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Kooperation zwischen Regellehrpersonen und Lehrkräften schulischer Heilpädagogik

Ausgangslage und Ziele

Das vorliegende Forschungsprojekt beschäftigte sich mit der Kooperation zwischen Regellehrpersonen und schulischen Heilpädagogen und –pädagoginnen (IF). Ein Ziel der Untersuchung war zu zeigen, wie die unterrichtsbezogene Kooperation ausgestaltet wird. Zudem wurde gefragt, ob Zusammenhänge zwischen der Ausgestaltung der Kooperation und den vorherrschenden Rahmenbedingungen (z.B. Anzahl der Klassen, in welchen die SHP arbeitet), der Unterrichtsgestaltung in Bezug auf die Differenzierung (z.B. ob es bei der Aufgabenwahl für die Schülerinnen und Schüler (SuS) unterschiedliche Anforderungsniveaus gibt) und die Klassenführung (z.B. wie störungspräventiv sich die Lehrpersonen verhalten) bestehen.

Fragestellung

Ein Ziel der Untersuchung war zu zeigen, wie die unterrichtsbezogene Kooperation ausgestaltet wird. Zudem wurde gefragt, ob Zusammenhänge zwischen der Ausgestaltung der Kooperation und den vorherrschenden Rahmenbedingungen (z.B. Anzahl der Klassen, in welchen die SHP arbeitet), der Unterrichtsgestaltung in Bezug auf die Differenzierung (z.B. ob es bei der Aufgabenwahl für die Schülerinnen und Schüler (SuS) unterschiedliche Anforderungsniveaus gibt) und die Klassenführung (z.B. wie störungspräventiv sich die Lehrpersonen verhalten) bestehen.

Methodisches Vorgehen

170 Personen, davon 80 Regellehrpersonen (RLP) und 90 heilpädagogische Lehrpersonen (SHP) aus den Kantonen Zürich und Zug beteiligten sich an der Fragebogenerhebung. Mit Hilfe einer Clusteranalyse wurden verschiedene Kooperationstypen gebildet und mit weiteren multivariaten Verfahren wurden die Zusammenhänge zwischen der Ausgestaltung der Kooperation und den Rahmenbedingungen, respektive der Unterrichtsgestaltung, untersucht.

Ergebnisse

Die Ergebnisse zeigen folgende drei Kooperations-Typen. Regellehrpersonen und heilpädagogischen Lehrpersonen verteilen sich zu ähnlichen Teilen auf die drei Kooperationstypen.

  • Der kokonstruktive Typ (51 % aller RLP und SHP) – bei diesem Kooperationstyp sind alle Merkmale der Kooperation, wie gegenseitige Anerkennung, voneinander Lernen, Flexibilität im Unterricht und didaktisch-methodische Positionierung, ausgeprägt. Im Vergleich zu den beiden anderen Typen wird auch die Verantwortung für die Klasse als geteilt wahrgenommen und die Kooperation wird als sehr zufriedenstellend und effizient erlebt.
  • Der wenig kooperative Typ (16 % aller RLP und SHP) – alle Merkmale der Kooperation sind im Vergleich zu den beiden anderen Typen unterdurchschnittlich ausgeprägt. Beim wenig kooperativen Typ wird die Verantwortung deutlich weniger geteilt wahrgenommen. Für starke Schülerinnen und Schüler sowie für die Klassenführung sieht dieser Typ vor allem die RLP als verantwortlich an. Der wenig kooperative Typ erlebt die Kooperation im Vergleich zu den beiden anderen Typen als weniger zufriedenstellend und effizient.
  • Der Mischtyp (33 % aller RLP und SHP) – bei diesem Typ sind zwei Merkmale überdurchschnittlich ausgeprägt: hohes gegenseitiges Vertrauen und Anerkennung sowie hohe Flexibilität während des Unterrichts. Ein methodisch-didaktischer Austausch findet kaum statt und auch das Gefühl, etwas voneinander lernen zu können, ist unterdurchschnittlich ausgeprägt. Der Mischtyp teilt die Verantwortung ähnlich auf, wie der wenig kooperative Typ. Das heisst, dass für Klassenführung und starke Schülerinnen und Schüler vorwiegend die RLP zuständig sind. Die Kooperation wird von diesem Typ als zufriedenstellend und effizient erlebt.

In der Untersuchung konnte gezeigt werden, dass ein Zusammenhang zwischen Rahmenbedingungen und der Zugehörigkeit des Kooperationstyps besteht. Der kokonstruktive Typ schätzt die vorgefunden Rahmenbedingungen besser ein als die andern beiden Typen. Zudem konnte auch ein Zusammenhang zwischen gutem integrativem Unterricht und der Zugehörigkeit zu den Kooperationstypen nachgewiesen werden. Die Zugehörigkeit zur Gruppe der Kokonstruktiven geht einher mit einer differenzierenderen Unterrichtsgestaltung und einer unproblematischeren Klassenführung. Dies sind die Hauptergebnisse dieser Studie. Für detaillierte Ausführungen verweisen wir auf die Artikel. Darin ist auch die Beantwortung der Fragestellung nach der Einschätzung der Lehrpersonen des Unterrichts mit und ohne unterrichtsbezogener Kooperation in Bezug auf Differenzierung und Klassenführung zu finden, auf die wir hier aus Platzgründen nicht eingehen konnten.

Konsequenzen für die Praxis

Die Untersuchung wirft einige Fragen auf in Bezug auf die Rolle der SHP im IF-Setting, wie es zurzeit organisiert ist. Wie aus der Beschreibung der Kooperationstypen ersichtlich wird, zeichnen sich die RLP und die SHP des kokonstruktiven Typs u.a. dadurch aus, dass sie die Verantwortung teilen. Betrachtet man die aktuellen Rahmenbedingungen unter denen IF-Lehrpersonen angestellt sind, laufen diese der Forderung nach geteilter Verantwortung entgegen. Eine der Hauptempfehlungen der Studie wird deshalb sein, die Rahmenbedingungen für die SHP dahingehend zu verbessern, dass es in der Kooperation zu einer geteilten Verantwortung kommen kann. Dazu gehören z.B. die Reduktion der Anzahl Klassen in der eine IF-LP arbeitet, die Erhöhung der bezahlten Besprechungszeit oder die Einrichtung von institutionalisierten Gesprächen vor Kooperationsbeginn. Weitere Empfehlungen finden sich in unserm Schlussbericht.

Publikationen

  • Henrich, C., Baumann, B. & Studer M. (2012). Ausgestaltung der unterrichtsbezogenen Kooperation. SZH 9, 35-41. PDF
  • Baumann, B., Henrich, C. & Studer M. (2012). Rahmenbedingungen der unterrichtsbezogenen Kooperation. SZH 9, 42-47. PDF
  • Baumann, B., Henrich, C. & Studer, M. (2013). Unterrichtsbezogene Kooperation zwischen Regellehrpersonen und heilpädagogischen Lehrpersonen und Klassenführung. Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik, 19(10), 45-52. PDF

Fakten

Laufzeit
08/2009-07/2011
Nr.
5_20

Projektleitung

Projektteam

Kontakt

Zentrum Forschung und Entwicklung
Tel: +41 44 317 11 46

zfe[at]hfh.ch zfe