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Motivation und Selbstregulation bei Lernschwierigkeiten (MOSEL)

Ausgangslage und Ziele

Die Fähigkeit, selbstreguliert Wissen und Fertigkeiten zu adaptieren, ist zentrales Bildungsziel der heutigen Wissensgesellschaft (Götz & Nett, 2017; Pekrun, 2017). Die Entwicklung hin zum kompetenzorientierten Lernen ist eine der Antworten (Reusser, 2014). Oft werden reichhaltige Aufgaben aktiv-entdeckend und selbstreguliert bearbeitet. In diesen Prozessen werden überfachliche Fertigkeiten wie Lernstrategien kontinuierlich erworben. Diese bilden relevante Voraussetzungen des lebenslangen Lernens. Für Schülerinnen und Schüler mit Lernschwierigkeiten sind das anspruchsvolle Herausforderungen, gehen Lernschwierigkeiten doch in erhöhtem Mass mit Motivationsproblemen, tiefen Selbstwirksamkeitserwartungen sowie eingeschränkter Selbstregulation einher (Schröder, 2007; Sideridis, 2009; Tarnutzer, 2015). Im Verlauf ihrer Lernbiografie entwickeln sie in vielen Fällen selbstwertschützende, für ihr Lernen jedoch ungünstige Einstellungen und Selbstbilder. In der Lernbegleitung durch Schulische Heilpädagoginnen und Heilpädagogen (SHP) sind Motivation und Selbstregulation sehr häufig Förderschwerpunkte.

Ziel des Projekts MOSEL ist, ein Interventionskonzept des selbstregulierten Lernens in Form einer Lektionsreihe mit reichhaltigen Mathematikaufgaben für Schülerinnen und Schüler mit Lernschwierigkeiten zu entwickeln, in angemessener Form zu vermitteln und anschliessend die Effekte der Intervention empirisch zu überprüfen. Das Projekt setzt im Arbeitsfeld der resp. des SHP an, um empirisch basierte Informationen zur Verbesserung der Förderpraxis bei Lernschwierigkeiten zu gewinnen. Die Intervention wird in integrativen Settings durch die resp. den zuständigen SHP mit einer Gruppe von vier Lernenden durchgeführt (zwei Lektionen pro Woche).

Fragestellung

Es wird angenommen, dass aufgrund der Vermittlung motivationaler, kognitiver und metakognitiver Strategien erstens die fachspezifische Vermeidungsorientierung reduziert wird und die Lernenden sich in der Bearbeitung reichhaltiger Mathematikaufgaben selbstwirksamer zeigen. Zweitens wird während der Aufgabenbearbeitung die situative Zuversicht und die Bereitschaft, sich anzustrengen, zunehmen. Drittens werden Aufgabenschwierigkeiten und eigene Kompetenzen angemessener eingeschätzt. Viertens werden kognitive und metakognitive Strategien besser abrufbar und zunehmend eigenaktiver eingesetzt.

Methodisches Vorgehen

Um die Forschungshypothesen zu beantworten wird eine Interventionsstudie zum selbstregulierten Lernen bei Frühadoleszenten mit Lernschwierigkeiten durchgeführt. In einem Vorprojekt (2017) mit sieben Gruppen wurden die Lektionsreihe und die anzuwendenden Instrumente in zwei Durchgängen erprobt, zweimal überarbeitet und auf die spezifischen Voraussetzungen von Schülerinnen und Schülern mit Lernschwierigkeiten adaptiert. Im Hauptprojekt ermöglicht ein Kontrollgruppendesign mit randomisierter Gruppenzuweisung, die oben angeführten Forschungshypothesen zu überprüfen. Gemessen werden Effekte zwischen Prä- und Post-Messung resp. Follow-up-Messung (+ 12 Wochen). Gruppen- und Personeffekte werden mittels restriktiver Multilevel-Methoden berücksichtigt. Motivationale Orientierungen wie Lern- und Leistungsmotivation, Selbstwirksamkeitserwartung und Anstrengungsbereitschaft werden mittels Fragebogen resp. Interview erhoben. Speziell zu berücksichtigen ist dabei das Leseverständnis der teilnehmenden Lernenden. Um die Anwendung kognitiver und metakognitiver Strategien zu überprüfen, werden Daten weitgehend „in situ“ erhoben. Videosequenzen der Aufgabenbearbeitung in Tandems werden qualitativ analysiert. Selbsteinschätzungen der situativen Zuversicht und des Anstrengungserlebens werden mittels ambulanten Assessments während der Aufgabenbearbeitung erhoben. Die Stichprobe setzt sich aus mindestens 32 Gruppen von Lernenden der Mittelstufe der Primarschule zusammen (16 Treatment- und 16 Kontrollgruppen, NLernende ≥ 128). Die Lernenden werden in Klassen mit integrativer Schulform unterrichtet. Die Durchführung der Intervention findet, aufgeteilt in vier Samples, zwischen März 2018 und September 2019 statt.

Ergebnisse

Es wird erwartet, dass mit der Intervention Veränderungen in Bezug auf die angeführten Hypothesen erreicht werden. Die teilnehmenden Lernenden sollen eine lernförderlichere Einstellung entwickeln, in ihrer Selbsteinschätzung kompetenter werden sowie kognitive und metakognitive Strategien besser abrufen und zunehmend eigenaktiver einsetzen. Die empirische Überprüfung der Projektziele wird aber auch zeigen, dass die angestrebten Veränderungen in unterschiedlichem Mass erreicht werden. Daraus können Folgerungen für die weitere Entwicklung abgeleitet werden.

Publikationen

Tarnutzer, R., (2018). Motivation und Selbstregulation bei Lernschwierigkeiten. Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik, 24(10), 37-43.

Fakten

Laufzeit
01/2018-10/2020
Nr.
1_23

Projektleitung

Dr. phil.   Tarnutzer

Dozent

Kontakt

Zentrum Forschung und Entwicklung
Tel: +41 44 317 11 46

zfe[at]hfh.ch zfe