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Früherfassung entwicklungsgefährdeter Kinder von 3-6 Jahren - FegK 3-6

Ausgangslage und Ziele

Gemäss verschiedenen Studien finden zwischen 10-20% der Kinder bei ihrer Geburt psychische, soziale und ökonomische Bedingungen vor, die ihre Entwicklung erheblich beinträchtigen können. Bislang fehlt es an geeigneten Verfahren, um diesen Kinder möglichst früh entsprechende heilpädagogische Massnahmen zukommen zu lassen. Ziel des vorliegenden Projektes war es daher, ein geeignetes, ICF-kompatibles, diagnostisches Verfahren zu entwickeln, mit denen entwicklungsgefährdete Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren frühzeitig erfasst werden können. Denn wenn Kinder durch Risikofaktoren bzw. fehlende Schutzfaktoren vorbelastet sind und sich die entwicklungsdiagnostischen Resultate als auffällig erweisen, gelten sie als «entwicklungsgefährdet». Daneben gibt es aber auch mit Risikofaktoren belastete Kinder ohne Entwicklungsauffälligkeiten, sie werden als «Risikokinder mit einer potentiellen Entwicklungsgefährdung» bezeichnet und erfasst. Mit Hilfe des nun vorliegenden neuen diagnostischen Verfahrens können rechtzeitig gezielte Massnahmen eingeleitet und damit schwerwiegende Folgen verhindert werden.

Fragestellung

Ziel des Projekts war es, ein geeignetes ICF-kompatibles diagnostisches Verfahren zu entwickeln, zu erproben und in der Praxis zu implementieren.

Methodisches Vorgehen

In einer ersten Projektphase wurde ein theoriegeleitetes Verfahren zur Früherfassung entwicklungsgefährdeter Kinder von 3-6 Jahren entwickelt. Das Verfahren ist eine vierstufige systematisierte Definitions- und Entscheidungshilfe, um darüber zu befinden, ob ein Kind

  • entwicklungsgefährdet ist, ob
  • ein Förderbedarf besteht und
  • welche kind- oder umfeldzentrierte Massnahme geeignet wäre.

In diesem vierstufigen Verfahren wird nach einer Vorabklärung der Entwicklungsstand des Kindes erfasst. Dazu werden standardisierte, ICF kompatible Testverfahren zur Auswahl vorgegeben. Anhand eines Anamnese-Gesprächsbogens können personale und psychosoziale Risiko- und Schutzfaktoren eingeschätzt werden. Die Ergebnisse der Entwicklungsabklärung werden anschliessend in Verbindung mit den vorhandenen Risikofaktoren resp. fehlenden Schutzfaktoren gesetzt. Aufgrund dieser Gegenüberstellung kann letztlich eingeschätzt werden, ob eine Intervention angezeigt ist. 74 Mitarbeitende von Heilpädagogischen Diensten aus 18 Kantonen der deutschen Schweiz testeten das Verfahren. Sie reichten insgesamt 119 Dossiers von Kindern ein, welche zwischen September 2010 und April 2011 nach den Kriterien und Vorgaben des neuen Verfahrens abgeklärt wurden. Die Daten wurden erfasst, statistisch analysiert und vor dem Hintergrund der theoretischen Annahmen geprüft und interpretiert.

Ergebnisse

Mit der Entwicklungsabklärung werden Kinder mit einer Entwicklungsverzögerung resp. einer -abweichung früh erfasst. Die in den Bereichen Sozialverhalten, Kognition und Motorik verwendeten Tests haben sich als nützlich erwiesen, nur ein Testbogen (MOT 4-6) musste als veraltet ausgeschieden werden. Als schwierig erwies sich die Erfassung des Sprachentwicklungsstandes. Hier muss geprüft werden, ob anstelle des Sprachentwicklungsstandes das Sprachverständigungsvermögen von Kindern und Eltern erhoben werden soll. Die Untersuchung konnte zudem zeigen, dass die sprachliche Verständigung eine besondere Herausforderung bei der Unterstützung von Familien mit anderem sprachlich-kulturellen Hintergrund darstellt. Dieses Ergebnis sollte bei der Wahl der Angebote und Massnahmen berücksichtigt werden. Wichtig ist auch die Erkenntnis, dass der Anamnese-Gesprächsbogen nicht als rigider Fragebogen sondern als Leitfaden konzipiert werden sollte. Auf diese Weise bleibt genügend Spielraum für die adäquate Formulierung und Reihenfolge der Fragen bzw. den Zeitpunkt, an dem ein bestimmtes Item erfragt wird.

Nach der Überarbeitung soll das neue diagnostische Verfahren - «Früherfassung entwicklungsgefährdeter Kinder von 3-6 Jahren», kurz: «FegK 3-6» - den Praktikerinnen und Praktikern zur Verfügung gestellt werden, mit dem Ziel, entwicklungsgefährdete Kinder möglichst frühzeitig zu erfassen und ihnen massgeschneiderte unterstützende Massnahmen zukommen zu lassen.

Publikationen

  • Burgener Woeffray A. (2014). Entwicklungsgefährdung früh erkennen. FegK 0 - 6: Ein Verfahren zur Früherkennung entwicklungsgefährdeter Kinder bis 6 Jahre und zur Ermittlung ihres Unterstützungsbedarfs. Bern: Edition SZH. Zum Shop HfH-Shop_ Entwicklungsgefährdete Kinder
  • Burgener Woeffray A. & Bortis, R. (2009). Erfassung des Förderbedarfs von Kindern mit Entwicklungsgefährdung in früher Kindheit. Schweiz. Zeitschrift für Heilpädagogik, 5, 32-38. PDF
  • Burgener Woeffray, A. & Bortis, R. (2009). Entwicklungsgefährdete Kinder0-6: wer sind sie? – was brauchen sie? Schweiz. Zeitschrift für Heilpädagogik, 10, 22-29. PDF
  • Burgener Woeffray, A. & Meier, S. (2011). Entwicklungsgefährdete Kinder – frühe Erfassung – geeignetes Verfahren zur Diskussion. Schweiz. Zeitschrift für Heilpädagogik, 10, 39-45. PDF
  • Burgener Woeffray, A. & Meier, S. (2012) Früherfassung entwicklungsgefährdeter Kinder von 3-6 Jahren- FegK 3-6. Kurzbericht zur Phase 2 (Sept. 2010-Nov. 2011). Zürich: Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik. PDF

Fakten

Laufzeit
08/2008-07/2011
Nr.
5_16

Projektleitung

Projektteam