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Evaluation Pilotprojekt „Praktische Ausbildung (PrA)"

Ausgangslage und Ziele

Der schweizerische Verband von Institutionen für Menschen mit Behinderung INSOS bietet in 180 sozialen Bildungsinstitutionen rund 3'000 Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit einem besonderen Förderbedarf auf deren Bedürfnisse angepasste Ausbildungsplätze auf verschiedenen Niveaustufen. Die Praktische Ausbildung (PrA) stellt dabei ein Ausbildungsgefäss für Jugendliche und junge Erwachsene mit einer Lern- und/oder Leistungsbeeinträchtigung dar, die den Anforderungen einer eidgenössisch anerkannten zweijährigen beruflichen Grundbildung mit EBA nicht genügen. Die PrA ist als Weiterentwicklung der bisherigen IV-Anlehre zu verstehen. Einheitliche Richtlinien und eine dem Berufsbildungsgesetz angeglichene Begriffsverwendung sollen eine Standardisierung der Ausbildung garantieren und somit die Durchlässigkeit zur zweijährigen Grundbildung mit EBA sowie eine verbesserte Arbeitsmarktintegration ermöglichen können. Seit Sommer 2007 wird die PrA im Rahmen eines Pilotprojektes in 46 INSOS-Institutionen in 14 Berufsfeldern angeboten. Die Evaluation hat das Ziel, dieses Pilotprojekt umfassend zu betrachten.

Fragestellung

Die Fragestellungen gliedern sich inhaltlich in zwei Bereiche:

  • Das Konzept der PrA (Zielsetzungen, Grundidee, Realisierbarkeit, Umsetzung, Qualität der Ausbildung) Die Projektsteuerung (Prozessgestaltung, Kommunikation, Information, Zusammenarbeit).

Methodisches Vorgehen

In der Evaluation werden qualitative und quantitative Methoden kombiniert eingesetzt. Befragt werden Ausbildungsverantwortliche, Berufsbildende, Leitende der Institutionen sowie externe Fachpersonen. Die Fragestellungen der Evaluation werden innerhalb von drei Teilen bearbeitet:

  • Vorstudie Analyse von Institutionen, die aufgrund ihrer logischen Repräsentativität ausgewählt worden sind. Interviews mit Ausbildungsverantwortlichen, Berufsbildenden, Leitenden der Institutionen.
  • Fragebogenerhebung Die Fragebogenerhebung ist eine Gesamterhebung bei allen Berufsbildenden in der INSOSInstitutionen, die die PrA anbieten
  • Teilstandardisierte Erhebungen Zwischenergebnisse aus der Vorstudie und aus der Fragebogenerhebung werden innerhalb von Ratingkonferenzen, in Fokusgruppen und Expertengesprächen zur Diskussion gestellt.

Ergebnisse

Die Schaffung des neuen Ausbildungsgefässes mit dem Ziel der Institutionalisierung eines niederschwelligen Bildungsangebotes wird von den Befragten klar begrüsst. Die Implementierung der PrA sichert einen schweizweit einheitlichen Weg sowie eine Qualitätssicherung der Ausbildung. Die PrA wird von den Berufsbildenden in den Institutionen als geeignetes Ausbildungsgefäss mit guter Passung sowohl für stärkereals auch für schwächere Lernende beurteilt. Die Ergebnisse aus den Expertengesprächen verweisen darauf, dass nicht das Konzept einer Ausbildung, sondern die im Einzelfall möglichen Kompetenzen und Integrationsbemühungen der einzelnen Institutionen ausschlaggebend für eine berufliche Integration sind.

Sowohl die Befragten in den Institutionen wie auch die Expertinnen und Experten verorten noch Klärungs- und Informationsbedarf. Bezüglich Orientierung der PrA an der zweijährigen beruflichen Grundbildung herrscht inden Institutionen eine zurückhaltende Zustimmung vor, die Expertinnen und Experten erachten die zweijährige Grundbildung als zwingende Referenz für die PrA.

