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Die Lebenssituation taubblinder resp. hörsehbehinderter Menschen

Ausgangslage und Ziele

Die Untersuchung stellt sich einem Problem, welches in der Heilpädagogik bisher kaum erforscht wurde, nämlich der Lebenssituation von Menschen mit einer angeborenen oder erworbenen Hörsehschädigung resp. einer Taubblindheit. Angebote, wie sie für hör- resp. sehbehinderte Menschen bestehen, reichen nicht aus, da es sich bei einer Hörsehschädigung resp. Taubblindheit um eine ganz eigene Behinderungsform mit spezifischen Problemen handelt. Der Unterstützungsbedarf gestaltet sich – abhängig vom Alter der Betroffenen, dem Zeitpunkt des Auftretens und der Form der Behinderung – sehr unterschiedlich.

Fragestellung

Ziel der abgeschlossenen Studie ist eine umfassende Beschreibung resp. Rekonstruktion der Lebenslage von hörsehbehinderten Menschen in unterschiedlichen Lebensabschnitten und mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Ressourcen. Damit liefert die Studie empirisch gestützte Hinweise für die gezielte Weiterentwicklung des bestehenden Unterstützungs- und Beratungsangebotes.

Folgende Fragen werden mit Hilfe der Studie beantwortet:

  • Wie stellt sich die Lebenslage von hörsehbehinderten resp. taubblinden Menschen in der Schweiz dar unter Berücksichtigung der relevanten Lebenslagedimensionen?
  • Welche Probleme im Alltag sind für hörsehbehinderte resp. taubblinde Menschen vordringlich und welche Ressourcen können aktiviert werden?

Methodisches Vorgehen

Der Stand der internationalen Forschung wurde im Rahmen einer Vorstudie analysiert und zusammengefasst. In einer Voruntersuchung wurden zur Bestimmung der subjektiv relevanten Dimensionen der Lebenslage von hörsehbehinderten resp. taubblinden Menschen mit 10 betroffenen Personen qualitative Interviews geführt. Zusätzlich wurden vier Experteninterviews geführt.

In der Hauptuntersuchung wurden eine Fragebogenbefragung und Leitfadeninterviews eingesetzt. Für jeden Klienten und jede Klientin der SZB-Beratungsstellen für hörsehbehinderte und taubblinde Menschen wurde von der zuständigen Sozialarbeiterin oder dem Sozialarbeiter ein Kurzfragebogen zu den soziodemographischen Daten ausgefüllt. Es konnten 338 der zurückgesandten Fragebögen für die Auswertung verwendet werden.Mit einem Leitfadeninterview wurden 35 hörsehbehinderte resp. taubblinde Personen aus allen Sprachregionen der Schweiz befragt. Grundlage für den Interviewleitfaden bildeten die in der Voruntersuchung erarbeiteten Themen.

Die Forschungspläne und die Forschungsfragen wurden im Sinne einer partizipativen Forschungsstrategie mit einer Gruppe hörsehbehinderter Personen diskutiert. Ausgewählte Resultate und Interpretationen wurden einer Gruppe von betroffenen Personen sowie zwei Gruppen interviewter Personen zur Diskussion vorgelegt.

Ergebnisse

Die Forschungsresultate akzentuieren die zu Beginn der Studie gemachten Annahmen. Sie zeigen, dass hörsehbehinderte Personen in vielen Lebensbereichen nicht im selben Masse partizipieren können wie Menschen mit anderen Beeinträchtigungen oder Menschen ohne Beeinträchtigungen. Dies zeigt sich deutlich in den Bereichen soziale Kontakte, Kommunikation, Mobilität, Informationszugang, Arbeit und materielle Situation. Die Einsamkeit der hörsehbehinderten Personen ist ein sehr grosses Risiko. Für Personen im mittleren Lebensalter werden der Verlust der Arbeit und damit der Ausschluss aus der Arbeitswelt zu einem zentralen und sehr belastenden Thema. Um im Kontakt zu bleiben sind hörsehbehinderte Personen oft auf persönliche Begleitung und auf Dolmetscherinnen angewiesen, da Hilfsmittel für hör- oder für sehbehinderte Personen bei zunehmender Hörsehbehinderung nicht mehr ausreichen. Die Daten zeigen, dass sich die Lebenssituation von hörsehbehinderten Personen mit einer geistigen Behinderung von den anderen Klientinnen und Klienten stark unterscheidet, und dass bei den Personen mit einer geistigen Behinderung ein weiterer Forschungsbedarf besteht.

Publikationen

  • Adler, J. & Wohgensinger, C. (2014). Marsmännchen sind auf der Erde einsam. Strategien von Menschen mit einer Hörsehbehinderung zur Alltagsbewältigung. Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete, 83(1), 6-19.
  • Spring, St., Adler, J. & Wohlgensinger, C. (2012). Den Tatsachen ins Auge gesehen: eine Publikation zur Studie "Zur Lebenslage hörsehbehinderter und taubblinder Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen in der Schweiz". St. Gallen: Schweizerischer Zentralverein für das Blindenwesen. Die Externer Link: Publikation finden Sie auf der Homepage des Schweizerischen Zentralvereins für das Blindenwesen (SZB).

Fakten

Laufzeit
08/2008-07/2010
Nr.
3_7
338 ausgefüllte Fragebogen,
45 durchgeführte Interviews

Projektleitung

lic. phil.  Adler

Dozentin

Kontakt

Zentrum Forschung und Entwicklung
Tel: +41 44 317 11 46

zfe[at]hfh.ch zfe