Fluency in Speech and Signing (FluSS) / Natürlicher Sprachfluss in gesprochener Sprache und Gebärdensprache

Kategorie Projekt

Ausgangslage und Ziele

Im Projekt «Fluency in Speech and Signing» arbeiten die HfH, die Universität Zürich und die Universität Leiden (NL) zusammen. In drei eng verzahnten Teilprojekten wird Sprachfluss in gesprochenen Sprachen (Deutsch, Französisch) und Gebärdensprachen (Deutschschweizerische (DSGS) und Französischschweizerische Gebärdensprache (LSF-CH)) untersucht: (1) Sprachfluss über Modalitäten und Kompetenzniveaus hinweg, (2) automatische linguistische und signalbasierte Analyse von Sprachfluss und (3) gemeinsame kognitive Verarbeitungsprozesse.

Projektleitung

Tobias Haug Titel Prof. Dr.

Funktion

Professor für Gebärdensprache und Kommunikation gehörloser Menschen

Fakten

  • Dauer
    02.2026
    01.2030
  • Projektnummer
    4_67

Kooperationen

  • Leiden University
  • Institut für Computerlinguistik, Universität Zürich

Ausgangslage

Sprachfluss ist für gesprochene Sprachen gut erforscht: Messbare Aspekte wie Sprechtempo, Anzahl und Dauer von Pausen, Wiederholungen und Selbstkorrekturen («utterance fluency») lassen sich mit zugrunde liegenden kognitiven Prozessen («cognitive fluency») und des wahrgenommenen Sprachflusses («perceived fluency») in Beziehung setzen. Für Gebärdensprachen steht diese Forschung erst am Anfang – unter anderem im SNF-Spark-Projekt der HfH zum Sprachfluss in der Deutschschweizerischen Gebärdensprache (DSGS). Ob Sprechen und Gebärden auf vergleichbaren Produktions- und Verarbeitungsmechanismen beruhen, ist bislang ungeklärt: Es fehlen cross-modale Studien, automatische Analyseverfahren für Sprachfluss in Gebärdensprachen sowie Erkenntnisse zu gemeinsamen kognitiven Prozessen. Hier setzt das Projekt mit fünf Forschungsfragen an – von cross-modalen Aspekten des Sprachflusses über die Vorhersagbarkeit von L2- aus L1-Sprachfluss und die Genauigkeit automatischer Analysen bis zu gemeinsamen kognitiven Verarbeitungsprozessen beim Wahrnehmen von Sprechen und Gebärden.

Vorgehen

Das Projekt ist in drei eng verzahnte Teilprojekte gegliedert. Teilprojekt 1 (Leitung: HfH) untersucht den Sprachfluss über Modalitäten und Kompetenzniveaus hinweg: Sprech- und Gebärdenaufgaben sowie bimodale Satzwiederholungstests werden für Deutsch, Französisch, DSGS und LSF-CH entwickelt und mit drei Gruppen durchgeführt – 20 hörende DSGS-Lernende (L1 Deutsch), 10 gehörlose DSGS-Gebärdende mit LSF-CH als Zweitsprache und 20 hörende Französisch-Lernende (L1 Deutsch). Die Daten werden nach einem Annotationsschema für Sprachfluss annotiert. Teilprojekt 2 (Leitung: Universität Zürich) entwickelt und evaluiert automatische linguistische und signalbasierte Analyseverfahren für Sprachfluss in Sprechen und Gebärden und vergleicht die beiden Ansätze. Teilprojekt 3 (Leitung: Universität Zürich) untersucht in kognitiven Experimenten gemeinsame Verarbeitungsprozesse von gesprochenen Sprachen und Gebärdensprachen.

Erwartete Ergebnisse

Das Projekt soll erstmals zeigen, welche Aspekte von Sprachfluss über die Modalitäten Sprechen und Gebärden hinweg gleich oder verschieden sind und inwieweit sich der Sprachfluss in einer Zweitsprache aus der Erstsprache vorhersagen lässt – mit Implikationen für Zweitspracherwerbsforschung, Sprachdidaktik und Assessment in beiden Modalitäten. Zudem werden automatische linguistische und signalbasierte Verfahren zur Analyse vom Sprachfluss in Gebärdensprachen entwickelt und validiert, die die Dokumentation und Verarbeitung von Gebärdensprachen insgesamt voranbringen. Die kognitiven Experimente liefern Evidenz zu gemeinsamen Verarbeitungsmechanismen von Sprechen und Gebärden. Die erhobenen Datensätze werden über das «Language Repository of Switzerland» (LaRS)/SWISSUbase zugänglich gemacht. Erkenntnisse zu Gebärdensprachen können darüber hinaus in aktuelle sprachpolitische Diskussionen in der Schweiz einfliessen.

Literatur

  • Bosker, H. R., Pinget, A.-F., Quené, H., Sanders, T., & De Jong, N. H. (2013). What makes speech sound fluent? The contributions of pauses, speed and repairs. Language Testing, 30(2), 159–175. https://doi.org/10.1177/0265532212455394
  • De Jong, N. H., Groenhout, R., Schoonen, R., & Hulstijn, J. H. (2015). Second language fluency: Speaking style or proficiency? Correcting measures of second language fluency for first language behavior. Applied Psycholinguistics, 36(2), 223–243. https://doi.org/10.1017/S0142716413000210
  • Haug, T., De Jong, N. H., Holzknecht, F., Tissi, K., Sidler-Miserez, S., Battisti, A., Perrollaz, R., Ebling, S., Reinhard, S., & Caminada, S. (2024). Development and validation of a fluency rating scale for Swiss German Sign Language. Frontiers in Education, 9, 1466936. https://doi.org/10.3389/feduc.2024.1466936
  • Sipronen, S., & Kanto, L. (2022). Utterance fluency in Finnish Sign Language L1 and L2 signing. Finnish Journal of Linguistics, 34, 149–177.