Eine Schwachstelle kann bei Information und Kommunikation im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit aber auch inder Kommunikation und Zusammenarbeit mit den Akteuren der Berufsbildung ausgemacht werden: dies wurde bisher zu wenig gepflegt und muss intensiviert werden. Die Suche nach breit akzeptierten und von allen Beteiligten getragenen Lösungen wird zukünftig eine der zentralen Herausforderungen bei der Weiterentwicklung der PrA sein.

Zur Frage der zukünftigen Positionierung der PrA innerhalb der bestehenden Bildungssystematik zeigen sich zwei unterschiedliche Argumentationslogiken. Eine Verankerung bedeutet eine formalisierte Durchlässigkeit, verstärkt die Bedeutung der beruflichen Grundbildung für alle Jugendlichen und gilt als wichtiger Schritt für die Anerkennung in der Öffentlichkeit. Eine solche wiederum ermöglicht das Erschliessen von Integrationswegen für die jungen Erwachsenen. Die entgegengesetzte Argumentationslogik setzt beim Standpunkt an, dass eine Verankerung im Berufsbildungssystem nur dann sinnvoll sein kann, wenn es sich um ein standardisiertes Ausbildungsgefäss handelt. Diese Standardisierung aber kann bei den unterschiedlichen Voraussetzungen beiden Lernenden aus der Zielgruppe der PrA kaum gewährleistet werden. Während insbesondere in den Institutionen der Wunsch nach einer Verankerung im schweizerischen Berufsbildungssystem vorhanden ist, wird durch die befragten Expertinnen und Experten auf die unterschiedlichen Aufgaben der beiden Zuständigkeitsbereiche des Bundesamtes für Sozialversicherungen (BSV) und des Bundesamtes fürBerufsbildung und Technologie (BBT) hingewiesen.

Fazit

Die praktische Ausbildung INSOS ist im Bereich verschiedener Schnittstellen angesiedelt: auf der Makroebenean der Schnittstelle zwischen den Zuständigkeitsbereichen des Bundesamtes für Sozialversicherungen und des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie; auf der Mesoebene an der Schnittstelle zwischen den verschiedenen Akteurinnen und Akteuren im nachobligatorischen Ausbildungssektor und beim Eintritt in den Arbeitsmarkt.

Verschiedene Spannungsfelder resultieren aus dieser Positionierung, die es im Rahmen der Weiterentwicklung der PrA zu berücksichtigen gilt. Um eine Klärung der Schnittstellen zu ermöglichen, brauchtes die Bereitschaft zu vermehrtem Dialog und verstärkter Zusammenarbeit aller Beteiligten.

Unbestritten erscheint, dass der Praktischen Ausbildung (PrA) INSOS als niederschwelliges,nachobligatorisches Ausbildungsgefäss ein wichtiger Stellenwert zukommt. Die PrA könnte alsLösungsmöglichkeit dienen, um die Lücke an der Schnittstelle zwischen der bisherigen IV-Anlehre und derzweijährigen beruflichen Grundbildung zu schliessen. Die PrA kann für eine heterogene Gruppe von jungen Menschen – von Lernenden, für die ein Übertritt in eine zweijährige Grundbildung mit eidgenössischem Berufsattest (EBA) durchaus denkbar ist, bis hin zu Lernenden, die voraussichtlich nur eine geringe wirtschaftliche Arbeitsleistung erbringen werden können, ein geeignetes Ausbildungsgefäss darstellen.

Publikationen

  • Sempert, W. & Kammermann, M. (2010). Bericht im Rahmen des mehrjährigen Forschungsprogramms zu Invalidität und Behinderung (FoP-IV) Evaluation Pilotprojekt Praktische Ausbildung (PrA) INSOS. Forschungsbericht Nr. 7/10. Bern: Bundesamt für Sozialversicherungen. PDF
  • Sempert, W. & Kammermann, M. (2011). Über die Problematik der Berufsbildung im niederschwelligen Bereich- Zentrale Ergebnisse und weiterführende Gedanken aus der Evaluation der Praktischen Ausbildung (PrA) INSOS. Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik 17 (3), 16-21. PDF

Fakten

Laufzeit
08/2009-07/2010
Nr.
5_18

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