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Schreibkompetenz von Jugendlichen

Ausgangslage und Ziele

Es gibt immer häufiger Jugendliche mit Schreibproblemen sowohl solche mit Deutsch als Erst- als auch als Zweitsprache. Um diese beiden Gruppen gezielter fördern zu können stellt sich die Frage, ob es bestimmte Schwierigkeiten gibt, die für diese Gruppen charakteristisch sind.

Fragestellung

Im Forschungsprojekt wurden Texte von Schülerinnen und Schüler mit sprachlichen Lernschwierigkeiten oder mit Deutsch als Zweitsprache (DaZ) untersucht, um folgende Fragestellungen beantworten zu können:

  1. Wie realisieren Schülerinnen und Schüler mit überdauernden Lernschwierigkeiten in Sprache und solche mit Deutsch als Zweitsprache einen spezifischen Texttyp nach inhaltlichen, sprachformalen und kommunikativen Gesichtspunkten?
  2. Wie unterscheiden sich die Ergebnisse innerhalb der Untersuchungsgruppen von jenen der Altersgenossen im Regelleistungsbereich?
  3. Lassen sich aus den Untersuchungsergebnissen spezifische Fördervorschläge für die Gruppen ableiten?

Methodisches Vorgehen

Es wurden 116 Texte (Erzählungen zu einer vorgegebenen Bildvorlage) von Schülerinnen und Schülern, die am Ende des 5. Schuljahres bzw. am Anfang des 6. Schuljahres standen, analysiert. Um die Schülertexte hinsichtlich mehrerer Dimensionen der Schreibkompetenz beurteilen zu können, wurde ein Analyseraster entwickelt. Dieses wurde auf der Grundlage des Kompetenzmodells von Ossner (2006) und weiteren Modellen erarbeitet und enthält Kriterien zur Textpragmatik, zu Wortschatz und Syntax.

Ergebnisse

Die Auswertung der Texte der Gesamtstichprobe zeigt, dass in Bezug auf die Textpragmatik die meisten der untersuchten Kriterien zumindest teilweise erfüllt werden: Überschriften werden gesetzt (Aspekt der formalen Gestaltung) und die Texte weisen eine Einleitung und einen Hauptteil (Aspekte der inhaltlichen Gestaltung und Aufgabenbewältigung) auf. Sehr selten strukturieren die Schülerinnen und Schüler ihren Text in Abschnitte (Aspekt der formalen Gestaltung) und in vielen Texten fehlt ein Schlusssatz (Aspekt der inhaltlichen Gestaltung). Vergleicht man die Ergebnisse der vier Gruppen, Lernende mit Deutsch als Muttersprache, die Lernschwierigkeiten in Sprache haben und solche ohne bzw. Lernende mit Deutsch als Zweitsprache, die Lernschwierigkeiten in Sprache haben und solche ohne, zeigt sich Folgendes:

  1. Die Schülerinnen und Schüler mit Lernschwierigkeiten im Fach Sprache erzielen zumindest tendenziell in fast allen Bereichen der Textkompetenz schlechtere Ergebnisse als diejenigen ohne Lernschwierigkeiten. Dies gilt unabhängig davon, ob die Schülerinnen und Schüler Deutsch als Muttersprache sprechen oder nicht.
  2. Schülerinnen und Schülern mit Deutsch als Zweitsprache und mit Lernschwierigkeiten im Fach Sprache zeigen in einigen – aber nicht in allen – Bereichen der Textpragmatik die schwächsten Leistungen.
  3. Es lassen sich nur vereinzelt Kompetenzen und Defizite erkennen, die als typisch für die Schülerinnen und Schüler einer der vier Gruppen unserer Untersuchung bezeichnet werden können.

Konsequenzen für die Praxis

Der Förderbedarf lässt sich nur beschränkt auf Grund der Gruppenzugehörigkeit vorhersagen. Diese Erkenntnis stärkt die Bedeutung einer gezielten individuellen Förderung auf der Grundlage einer differenzierten Förderdiagnostik für den Bereich der Textschreibkompetenz.

Publikationen

  • Sodogé, A., Kern, M. & Greminger, E. (2012). "Einleitung - Hauptteil - Schluss". Wie Schülerinnen und Schüler mit Deutsch als Zweitsprache und mit Lernschwierigkeiten in der Sprache eine Geschichte schreiben. Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik (SZH), 18(5), 31-38. PDF

Literatur

Becker-Morzek, M., Böttcher, I. (2006). Schreibkompetenz entwickeln und beurteilen. Berlin: Cornelsen. Grießhaber, W. (2008): Schreiben in der Zweitsprache Deutsch. In: Ahrenholz, B., Oomen-Welke, I. (Hrsg.). Deutsch als Zweitsprache. Hohengehren: Schneider, 228-238.

Neumann, A., Uhlig, B. (2004). Schreiben Sprachheilschüler anders als Regelschüler? Die Sprachheilarbeit 49/2004, 119-125.

Romonath, R., Uhlig-Waldermann, G. (2006) Textproduktionskompetenzen von Schülern mit einer Sprachstörungsgenese - Ergebnisse einer vergleichenden Untersuchung in der Sekundarstufe I. In: Bahr, R., Iven, C. (Hrsg.). Sprache, Emotion, Bewusstheit. Idstein: Schulze-Kirchner Verlag, 512-517.

Fakten

Laufzeit
08/2009-07/2011
Nr.
4_10

Projektleitung

  • Prof. Dr.  Sodogé

    Leiterin Institut Sprache und Kommunikation unter erschwerten Bedingungen

Projektteam

Kontakt

Zentrum Forschung und Entwicklung
Tel: +41 44 317 11 46

zfe[at]hfh.ch zfe