Stotter- und Sprechmodifikation und das Konzept der 1:1-Betreuung durch Pat:innen wird für jeden Jugendlichen ein individueller Weg gesucht – und gefunden.

Körperliche Erfahrungen helfen. Das Stotterchamp verbindet Sprachtherapie erfolgreich mit erlebnispädagogischen Elementen. Durch die Kooperation mit dem Forschungsinstitut für Erlebnispädagogik der Evangelischen Hochschule Hessen weist die Intensivtherapiewoche ein hohes Mass an Professionalität in diesem Bereich auf. Wir schaffen immer wieder Brücken zwischen Sprechen, Stottern und Bogenschiessen oder Klettern. Die Erkenntnisse aus der Stottertherapie werden für die Jugendlichen erlebbar und deutlich: Zu viel Kraft und Anstrengung beim Sprechen verstärkt das Stottern eher, mit einer passenden Technik geht es leichter. Diese körperliche Erfahrung auch beim Klettern zu machen, wo Kraft alleine nicht ausreicht und man nur mit Technik zum Ziel kommt, verdeutlicht, wie hilfreich die Techniken beim Sprechen sind.

Beim Bogenschiessen die Atmung spüren, zur Ruhe kommen, sein Ziel fokussieren und dann konzentriert auf dem Ausatemstrom den Pfeil schiessen: Auch hier ist die Parallele zum Sprechen und Stottern gross. Statt überhastet und ohne Ruhe in eine Sprechsituation zu gehen, lernen die Jugendlichen mit Fokus, Ruhe und Konzentration vorzugehen und so zum Ziel zu kommen – für viele Teilnehmer:innen das Erlebnis des Camps:

  • «Mein Highlight war bisher auf jeden Fall das Bogenschiessen» – Linus, Teilnehmer
  • «Es hat mir wirklich Spass bereitet dieser Mix zwischen Stottern und auch Bewegung und Atmung beim Bogenschiessen.» –Adrian, Teilnehmer

Am Ende der Woche haben die Jugendlichen verschiedene Techniken kennengelernt und geübt. Sie wissen, dass sie «noch einen Pfeil im Köcher» haben. Und sie haben viele andere gleichbetroffene Jugendliche kennengelernt und wissen:«Stottern ist ok!» – so wie die drei Teilnehmer:

  • «Ich habe viele neue Techniken gelernt wie zum Beispiel das weiche Sprechen. Und ich habe auch viele sportliche Aktivitäten gemacht im Lager. Es hat sehr viel Spass gemacht.» – Jonathan, Teilnehmer
  • «Dieses Stottercamp hat mir wirklich sehr Spass gemacht. Vor allem, weil ich neue Stotterer kennengelernt habe. Aber auch weil ich meine Techniken gut vertieft habe, das wird mir dann sicher helfen für den Alltag bei der Arbeit.» – Adrian, Teilnehmer
  • «Ich habe mehr Selbstvertrauen und ich habe mich an die weiche Stimme gewöhnt.» – Firat, Teilnehmer

Vielfältige Aktivitäten gehören zum Stottercamp dazu, wie Klettern ..

.. oder Bogenschiessen.

Die Jugendlichen werden durch Pat:innen (angehende Logopäd:innen) während der gesamten Woche begleitet.

Auch dieses Jahr war das Stottercamp mit zwölf Teilnehmer:innen ausgebucht. Wir freuen uns bereits auf das nächste Jahr und die 26. Ausgabe des Camps.

Praxisnahe Therapiearbeit für Studierende. Ein weiteres Ziel des Stottercamps ist es, Logopädie-Studierende mit fundiertem Wissen und praktischen Erfahrungen für die Stottertherapie zu rüsten und ihnen Mut für die Therapie von Redeflussstörungen mitzugeben. Rund 450 Studierende konnten in den letzten 25 Jahren Theorie und Praxis auf eine einprägsame Art und Weise verknüpfen – für viele Studierende eine wertvolle Erfahrung. Auch der Austausch mit anderen Studierenden sowie mit dem Leitungsteam wird geschätzt und gibt wertvolle Erkenntnisse und Inputs für den späteren therapeutischen Alltag der Studierenden. Tägliche Sitzungsgefässe, enge Begleitung der Pat:innen mit ihren Jugendlichen, die stetige Möglichkeit für individuellen Austausch sowie die ausführliche Reflexion am Ende der Woche gewährleisten die fachliche Sicherheit und Professionalität der Therapie.

