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Ist-Zustand der stationären Kinder- und Jugendhilfe im Kanton Zürich

Ausgangslage und Ziele

Das Gesetz über die Jugendheime und die Pflegekinderfürsorge des Kantons Zürich regelt die ausserfamiliäre Erziehung und Betreuung von Kindern und Jugendlichen. Die Bestimmungen datieren aus dem Jahr 1962 und entsprechen alles in allem nur mit Einschränkungen den heutigen Realitäten. Deshalb wurde das Ziel ins Auge gefasst, eine von Grund auf modernisierte Fassung des Gesetzes in Kraft zu setzen (Totalrevision). Die gesetzlichen Grundlagen für die stationäre Kinder- und Jugendhilfe werden damit neu geregelt und zukunftsweisende Fachkonzepte der Jugend- und Familienhilfe stärker berücksichtigt.

Fragestellung

Auftrag und Zielsetzung der Studie war es, die Entwicklung der letzten rund 15 Jahre in der Heimlandschaft im Kanton Zürich im Spiegel der vorhandenen Daten zu dokumentieren. Das Amt für Jugend und Berufsberatung AJB liess dazu als Teil des grösseren Revisionsprojektes den Ist-Zustand der Heimlandschaft im Kanton erheben (Teilprojekt 4 im Gesamtprozess). Vorhandene Datenbestände wurden zusammengeführt, um einen besseren Überblick und Objektivierungsmöglichkeiten zu gewinnen. Als retrospektive Erhebungszeitpunkte wurden die Jahre 1995, 2000, 2005 und 2010 festgelegt: Vorabklärungen ergaben, dass für diesen Zeitraum Datenmaterial vorliegt, das mit vertretbarem Aufwand ausgewertet werden konnte. Dies betrifft auch die Sonderschulheime, für die seit 2007 nicht mehr das AJB, sondern das Volksschulamt VSA zuständig ist.

Methodisches Vorgehen

Die von beiden Ämtern zur Verfügung gestellten Datenquellen umfassten Heimlisten, Stellenpläne, einrichtungsspezifische Factsheets und Datenblätter, Stichtagserhebungen, Daten zu den Aufenthaltstagen und Heimaustritten, turnsumässige Erhebungen des Bundesamtes für Justiz und eine Datenbank mit kantonsübergreifenden Platzierungen. Zusätzlich wurden Bista-Daten herangezogen. Im Fokus der Auswertungen standen vor allem den staatsbeitragsberechtigten Einrichtungen der stationären Kinder- und Jugendhilfe, das sind 41 AJB- und 20 VSA-Heime (weitere 12 Einrichtungen erhalten keine Staatsbeiträge). Weil diese 61 Einrichtungen in sich sehr heterogen sind, wurden sie entlang von drei Dimensionen querschnittartig Kategorien zugeordnet:

  1. Zuständigkeit der Ämter AJB und VSA, so wie sie sich heute darstellt;
  2. Alter der Zielgruppe, abgestuft zwischen 0 und 22 Jahren;
  3. Art des Angebots.

Mit den verfügbaren Datengrundlagen und im Verbund mit der Kategorisierung konnten sodann Kernvariablen ausgewählt werden, in denen sich die jüngere Entwicklung der stationären Kinder- und Jugendhilfe abbilden liess. Es sind dies …

… auf der Ebene der Einrichtung:

  • Art und Anzahl der Einrichtungen
  • Grösse der Einrichtungen
  • Personalaufwand und Personalprofile der Einrichtungen
  • Kantonsübergreifende Platzierungen
  • Kostenströme in den Einrichtungen

… und im Hinblick auf die Klientel in den Einrichtungen:

  • Geschlecht der betreuten Kinder und Jugendlichen
  • Alter der betreuten Kinder und Jugendlichen
  • Aufenthaltstage
  • Fluktuation (Eintritte und Austritte) in den Einrichtungen
  • Anschlusslösung für die betreuten Kinder und Jugendlichen bei Austritt aus einer Einrichtung.

Die verfügbaren Datenbestände wurden im Hinblick auf diese und einige weitere Fragestellungen hin ausgewertet und verdichtet.

