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Prävention von Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten

Ausgangslage und Ziele

In der ersten Phase des Forschungsprojekts wurden die subjektiven Theorien und das Wissen von schulischen Heilpädagoginnen und Heilpädagogen über Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten anhand von Leitfadeninterviews und einer Fragebogenerhebung erfasst. Die zentralen Untersuchungsergebnisse können der unten angehängten Powerpoint Präsentation über das Forschungsprojekt entnommen werden, ausführliche Darstellungen der Forschungsergebnisse wurden in den Jahren 2010 und 2011 in heilpädagogischen Fachzeitschriften veröffentlicht (siehe Liste der Veröffentlichungen).

Zielsetzung des weiterführenden Projekts ist die Aufarbeitung des aktuellen theoretischen und empirischen Wissenstands über LRS in der Sonder- und Heilpädagogik mit den Mitteln der Diskursanalyse. Ausgangspunkt hierfür ist die Diversifikation und Komplexität der wissenschaftlichen Erkenntnislage zum Thema. Diese kommt unter anderem darin zum Ausdruck, dass es innerhalb diesbezüglicher sonderpädagogischer Veröffentlichungen keine einheitliche Begriffsverwendung geschweige denn Konzeptualisierung des Phänomens gibt. Die Unklarheit und Uneinheitlichkeit auf Seiten der Wissenschaft haben, wie die Ergebnisse des ersten Teils des Forschungsprojekts zeigen, Auswirkungen auf die Praxis: Es lässt sich eine generelle Verunsicherung bezogen auf das Verständnis des Phänomens LRS, seine Verursachung und die Wirksamkeit von Förderung erkennen.

Fragestellung

Eine strukturierte Aufarbeitung des aktuellen sonder- und heilpädagogischen Diskurses erscheint als Unterstützung für die Praktikerinnen und Praktiker dringend notwendig, gewinnt aber darüber hinaus an Bedeutung, weil er in engem Zusammenhang mit einigen zentralen sonder- und heilpädagogischen Themen steht. Hierzu gehört die Frage des Behinderungsbegriffs, des Etikettierungsressourcendilemmas, des Spannungsfeldes von Integration und Separation, des Spezialisten- oder Generalistentums der heilpädagogischen Professionen sowie ihrer Zuständigkeitsbereiche und die Abgrenzung zur allgemeinen Pädagogik.

Methodisches Vorgehen

Das Forschungsvorhaben ist der Diskursforschung zugeordnet  (Weisser, 2004) und mit den Methoden der Diskursanalyse bearbeitet worden. Analysiert wurden textförmige Daten (Zeitschriftenbeiträge) aus sonder- und heilpädagogischen Fachzeitschriften im deutschsprachigen Raum ab dem Jahr 2000. Als zum Datenkorpus gehörig galten Artikel, die im Titel oder im Abstract, die für die Fragestellung relevanten Schlüsselbegriffe (LRS, Legasthenie, Störung des Schriftspracherwerbs etc.) enthielten. Die Datenanalyse folgte den Prinzipien der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring (2002) mit dem Ziel der nach Themen geordneten Zusammenfassung des Materials.

Ergebnisse

Phase 1: Subjektive Theorien und Wissen von SHP`s in der deutschsprachigen Schweiz über LRS

Die Auswertungen und Interpretationen der Fragebogenerhebung in Verbindung mit den Interviews zeigen, dass das Phänomen „Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten“ schulischen Heilpädagoginnen und Heilpädagogen sehr vertraut ist. Die unklare, teilweise widersprüchliche Begriffsverwendung in der Wissenschaft führt zu Verunsicherungen bei den Praktikerinnen und Praktikern, was die Bezeichnung und Einordnung des Störungsbildes betrifft. Schwierigkeiten von Schülerinnen und Schülern beim Lesen- und Schreibenlernen können schulische Heilpädagoginnen und Heilpädagogen genau beschreiben, verwenden dabei aber nur selten präzise Fachbegriffe.

