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Mit Berufsattest in den Arbeitsmarkt

Ausgangslage und Ziele

Verlängerung des HfH-Forschungsprojektes B.5 um einen weiteren Messzeitpunkt zweieinhalb Jahre nach Ausbildungsabschluss

Das 2009 abgeschlossene Forschungsprojekt B.5 liefert bisher als einzige Studie gesamtschweizerische Ergebnisse zur Arbeitsmarktintegration von jungen Berufsleuten mit einem eidgenössischen Berufsattest (EBA): Es zeigt sich, dass der zweijährigen Grundbildung im Detailhandel und im Gastgewerbe eine erhöhte Durchlässigkeit zu weiterführenden Ausbildungen, im Besonderen zur dreijährigen Grundbildung, die zu einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) führt, attestiert werden kann.

Bezüglich verbesserter Arbeitsmarktfähigkeit ist aufgrund der im Rahmen des Forschungsprojektes B.5 erhobenen Daten keine abschliessende Beurteilung möglich: Rund 88 Prozent der befragten jungen Leute mit Berufsattest waren ein Jahr nach Ausbildungsende erwerbstätig oder in weiterführender Ausbildung. Sie verdienten durchschnittlich höhere Löhne und wiesen eine grössere Mobilität in Form von Betriebswechseln auf als eine Vergleichsstichprobe von jungen Berufsleuten mit einem Anlehrabschluss. Zwölf Prozent der Befragten waren ein Jahr nach Ausbildungsende (immer noch) erwerbslos (Kammermann, Amos, Hofmann & Hättich, 2009, S. 4).

Leider beschränken sich die Ergebnisse auf den Verlauf des ersten Jahres nach Ausbildungsabschluss der zweijährigen beruflichen Grundbildung.

Fragestellung

Um nicht nur die kurz-, sondern auch die längerfristigen Arbeitsmarktperspektiven und die Durchlässigkeit innerhalb des Berufsbildungssystems, die sich nach Abschluss dieses mit der Berufbildungsreform eingeführten Ausbildungsgefässes für die Population eher praktisch begabter, leistungsschwächerer und benachteiligter Jugendlicher ergeben, zu erforschen, wird die Studie um einen Messzeitpunkt zweieinhalb Jahre nach Ausbildungsabschluss erweitert. Die Nacherhebung ist zeitlich so konzipiert, dass sie Aussagen über die Erfolgsquoten bei der Erlangung eines eidg. Fähigkeitszeugnisses derjenigen Personen mit Berufsattest erlaubt, die nach der zweijährigen in eine dreijährige Grundbildung übergetreten sind. Diese Ergebnisse sind von grosser bildungspolitischer Bedeutung, gibt es bisher doch noch keine gesamtschweizerische Studie, die sich dieser Thematik annimmt.

Methodisches Vorgehen

Die Stichprobe aus dem Forschungsprojekt B.5 (junge Berufsleute mit einem eidg. Berufsattest in den Berufen der ersten Serie der neuen Bildungsverordnungen – Detailhandel und Gastgewerbe, N = 319) wird rund zweieinhalb Jahre nach Ausbildungsabschluss ein zweites Mal nachbefragt.

In Form von standardisierten telefonischen Interviews werden die jungen Berufsleute zu ihrer aktuellen (beruflichen) Situation sowie zu ihrer beruflichen Laufbahn seit der ersten Nachbefragung interviewt.

Ergebnisse

Die differenzierte Analyse der Berufsverläufe der jungen Berufsleute mit Berufsattest im Detailhandel und im Gastgewerbe fällt insgesamt positiv aus:

72% der Befragten, die zum Zeitpunkt der dritten Befragung erwerbstätig sind, haben ein sichereres Anstellungsverhältnis mit einer festen, unbefristeten Anstellung und arbeiten Vollzeit. Damit zeigt sich, dass durch die zweijährige Grundbildung eine gute Arbeitsmarktintegration der Jugendlichen erreicht werden konnte. Trotzdem sind 9,9% der befragten Jugendlichen zweieinhalb Jahre nach Ausbildungsabschluss arbeitslos und 42% aller Befragten waren im Verlauf dieser zweieinhalb Jahre von Phasen der Arbeitslosigkeit betroffen.

Die verbesserte Durchlässigkeit zur dreijährigen Grundbildung mit eidg. Fähigkeitszeugnis (EFZ) wird durch die Ergebnisse der dritten Befragung bestätigt: von den 62 Personen, die nach dem Berufsattest in eine EFZ-Ausbildung übergetreten sind, konnten 40 diese innerhalb von zwei Jahren erfolgreich abschliessen; nur drei Personen haben die Ausbildung abgebrochen bzw. nicht bestanden. Die übrigen befinden sich noch im dritten Jahr der Ausbildung.

Es konnten in der Studie zudem unterschiedliche individuelle Verlaufsmuster identifiziert werden. Es zeigt sich ein Zusammenhang zwischen der Zukunftsperspektive bei Ausbildungsabschluss und den Verlaufstypen (stabil erwünscht, instabil unerwünscht). Personen mit einer zugesicherten EFZ-Lehrstelle weisen signifikant häufiger ein stabil erwünschtes (46%) und seltener ein instabil unerwünschtes Verlaufsmuster (24%) auf. Umgekehrt zeigt sich bei Personen mit unklarer Perspektive am Ende der zweijährigen Grundbildung signifikant seltener ein stabil erwünschter (9%) und häufiger ein instabil unerwünschter Verlauf (60%).

Weiter weisen die Ergebnisse darauf hin, dass die jungen Berufsleute im Verlauf ihrer bisherigen Berufskarriere häufig ihre Stelle gewechselt haben. Hierbei handelt es sich oftmals um Betriebs- und nicht um Berufswechsel. Ein stabiler individueller Berufsverlauf ist bei jüngeren Berufsleuten mit einer Ausbildungsbiografie ohne Zwischenlösungen und Repetitionen sowie bei Frauen und bei Personen im Detailhandel häufiger anzutreffen.

Publikationen

  • Kammermann, M., Stalder, B.E. & Hättich, A. (2011). Two-year apprenticeships – a successful model of training? Journal of Vocational Education and Training, 63(3), 377-396.
  • Kammermann, M. & Hättich, A. (2010). Mit Berufsattest in den Arbeitsmarkt. Ergebnisse einer schweizerischen Längsschnittstudie über die Berufsverläufe nach einer zweijährigen beruflichen Grundbildung. Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis. (5),11-14. PDF
  • Kammermann, M. (2010). Job or further training?: Impact of the Swiss Basic Federal Vocational Education and Training (VET) Certificate on the careers of low achieving young people. Education + Training, 52(5), 391- 403. PDF

Fakten

Laufzeit
08/2009-07/2010
Nr.
1_5.1

Projektleitung

Kontakt

Zentrum Forschung und Entwicklung
Tel: +41 44 317 11 46

zfe[at]hfh.ch zfe