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Evaluation von Instrumenten zur Diagnose sprachlicher Kompetenzen

Ausgangslage und Ziele

Wissenschaftliche Begleitung der Erprobung von Instrumenten zur Diagnose sprachlicher Kompetenzen auf der Kindergarten-, Primar- und Sekundarstufe I

Die Bildungsdirektion des Kantons Zürich (Volksschulamt und Bildungsplanung) liess mehrere Instrumente zur Diagnose von sprachlichen Kompetenzen auf der Kindergarten-, Primar- und Sekundarstufe I entwickeln («Sprachgewandt I, II und III»). Vor deren Einführung sollten diese Instrumente auf deren Praxistauglichkeit überprüft werden. Zudem wurde das bereits bestehende Instrument KiDiT («Kinder Diagnose Tool») in diese Praxiserprobung mit einbezogen. Für die freiwillige Teilnahme an der Erprobung haben sich rund 150 Lehrpersonen aus den Städten Zürich und Winterthur sowie aus einzelnen Landgemeinden des Kantons Zürich gemeldet. Erprobt werden die folgenden Instrumente:

  • Sprachgewandt I (Kindergarten und 1. Klasse)
  • KiDiT (Kindergarten) • Sprachgewandt II: 2. bis 6. Klasse
  • Sprachgewandt III: 7. bis 9. Klasse

Während KiDiT ein freiwillig einzusetzendes Hilfsmittel für die Beobachtung und Kompetenzeinschätzung von Kindergartenkindern darstellt, nimmt Sprachgewandt eine verpflichtende Rolle bezüglich der Anspruchsberechtigung und der Verteilung der unterstützenden Ressourcen im Bereich «Deutsch als Zweitsprache» (DaZ) ein.

Fragestellung

Bezüglich Sprachgewandt wurden die folgenden Fragestellungen untersucht:

  • Sind die Erläuterungen im Handbuch-Ordner dazu geeignet, das Instrument kompetent und sicher einzusetzen?
  • Wie wird die Praktikabilität (Aufwand, Handhabung u.a.m.) des Instruments eingeschätzt?
  • Liefert das Instrument nützliche und verständliche Aussagen zum sprachlichen Entwicklungsstand eines Kindes?
  • Zeigt es den sprachlichen Entwicklungsstand eines Kindes im Überblick?
  • Werden anhand der Ergebnisse des Instruments spezifische Hinweise auf den sprachlichen Förderbedarf des Kindes aufgezeigt?
  • Liefern die Ergebnisse des Instruments präzise Aussagen darüber, ob ein Kind mit Deutsch als Zweitsprache spezifische Fördermassnahmen nötig hat? Bezüglich KiDiT wurden die folgenden Fragestellungen untersucht:
  • Mit welcher Zielsetzung und in welchem Rahmen wird KiDiT angewendet?
  • Wie wird die Praktikabilität (Aufwand, Handhabung u.a.m.) des Instruments eingeschätzt?
  • Dienen die Erkenntnisse aus KiDiT der kooperativen Förderplanung mit Fachpersonen wie Schulischen Heilpädagog/innen oder Fachpersonal im Bereich der pädagogisch-therapeutischen Massnahmen sowie DaZ?

Methodisches Vorgehen

Zunächst wurden zwei webbasierte Befragungen durchgeführt:

  • Webbasierte Umfrage zu Sprachgewandt I und KiDiT, Zielgruppe: Kindergarten und 1. Klasse (N=61 von 111 Angeschriebenen, Rücklaufquote 55%)
  • Webbasierte Umfrage zu Sprachgewandt II und III, Zielgruppe: 2.-6. resp. 7.-9. Klasse (N=30 von 53 Angeschriebenen, Rücklaufquote 66%)

Nach der Auswertung wurden Erkenntnisse, Hypothesen und Unklarheiten in vier verifizierenden Hearings diskutiert (Gruppengrössen von jeweils 3 bis 7 Personen). Die Auftraggeberin erhielt regelmässig Zwischenberichte, um die breite Einführung der Instrumente sorgfältig planen zu können.

