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Empirische Absicherung des Redeflusskompass

Ausgangslage und Ziele


  • Ochsenkühn & Thiel (2005, S. 12): «Die Gefahr, dass beginnendes Stottern irrtümlich als altersgemäße Sprechunflüssigkeit eingeschätzt wird, ist durchaus gegeben (...).»    
  • Sandriesser & Schneider (2008, S. 18): «Derzeit werden stotternde Kinder in der Regel leider erst dann behandelt, wenn sich das Stottern schon über Jahre hinweg chronifiziert hat.»
  • Yairi (2013): Prävalenz <1% bei einer Inzidenz von ca. 8%.
  • BVSS (2009, S. 279): «Erkennen von Stottern darf kein Zufall sein.»

Bisher gibt es im Bereich Früherfassung der Re­deflussstörung Stottern keine empirisch abgesicherten Daten, welche kriteriengeleitet den Beratungs­ bzw. Therapiebedarf erfassen würden. Der Redeflusskompass 2.0 ist ein Screeninginstrument, welches eine Entscheidungshilfe bei der Identifikation des beginnenden Stotterns sein will.

Fragestellung

Das Forschungsprojekt hatte sich zum Ziel gesetzt, die Gütekriterien des Redeflusskompasses zu erfassen und mögliche Probleme seiner Anwendung transparent zu machen. Er wurde dafür evaluiert.

Methodisches Vorgehen

Es wurden verschiedene methodische Zugänge gewählt, um durch Triangulation von quantitativ und qualitativ erhobenen Daten die praxisrelevante Güte des In­struments bestimmen zu können und eine vom Instrument unabhängige Diskussion über Entscheidungsprozesse bei der Identifikation von beginnendem Stottern zu erreichen. In einem Re-Test-Verfahren wurde die Inter-Rater-Reliabilität des Instrumentes bei N = 79 Fällen bestimmt. Durch die Erfassung der tatsächlich durchgeführten Diagnostik- und Beratungstätigkeit bei N = 60 Fällen gelang die Bestimmung von Sensitivität, Spezifität und Kriteriumsvalidität. Außerdem wurden Videos mit sprechunflüssigen Kindern den potentiellen Anwendern vorgespielt, um die Gütekriterien weiter differenzieren zu können. Stolpersteine bei der Anwendung des Instrumentes wurden durch Interviews mit den Anwendern erfasst und inhaltsanalytisch ausgewertet.

Ergebnisse

Während die Kriteriumsvalidität (0.42, Cramers V) befriedigend und die Sensitivität (96%) sehr gut ist, können die Inter-Rater-Reliabilität (0.36, Cohens Kappa) und die Spezifität (46%) nicht überzeugen. Die Anwender erklären die Schwierigkeiten der Anwendung je nach Erfahrungshintergrund verschieden: Für Laien scheinen die Kriterien zu schwierig zu sein, Fachleute für Stottern fordern dagegen eine Differenzierung der angeführten Entscheidungskriterien. Ein Instrumentarium zur Identifikation von beginnendem Stottern sollte dementsprechend auf die Kompetenzen der Anwender abgestimmt sein.

Aus diesem Grund wurde der Redeflusskompass völlig neu konzipiert und liegt nun in einer Version 3.0 vor. Er ist ein Instrument, welches für Laien (Bezugspersonen, Erzieherinnen etc.) eine Hilfe zur Früherkennung von Stottern ist. Mit dem «Stotterkompass» entstand komplementär ein zweites Instrument, das auf Fachleute zugeschnitten ist. Es dient ebenfalls zur Früherfassung und kann als Hilfe zur Erstberatung in Diagnostik und Therapie eingesetzt werden.

Publikationen

  • Kohler, J. (2015). Harte Worte treffen auf harte Fakten oder: Empirische Daten zum Therapiewahn. DLV-aktuell, 2, 16-17.
  • Kohler J. (2015). Die Früherfassung des beginnenden Stotterns. Frühförderung interdisziplinär, 34 (1), 32–45.
  • Kohler, J. & Braun, W. (2015). Instrumente zur Früherkennung und Früherfassung des beginnenden Stotterns. Forum Logopädie 2 (29), 6-12.
  • Kohler, J. (2015). Empirische Überprüfung des Redeflusskompasses. Idstein: Schulz-Kirchner Verlag. Leseprobe und Inhaltsverzeichnis
  • Kohler J. (2014). Normale Sprechunflüssigkeiten oder beginnendes Stottern? Empirische Überprüfung des Redeflusskompasses. Tagungsband 41. Kongress Stottern & Selbsthilfe. Heidelberg: Stottern & Selbsthilfe Baden-Württemberg e.V., 53–58.
  • Kohler, J. (2011). Der Redeflusskompass in der pädiatrischen Praxis. „Kinder- und Jugendarzt“. Zeitschrift des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, 42 (7), 394-397.
  • Kohler, J. (2010). Empirische Absicherung des Redeflusskompass. dlv-aktuell, (4).

Fakten

Laufzeit
08/2009-12/2015
Nr.
4_11.1

Projektleitung

Prof. Dr.  Kohler

Dozent

Kontakt

Zentrum Forschung und Entwicklung
Tel: +41 44 317 11 46

zfe[at]hfh.ch zfe