Ergebnisse

  • Die Heimlandschaft ist im betrachteten Zeitraum recht stabil hinsichtlich Art, Anzahl und Grösse der Einrichtungen. Dies ist wenig überraschend, da der betrachtete Zeitraum kurz ist. Auch das Platzangebot in der stationären Kinder- und Jugendhilfe ist stabil: Es gibt heute, gemessen am Bevölkerungsanteil der 0- bis 22-Jährigen, nicht mehr Heimplätze als früher. Möglich ist, dass im Bereich der ambulanten Kinder- und Jugendhilfe, im Heimumfeld oder überkantonal eine andere Platzdynamik herrscht; die vorhandenen Daten geben darüber keine Auskunft.
  • Der Kanton Zürich platziert ungefähr so viele Kinder und Jugendliche in anderen Kantonen wie er selbst aufnimmt. • Über die eigentliche Klientel – die betreuten Kinder und Jugendlichen – ist in den Daten kaum etwas zu erkennen.
  • Die Kosten sind sowohl pro Platz als auch pro Aufenthaltstag gestiegen. Hier spielen eine Vielzahl von Faktoren hinein, etwa der Wegfall der IV-Beiträge im Rahmen der NFA, Transisitonseffekte im Zuge des Modells 41 (Pauschalierung der Defizitdeckung für die Zürcher Kinder- und Jugendheime) und turnusmässige Lohnerhöhungen im Kanton.
  • Die Hauptlast der Kosten tragen über die Versorgertaxen die Gemeinden. Sie können aber nicht steuern, was die Verantwortung des Kantons in diesem Bereich unterstreicht.
  • Etwa ein Drittel des erzieherisch tätigen Personals in den Einrichtungen befindet sich in Ausbildung. Hier stellen sich unter anderem Fragen nach dem Umfang der notwendigen Betreuung und Anleitung in den Einrichtungen und nach den kantonalen Erwartungen an die Ausbildung der dort tätigen Personen.
  • Der Wirkungsindikator W2 des KEF (Konsolidierter Entwicklungs- und Finanzplan, das wichtigste regierungsrätliche Steuerungsinstrument) von 80% geplanten Austritten wird problemlos erreicht und ist alles in allem nicht aussagekräftig. Schlussfolgerungen und Empfehlungen

Die Analyse der bei den Ämtern vorhandenen Daten hat einige interessante Eckpunkte der stationären Kinder- und Jugendhilfe sichtbar gemacht. Es sind aber auch eine Reihe wichtiger Punkte nicht oder nicht deutlich erkennbar, vor allem die eigentliche Heimrealität, die eigentliche Klientel, der reale Personalstamm und das Heimumfeld. Nach vorne schauend haben sowohl das AJB wie auch das VSA bereits zahlreiche Optimierungen und Verbesserungen auf den Weg gebracht, die heute (VSA, dossierbasiertes Controlling-System) oder in naher Zukunft (AJB, zahlreiche Konsequenzen aus Gesetzesrevision) markant verbesserte Einsichten ermöglichen. In den vorliegenden Daten spiegelt sich dies noch nicht wider. Drei Empfehlungen können aus den Ergebnissen der Studie abgeleitet werden:

  1. Es sollte eine Individualstatistik eingeführt werden, um Platzierungsverläufe besser verfolgen zu können. Mittel- und langfristig liefert dies wichtige Objektivierungsmöglichkeiten.
  2. Das Heimumfeld sollte periodisch untersucht werden, um Trends und Tendenzen auszumachen, auch überkantonal. Was im Umfeld der Einrichtungen geschieht, hat unter Umständen grossen Einfluss auf die Angebotsentwicklung und Angebotsnutzung.
  3. Die Angebotsentwicklung sollte standardisiert erhoben werden, nicht zuletzt über den realen Anstellungs- und Ausbildungsgrad des Personals. Das AJB verarbeitet diese und weitere Vorschläge im Rahmen des Revisionsprojektes breit abgestützt weiter

Publikationen

  • Liesen, Chr. (2013). Datenanalyse zur jüngeren Entwicklung der Einrichtungen der stationären Kinder- und Jugendhilfe im Kanton Zürich (1995–2010). Schlussbericht. Zürich: Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik. PDF

Fakten

Laufzeit
08/2011-07/2012
Nr.
5_31

Projektleitung

Kontakt

Zentrum Forschung und Entwicklung
Tel: +41 44 317 11 46

zfe[at]hfh.ch zfe

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