  • «Ich fand es schön, Theorie und Praxis so intensiv verbinden zu können.» – Marion, Studierende
  • «Mit den anderen Studierenden in den Austausch zu kommen, war eine Bereicherung. Was ich sehr wertvoll fand, war auch die professionelle Begleitung durch das erfahrene Leitungsteam. Ich konnte davon profitieren.» – Marlen, Studierende
  • «Ich fand die Woche sehr intensiv und lehrreich. Ich fühle mich jetzt gewappnet für die Therapie mit Stotternden.» – Irina, Studierende

Das Camp gibt den Studierenden die einzigartige Möglichkeit, zwölf Jugendliche mit individuell ausgeprägter Stottersymptomatik eine Woche lang zu begleiten. Der Austausch sowie die therapeutische Arbeit mit den Betroffenen finden auf eine natürliche und ungezwungene Weise im Alltag statt:

  • «Es ist aussergewöhnlich, dass man hier im Stottercamp sehr nah am Alltag der Jugendlichen arbeitet.» – Marlen, Studierende
  • «Ich konnte extrem viel profitieren. Auch Jugendliche mit unterschiedlich ausgeprägter Symptomatik kennenzulernen war spannend.» – Isabel, Studierende

Stottern ist ok! Seit 25 Jahren tragen wir stolz die Botschaft «Stottern ist ok!» in die Welt. Sei es auf der offiziellen Fahne des Camps, auf unseren Armbändern oder in den aktuellen Medienbeiträgen. Den Jugendlichen von Anfang an vermitteln zu können, dass ihr Stottern in Ordnung ist und dass sie mit ihrem Stottern akzeptiert werden, ist uns das wichtigste Anliegen. Die Stottermodifikation mit dem Grundsatz «nicht vermeiden, Stottern zeigen» vermittelt genau das. Wir versuchen die Jugendlichen zu stärken, ihnen Mut und Selbstvertrauen mit ihrem Sprechen und Stottern auf den Weg mitzugeben, sodass sie «gestärkt quer in der Landschaft stehen» können.

  • «Für mich heisst das, dass das Sto-Sto-Stottern nicht schlimm ist. Es ist nicht schlimm zu stottern, es passiert einfach. Es ist Te-Te-Teil von mir und ich muss damit le-le-leben.» – Adrian, Teilnehmer
  • «Stottern ist ok! bedeutet für mich, dass Stottern okay ist und dass man sich nicht verstecken soll, nur weil man stottert!» – Tim, Teilnehmer
  • «Stottern ist ok! verbinde ich mit der Akzeptanz von Stottern. Dass auch andere Nicht-Stotternde auch Stotterer akzeptieren so wie sie sind. Und dass Stottern im Allgemeinen okay ist und dass das auch einfach ein wenig normalisiert werden soll für Stotternde.» – Maxim, Teilnehmer
  • «Mein Highlight ist, am Abend mit allen zusammenzusitzen am Lagerfeuer und dass jeder von seinem Tag etwas erzählt und dass sich alle trauen, vor der Gruppe zu sprechen. Das freut mich immer ganz fest.» – Amélie, Teilnehmerin

Es erfordert viel Mut, sich für eine Intensivtherapie anzumelden und sich eine Woche lang mit seinem Stottern auseinanderzusetzen, sich Herausforderungen zu stellen und Neues zu wagen. Umso bewegender und eindrücklicher ist es, jedes Jahr zu sehen, wie mutig die Jugendlichen mit ihrem Stottern umgehen, sich trauen vor der Gruppe zu sprechen und über sich hinauswachsen.

Wir sind dankbar für die vergangenen 25 Jahre, die prägenden Begegnungen, die unzähligen Erfolgsmomente und vor allem für die Möglichkeit, im Alltag ein Stück mehr Akzeptanz und Sensibilität für das Thema Stottern zu schaffen.

Autorin: Michèle Frey, Co-Leiterin des Stottercamps

Medienbeiträge. Zum Jubiläum haben wir diverse Medienschaffende eingeladen. Einige haben das Camp besucht und darüber berichtet, die Medienbeiträge finden Sie unten aufgelistet:

Interessiert? Das Stottercamp findet nächstes Jahr wieder Anfang Juli statt. Die Anmeldung ist bereits geöffnet. Zur Anmeldung