SWIss Preschoolers’ screen Exposure (SWIPE) – Longitudinal effects on Socio-emotional, Language, and Motor Development

Kategorie Projekt

Ausgangslage und Ziele

  • Nationale Längsschnittstudie mit drei Erhebungen (Frühling 2026, 2027 und 2028).
  • Stichprobe von 2000 Eltern-Kind-Paare.
  • Erfassung der digitalen Medienökologie: Nutzungsdauer, Inhalte, und Kontext.
  • Kombiniert elternberichtete Daten mit objektiven Messungen, wie passive Sensing Apps, Sensor-Uhren und Entwicklungstests.
     

Projektleitung

Fabio Sticca Titel Prof. Dr.

Funktion

Professor für Diagnostik und Förderung sozio-emotionaler und psychomotorischer Entwicklung

Nevena Dimitrova

Eva Unternährer

Fakten

  • Dauer
    01.2026
    10.2029
  • Projektnummer
    2_43

Projektteam

Kooperationen

  • Haute école de travail social et de la santé Lausanne
  • Universitäre Psychiatrische Kliniken (UPK) Basel
  • Universität Basel
  • McMaster University

Finanzielle Unterstützung

  • Schweizerischer Nationalfonds SNF

Ausgangslage

Bildschirme gehören heute zum Alltag von vielen Kleinkindern und werden vielfältig eingesetzt. Diese allgegenwärtige Medienpräsenz wirft eine wichtige Frage auf: Wie wirkt sich der frühe Kontakt mit digitalen Geräten auf die kindliche Entwicklung aus? Aus heilpädagogischer Sicht kann die Nutzung von Bildschirmen potenziell u.a. die Entwicklung der Motorik, der Sprache und des Verhaltens beeinflussen: Eingeschränkte körperliche Aktivität und reduzierte sensorische Erfahrungen können die Fein- und Grobmotorik hemmen. Wenn digitale Inhalte überwiegend passiv konsumiert werden, fehlt oft die interaktive, dialogische Umgebung, die für den Spracherwerb entscheidend sein kann. Zudem können übermässige Bildschirmzeiten die Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und soziale Interaktion beeinträchtigen, was zu Verhaltensauffälligkeiten führen kann. Die SWIPE Studie untersucht systematisch diese Zusammenhänge und trägt dazu bei, festzustellen, unter welchen Bedingungen die Nutzung von Bildschirmen einen Einfluss auf die Kindliche Entwicklung haben kann. Durch ein langfristiges Studiendesign, eine grosse Stichprobe und der Kombination verschiedener Methoden soll beleuchtet werden, inwieweit frühe Bildschirmexposition die motorische, sprachliche und verhaltensbezogene Entwicklung beeinflusst.

Methode

Das Projekt ist als Längsschnittstudie mit drei Messzeitpunkten konzipiert, bei der die Teilnehmenden jährlich (Frühling 2026, 2027 und 2028) einen Online-Fragebogen ausfüllen. Das Grundsample umfasst 2000 Eltern-Kind-Paare. Zusätzlich können bis zu 500 Personen am optionalen SWIPE Web Add-on teilnehmen, das eine passive Sensing-App sowie ein Tagebuch zur Zeitnutzung beinhaltet, um digitale Aktivitäten objektiv, direkt und in Echtzeit zu erfassen. Bis zu 350 Teilnehmende können zudem am SWIPE-Lab-Add-on mit Erhebungen vor Ort und zu Hause teilnehmen. Rekrutiert werden mehr als 2000 Eltern aus der bestehenden SWIPE-Datenbank sowie weitere Eltern die u.a. durch Flyer in Kinderarzt Praxen, Kitas und Familienzentren gewonnen werden sollen.

Erwartete Ergebnisse

Die SWIPE Studie zielt darauf ab, die Bildschirmnutzung von Kindern als potenziellen Risikofaktor für die sozio-emotionale, sprachliche und motorische Entwicklung zu beleuchten und dabei die zugrunde liegenden Veränderungsmechanismen zu entschlüsseln. Erstens wird ein umfassendes Bild der digitalen Medienökologie der Kinder erstellt, das über die reine Nutzungsdauer hinausgeht und Inhalte, Nutzungskontexte und deren Entwicklung im Laufe der Kindheit erfasst. Zweitens werden langfristige Zusammenhänge zwischen dieser Medienökologie (d.h. Zeit, Inhalt und Kontext) und den Entwicklungsoutcomes analysiert. Drittens sollen mittels Moderationsmodellen die Bedingungen identifiziert werden, unter denen erhöhte Bildschirmzeit tatsächlich als Risikofaktor wirkt, etwa bei fehlender elterlicher Begleitung, rein passiver Nutzung oder spezifischen Inhaltsarten.

Diskussion

Im Kern geht die Studie der Frage nach, ob Bildschirmzeit bei Kindern tatsächlich die Ursache von Entwicklungsauffälligkeiten ist oder lediglich ein Begleitphänomen anderer Risikofaktoren. Durch die differenzierte Vorgehensweise schaffen wir die Basis für einen fundierten Diskurs, der die Vielschichtigkeit des Themas anerkennt und komplexe, dennoch nachvollziehbare Antworten ermöglicht. Die Ergebnisse sollen Eltern, Fachkräften und Entscheidungsträgern ermöglichen, gezielte, evidenzbasierte Empfehlungen für den gesunden Umgang mit digitalen Medien im Kindesalter abzuleiten.

Literatur

  • Barr, R., Kirkorian, H., Coyne, S., & Radesky, J. (2024). Early Childhood and Digital Media (1. Aufl.). Cambridge University Press. https://doi.org/10.1017/9781108885751
  • Schmid, J., Unternaehrer, E., Benecchi, E., Bernath, J., Bolten, M., Bossi, C. B., Iskrzycki, K., Mazzoni, P., Steiner, O., Sticca, F., & Dimitrova, N. (2025). Digital media use in 0-5 year-old children in Switzerland. Swiss Psychology Open: The Official Journal of the Swiss Psychological Society, 5(1), 1–16. https://doi.org/10.5334/spo.89
  • Sticca, F., Brauchli, V., & Lannen, P. (2025). Screen on = development off? A systematic scoping review and a developmental psychology perspective on the effects of screen time on early childhood development. Frontiers in Developmental Psychology, 2:1439040. https://doi.org/10.3389/fdpys.2024.1439040