Ergebnisse

Ergebnisse zu KiDiT:

  • Das Tool ist einfach zu handhaben und läuft zuverlässig.
  • Das Instrument unterstützt vor allem die kindbezogene interdisziplinäre Zusammenarbeit – stärker als die Zusammenarbeit mit den Eltern.
  • Es liefert Hinweise, in welchen Bereichen das Kind Entwicklungsbedarf hat.
  • Es nimmt kaum eine Screening-Funktion wahr bezüglich der Frage, welche Kinder zusätzlich mit Sprachgewandt I getestet werden sollen.

Ergebnisse zu Sprachgewandt I (Kindergarten und 1. Klasse):

  • Nach einer kurzen Einübungszeit können die Testmaterialien (Audio-Beispiele auf CD, Bildkarten) gut gehandhabt werden.
  • Die Durchführung ist relativ zeitaufwändig (1:1-Situation; der Zeitaufwand pro Kind beträgt inkl. Auswertung rund eine Stunde).
  • Es resultiert ein guter Erkenntnisgewinn bezüglich des individuellen Standes im Bereich Sprachverstehen, nicht aber im Bereich Sprechen, der durch das Verfahren nicht abgedeckt wird.
  • Das Verfahren liefert konkrete Hinweise und Ideen für die weitere Förderung.

Ergebnisse zu Sprachgewandt II und III (2.-6. resp. 7.-9. Klasse):

  • Die Handhabbarkeit der einzelnen Elemente des Verfahrens ist einfach und klar.
  • Die standardisierten Lesetests sind effizient anwendbar und auswertbar. Sie geben gute Informationen zum Leseverständnis.
  • Die Beurteilungsraster zu den Bereichen Lesen, Hören, Schreiben und Sprechen können nach einiger Übung gut und angemessen trennscharf ausgefüllt werden. Sie liefern ein differenziertes Bild des Standes der Schülerin / des Schülers in den einzelnen Bereichen.
  • Das Instrument gibt gute Hinweise, ob die Schülerin / der Schüler weiterhin DaZ benötigt oder nicht. Gesamthaft ergab sich somit ein positives Bild der Anwendungstauglichkeit der Instrumente.

Wir haben unter anderem die folgenden Empfehlungen abgegeben:

  • KiDiT und Sprachgewandt sollten entkoppelt werden. Sie decken unterschiedliche Zwecke ab.
  • Es sollen keine zu engen Vorgaben für den Einsatz von Sprachgewandt I bis III definiert werden, weil sonst die Gefahr besteht, dass das Instrument nur noch zur administrativen Legitimation («dieses Kind braucht noch DaZ») verwendet wird. Dadurch könnten die guten fachlichen Hinweise, die das Instrument zu liefern vermag, in den Hintergrund gedrängt und nicht mehr wahrgenommen werden. Vor allem die Anwendung von Sprachgewandt I ist relativ aufwändig (rund eine Stunde pro Kind). Es muss geklärt werden, wie diese Zeit organisiert und abgegolten werden soll.
  • Einzelne Abbildungen in Sprachgewandt erwiesen sich als missverständlich. Sie sollten vor der definitiven Veröffentlichung der Instrumente korrigiert werden.
  • Die Einführungsveranstaltungen zu Sprachgewandt sollten zunächst einen Überblick über das Instrument und seine Elemente geben, anschliessend jedoch vor allem praxis- und anwendungsorientiert gestaltet werden.

Publikationen

  • Landert Born, K., Lienhard-Tuggener, P.& Hardegger Rathgeb, E. (2012). Erprobung von Instrumenten zur Diagnose sprachlicher Kompetenzen auf der Kindergarten, Primar- und Sekundarstufe I. Schlussbericht der wissenschaftlichen Begleitung der Erprobung von Sprachgewandt I und KiDiT sowie von Sprachgewandt II & III zuhanden der Bildungsdirektion des Kantons Zürich. Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik, Zürich.
  • Hardegger, E., Landert, K. & Lienhard, P. (2012). Wissenschaftliche Begleitung der Erprobung von Sprachgewandt I bis III sowie KiDiT. Präsentation des Schlussberichts Zürich, 21. November 2012.

Fakten

Laufzeit
08/2011-07/2012
Nr.
4_16

Projektleitung

Prof. Dr.  Lienhard

Dozent

Projektteam

Kontakt

Zentrum Forschung und Entwicklung
Tel: +41 44 317 11 46

zfe[at]hfh.ch zfe