Die subjektiven Theorien der Praktikerinnen und Praktiker beziehen sich sowohl auf aktuelle als auch veraltete bzw. überholte oder zumindest strittige wissenschaftliche Theorien. Die grosse Bedeutung von sprachspezifischen und metasprachlichen Kompetenzen für den Schriftspracherwerb ist den Befragten nicht hinreichend bewusst. Die hohe Relevanz der Qualität von Unterricht für erfolgreichen Schriftspracherwerb wird zumindest nicht explizit genannt. Es herrscht Unklarheit bezüglich der Wirksamkeit von Förderkonzepten. Die Überlegenheit von schriftsprachspezifischer Förderung gegenüber allgemeinen Fördermethoden ist nicht bekannt.

Phase 2: Diskurs über LRS in heil- und sonderpädagogischen Fachzeitschriften von 2000 - 2009

Die Zahl der Veröffentlichungen (78) in heil- und sonderpädagogischen Fachzeitschriften zum Thema LRS zeigt, dass aktuell in der Disziplin wieder ein ausgeprägtes wissenschaftliches Interesse am Thema besteht. Die Zeitschriftenbeiträge lassen sich den Kategorien Forschungsbeitrag, Theoriebeitrag und Praxisbeitrag zuordnen. Die Tatsache, dass die Mehrzahl der Artikel (58%) Forschungsbeiträge sind, spricht für eine diesbezüglich rege Forschungstätigkeit im Untersuchungszeitraum.

Die Fachdiskussion fokussiert 11 verschiedene inhaltliche Schwerpunkte, deren Mittelpunkt die Themen Prävention und Intervention sowie Wirksamkeit bilden, was als eine Reaktion auf die Ergebnisse der Bildungsforschung (z.B. PISA) zum Thema Lesekompetenz von Schülerinnen und Schülern im deutschsprachigen Raum bewertet werden kann. Allgemeines Kennzeichen des Diskurses über LRS in der Sonder- und Heilpädagogik ist Vielstimmigkeit und Interdisziplinarität mit dem Vorteil der Mehrperspektivität und dem Nachteil der Uneinheitlichkeit.

Publikationen

  • Sodogé , A. (2008). Integrative Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten im Kanton Zürich. Durchblick, 33-38.
  • Sodogé, A. (2010). "Förderung ist Detektivarbeit" Was schulsiche Heilpädagoginnen und Heilpädagogen über LRS denken. Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik, 4, 21-28. PDF
  • Steffen, M., Sodogé, A. (2010). Was schulische Heilpädagoginnen über Lese- Rechtschreibschwierigkeiten denken:eine qualitative Interviewstudie zur Analyse subjektiver Theorien. Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete. 79(4), 316-327.
  • Sodogé, A. (2011). Wirksame Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten im integrativen Unterricht. In Lanfranchi, A., Steppacher, J. (Hrsg.) Integration gelingt .
  • Sodogé, A. (2011). „LRS ist eine gummige Angelegenheit“. Ergebnisse einer Befragung in der deutschsprachigen Schweiz zu den subjektiven Theorien und zum Wissen von Sonderpädagoginnen über LRS. Zur Veröffentlichung eingereicht. PDF
  • Sodogé, A. & Kern, M. (2011). LRS im Kontext des Diskurses in sonderpädagogischen Fachzeitschriften von 2000 bis 2009. In Vorbereitung.
  • Kern, M. & Sodogé, A. (2011). Chancen und Risiken der ICF-CY als Rahmenkonzept zur Klassifiaktion von LRS. In Vorbereitung.

Fakten

Laufzeit
08/2007-07/2010
Nr.
4_6

Projektleitung

Prof. Dr.  Sodogé

Leiterin Institut Sprache und Kommunikation unter erschwerten Bedingungen

Kontakt

Zentrum Forschung und Entwicklung
Tel: +41 44 317 11 46

zfe[at]hfh.ch zfe