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Effekte familienergänz. Betreuung im Vorkindergartenalter auf die Schulleistungen

Ausgangslage und Ziele

Im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms 39 im Bereich Migration untersuchte eine Forschungsgruppe (Lanfranchi, Gruber & Gay, 2003), wo und wie die vier- und sechsjährigen Kinder in drei Schweizer Städten betreut werden. Eine erste Erhebung bei einer Stichprobe von 876 schweizerischen, albanischen, türkischen, portugiesischen und italienischen Kindern fand 1998 in Winterthur, Neuchâtel und Locarno statt. Ein Jahr später - die jüngeren Kinder waren nun im Kindergarten und die älteren in der ersten Klasse - wurden die Lehrpersonen zum Leistungsstand der jeweiligen Kinder befragt. Diese Resultate wurden mit der früheren Betreuungsform (zu Hause mit der Mutter, Krippe, Spielgruppe, Tagesmutter, Verwandte oder Nachbarn) in Verbindung gebracht. Als Hauptergebnis steht fest, dass familienergänzend betreute Kinder von ihren Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen der ersten Primarschulklasse in den sprachlichen, kognitiven und sozialen Fähigkeiten signifikant besser beurteilt werden als Kinder, die ausschliesslich im Kreise der eigenen Familie aufgewachsen sind. Insbesondere Kinder aus Migrationsfamilien bewältigten dank dem Übergangsraum einer familienergänzenden Einrichtung die Einschulung deutlich besser als Kinder, die sich ohne diesen vermittelnden Bezug in einer für sie zunächst fremden Lebenswelt behaupten müssen.

Ob die quantitativ und qualitativ gewonnenen Ergebnisse wissenschaftlich gültige Schlussfolgerungen zu nachhaltigen Effekten hinsichtlich des Erfolgs der untersuchten Kinder im weiteren Schulverlauf zulassen, konnte nicht endgültig beantwortet werden: Der Zeitraum der longitudinalen Studie (1998 bis 1999) war zu kurz, um auch längerfristig valide Aussagen über die Variable Schulerfolg machen zu können. Mit dem aktuellen Forschungsprojekt sollen die Kinder aus dem damaligen Sample ein drittes Mal erfasst werden, um die Frage nach möglichen Langzeiteffekten zu überprüfen.

Fragestellung

Hat familienergänzende Betreuung im Vorschulalter (in Krippen, Tagesfamilien, etc.) nachhaltige Effekte auf den Schulerfolg, d. h. können die in der Schuleintrittsphase festgestellten positiven Effekte auch nach einer Zeitspanne von 7 Jahren noch nachgewiesen werden?

Methodisches Vorgehen

Zur Verfügung steht ein Sample mit Daten von N = 642 Kindern, ihren Familien sowie Lehrpersonen aus dem Jahr 1999/2000. Für die neue Erfassung des Leistungsstandes (gemessen an der zuletzt erreichten Schulstufe bzw. an der Leistungsniveau-Einteilung und an den Zeugnisnoten) beschränkt sich diese Studie auf die Population von Winterthur und Locarno (N = 535). Sie wurde Jahr 2006 nochmals erfasst (telefonische Interviews auf der Basis eines Fragebogens sowie Hausbesuche bei Familien mit Migrationshintergrund). Erreicht werden konnten über 80% der Familien, die sieben Jahre zuvor schon teilgenommen hatten (N = 429).

Ergebnisse

Die Frage nach nachhaltigen Effekte auf den Schulerfolg kann zusammengefasst wie folgt beantwortet werden: Familienergänzende Kinderbetreuung beeinflusst lediglich zehn Prozent des Schulerfolgs. Wichtigster Faktor ist und bleibt die Familie vor und während der Schulzeit, und ganz besonders die Erwartung der Eltern bezüglich Bildungsabschluss ihrer Kinder. Somit konnten die in der Schuleintrittsphase festgestellten positiven Effekte beim Oberstufenübertritt nicht mehr nachgewiesen werden, weil sie mittlerweile von gewichtigeren Faktoren überlagert wurden, allen voran die Bildungsaspiration der Eltern.

Die Triangulation mit qualitativen Fallanalysen ergibt, dass für den Schulerfolg die Gestaltung des Übergangs von der Primar- in die Sekundarstufe I eine weit wichtigere Rolleals die im Vor- und Schulalter erlebte Betreuung spielt. Eltern mit Migrationshintergrund, dies ich kommunikativ-argumentativ in der delikaten Phase des Übertritts und der Mitbestimmung der nächsten Schulstufe nur beschränkt einbringen können, stehen oft vordem unerwünschten Einteilungsentscheid in die Oberstufe mit grundlegenden Anforderungen.

Projektbearbeitung:

Lic. phil. Patrizia Hauser, Sarah Rusconi, Merita Tafilica, Mesut Gönç, Hava Shala Gerguri

Publikationen

  • Lanfranchi, A. (2010). Familienergänzende Betreuung. In M. Stamm & D. Edelmann (Hrsg.), Frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung: Was kann die Schweiz lernen? (S. 97-121). Bern: Haupt. PDF

Fakten

Laufzeit
08/2006-07/2008
Nr.
5_10

Projektleitung

Prof. Dr.  Lanfranchi

Leiter Institut für Professionalisierung und Systementwicklung

Finanzielle Unterstützung

Kontakt

Zentrum Forschung und Entwicklung
Tel: +41 44 317 11 46

zfe[at]hfh.ch zfe