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Directionality Effect - Das ungeklärte Phänomen

Ausgangslage und Ziele

„Directionality Effect" beim Gebärdensprachdolmetschen Welche Dolmetschrichtung präferieren Gebärdensprachdolmetscher in der Schweiz?

Viele Gebärdensprachdolmetscher berichten, dass das Dolmetschen von der Gebärdensprache in die gesprochene Sprache (fachsprachlich: voicen) schwieriger ist als die umgekehrte Richtung. In der bisherigen Forschungsliteratur zeigen sich unterschiedliche Erklärungsansätze, aber keiner beschreibt das Phänomen präzise. Das Ziel des HfH-Projektes „'Directionality Effect' beim Gebärdensprachdolmetschen" war es, das Phänomen des Voicens aus Sicht von Gebärdensprachdolmetschern näher zu beschreiben und mögliche Erklärungsansätze für die besonderen Schwierigkeiten herauszufinden.

Fragestellung

In der Fachliteratur über Gebärdensprachdolmetschen (Nicodemus 2011; van Dijk et al. 2011) sind keine klaren Aussagen über mögliche Schwierigkeiten beim Voicen zu finden.

Folgende Fragen wollten die Forscher daher untersuchen:

  • Wird das Voicen von Gebärdensprachdolmetschern als schwieriger wahrgenommen?
  • Falls ja, welche Erklärungsansätze geben die Dolmetscher an?

Methodisches Vorgehen

In einem ersten Schritt wurden anhand eines strukturierten Leitfadens Telefoninterviews mit Gebärdensprachdolmetschern aus der Deutschschweiz (N=38) und Deutschland (N=7) durchgeführt. In einem zweiten Schritt wurde mit vier Gebärdensprachdolmetscherinnen, die gleichzeitig auch als Ausbildnerinnen in Studiengängen für Gebärdensprachdolmetschen im deutschsprachigen Raum tätig sind, vertiefende Interviews geführt, um herauszufinden, aus welchen Gründen das Voicen aus ihrer Sicht schwieriger ist.

Ergebnisse

Die Ergebnisse der ersten Erhebung zeigen, dass das Dolmetschen von der gesprochenen Sprache in die Gebärdensprache die präferierte Dolmetschrichtung ist, der „Directionality Effect" existiert aufgrund der Schwierigkeiten beim Voicen tatsächlich. Aus den Ergebnissen der zweiten, qualitativen Erhebung mit vertiefenden Interviews lassen sich für beide Forschungsfragen neue Hypothesen ableiten.

  • Hypothese 1: Beim Voicen setzen Schwierigkeiten zu einem früheren Zeitpunkt des Dolmetschprozesses an (Rezeption) als wenn von Laut- in Gebärdensprache gedolmetscht wird. Deshalb wird diese Richtung als schwieriger gewertet. Zentral sind aber die Ergebnisse aus der Forschungsfrage (2) zu den Erklärungsansätzen. Zwei Hypothesen könnten diese Frage beantworten:
  • Hypothese 2a: Die Erklärung kann nicht durch einen einzigen beeinflussenden Faktor gegeben werden, vielmehr ist die Schwierigkeit in einer Dolmetschsituation in der Kumulation dreier Faktorenbündel zu sehen: a) situationsbezogene, b) sprachbezogene und c) psychische/personenbezogene Faktoren. Diese situative Sichtweise (auf die Dolmetschsituation) kann ergänzt werden durch übersituative (langzeitperspektivische) Aspekte.
  • Hypothese 2b: Die Faktoren lange Berufserfahrung, hohe Gebärdensprachrezeptions-kompetenz sowie schnelles Selfmonitoring und grosses Wissen um Strategien während der Dolmetschsituation verringern die Schwierigkeiten beim Voicen.

Konsequenzen für die Praxis

Die unterschiedlichen Faktoren, die die Schwierigkeiten beim Voicen erklären, dienen nicht nur dazu das Voicen besser zu verstehen, sondern können auch in einem zweiten und dritten Schritt Grundlage für Angebote in Aus- und Weiterbildung sein.

Publikationen

  • Audeoud, M. & Haug, T. (2013). „Directionality Effect" beim Gebärdensprachdolmetschen – Welche Dolmetschrichtung präferieren Gebärdensprachdolmetscher in der Schweiz? Teil 1. Das Zeichen, 93, S. 124-136. PDF
  • Haug, T. & Audeoud, M. (2013). „Directionality Effect" beim Gebärdensprachdolmetschen – Welche Dolmetschrichtung präferieren Gebärdensprachdolmetscher in der Schweiz? Teil 2. Das Zeichen, 94, S. 306-316. PDF

Fakten

Laufzeit
03/2012-12/2012
Nr.
4_17

Projektleitung

Prof. Dr.  Haug

Leiter Bachelorstudiengang Gebärdensprachdolmetschen

Kontakt

Zentrum Forschung und Entwicklung
Tel: +41 44 317 11 46

zfe[at]hfh.ch zfe