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Schulische Bildung von Kindern und Jugendlichen mit schwersten Behinderungen

Ausgangslage und Ziele

Kinder und Jugendliche mit schwerster Behinderung werden in der Schweiz erst seit Ende der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts schulisch gebildet. Seither ist zwar eine Vielzahl von Ansätzen und Konzepten, jedoch keine übergreifende Theorie zur Bildung dieser Kinder und Jugendlichen entstanden.  Anerkannte Modelle, die sich breit durchgesetzt haben, fehlen. Dies wirft für die Beteiligten auf allen Ebenen viele Fragen auf. Aktuelle Entwicklungen (z.B. NFA, Spardruck der öffentlichen Hand) sind für die Sicherstellung der schulischen Bildung von Kindern und Jugendlichen mit schwerster Behinderung eine Herausforderung. Das Forschungsprojekt hat erstmalig gesamtschweizerisch die Situation der schulischen Bildung von Schülerinnen und Schülern mit schwerster Behinderung erhoben und liefert damit  wichtige Grundlagen für die weitere Entwicklung und Diskussion der Angebote sowie der Aus- und Weiterbildung von Fachpersonen.

Fragestellung

Im Vordergrund stand die Frage nach grundlegenden Aspekten auf den Ebenen der Institutionen (Schulen) der Pädagogisch-therapeutische Arrangements für die einzelnen Schülerinnen und Schüler der Schülerinnen und Schüler.

Methodisches Vorgehen

Dazu wurden sowohl strukturelle wie auch symbolisch-ideelle Aspekte (Einstellungen, Konzepte etc.) erhoben. Zudem wurden als Aussensicht Meinungen und Einschätzungen der Eltern zur schulischen Situation ihrer Kinder mit schwerster Behinderung erfragt. Die Erfassung der Situation erfolgte als Fragebogenerhebung an allen Schulen in der Schweiz, an welchen Schülerinnen und Schüler mit schwerster Behinderung gebildet werden. Gewählt wurde dafür ein mehrperspektivisches Vorgehen, bei dem verschiedene Bezugspersonen (Lehrperson, Schulleitungsperson, Therapeutin, Pflegeperson, Schulteam und Eltern) des gleichen Schülers bzw. der gleichen Schülerin befragt wurden. Insgesamt liegen Daten von 103 Schulen für 177 Schülerinnen und Schüler vor. Der Rücklauf der versandten Fragebogen lag bei 86.5%.

Ergebnisse

Bedeutsame Ergebnisse der Untersuchung liegen unter anderem darin  

  • dass drei unterschiedliche Schultypen identifiziert werden können, welche sich in ihren Bedingungen und in der Art, wie sie der Situation der Schülerinnen und Schüler gerecht werden, unterscheiden.
  • dass konkrete pädagogisch-therapeutische Arrangements weitgehend durch die jeweiligen konkreten Bedingungen und kaum durch übergreifende Konzepte strukturiert und geprägt sind.
  • dass eine breite Kenntnis von Ansätzen angepasstes Handeln von Lehrpersonen auch in komplexen Klassensituationen unterstützt.
  • dass Lehrpersonen mit heilpädagogischer Ausbildung und vertiefter Kenntnis theoretischer bzw. übergreifender Ansätze wesentlich offener für integrierende Arrangements sind.
  • dass Schülerinnen und Schüler mit schwerster Behinderung von unterschiedlichen Professionen (Lehrpersonen, Therapeutinnen und Therapeuten, Eltern) unterschiedlich wahrgenommen werden.

Die aus den Ergebnissen ableitbaren und begründbaren Empfehlungen weisen hin auf die Notwendigkeit

  • der Klärung des Bildungsbegriffs und des Verständnisses von Menschen mit schwerster Behinderung als Voraussetzung für die Schaffung übergreifender Konzepte und Kulturen.
  • der Nutzung der entstandenen individuellen Charaktere der Schulen als Ausgangspotenzial für weitere Entwicklungen ohne Einheitslösungen anzustreben.
  • der Sicherstellung spezifischer Ressourcen für Schulen, die Menschen mit schwerster Behinderung aufnehmen:
    -          bei der Infrastruktur
    -          beim Personal (Quantität und spezifische Qualifikation)
    -          bei der Leitung (Qualifikation)
  • der Verstärkung der Angebote für eine vertiefte Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen und weiteren Fachpersonen. 

Publikationen

Die Ergebnisse der Untersuchung sind in zwei Büchern publiziert:

Weitere Publikationen:

  • Benz, M. & Dietrich, A. (2002). Schulische Bildung von Kindern und Jugendlichen mit schwersten Behinderungen. Geistige Behinderung 41, 358-359.fileadmin/files/documents/Dokumente_FE/A.1_dietrich_et_al_2006_inhaltsverzeichnis.pdf
  • Benz, M. & Dietrich, A. (2004). Die schulische Bildung von Schülerinnen und Schülern mit schwersten Behinderungen in der Schweiz. In S. Amft, K. Bernath, & K. Häfeli (Hrsg.), Heilpädagogik in einer veränderten Forschungslandschaft. (S. 91-105). Luzern: Edition SZH/CSPS.
  • Dietrich, A. (2006). Schulische Bildung von Kindern und Jugendlichen mit schwerster Behinderung in der Schweiz – Herausforderungen und Perspektiven. In: Berufsverband der Heilpädagogen (BHP) (Hrsg.), Heilpädagogik in der Praxis, Forschung und Ausbildung: aktuelle Beiträge zum Profil einer Handlungswissenschaft / Internationaler Kongress für Heilpädagogik, Ulm 2005 (S. 154-161). Berlin: Berufsverband der Heilpädagogen (BHP).
  • Dietrich, A. & Benz, M. (2002). Schulische Bildung von Kindern und Jugendlichen mit schwersten Behinderungen. Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik (5), S. 20-21.
  • Dietrich, A. & Benz, M. (2005). Pädagogik bei schwerster Behinderung – von der spezialisierten Heilpädagogik zur grundlegenden Pädagogik ( ?). Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik 7/8, S. 5-10.
  • Petitpierre, G., et al. (2004). Pédagogie et soins des enfants polyhandicapés en Suisse : une complémentarité qui se décline au pluriel. 12ème Congrès mondial de IASSID, Montpellier juin 2004.
  • Wolf, D. et al. (2005). Tendances en matière de scolarisation des enfants polyhandicapés en Suisse. Pédagogie Spécialisée 1, S. 6-14.
  • Wolf, D. et al. (2005). Aspekte der schulischen Bildung von Kindern und Jugendlichen mit schwerster Behinderung in der Schweiz. Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik 6, S. 31-38.

Fakten

Laufzeit
08/2002-07/2007
Nr.
3_1

Projektleitung

lic. phil.  Dietrich

Dozent

Projektteam

Kontakt

Zentrum Forschung und Entwicklung
Tel: +41 44 317 11 46

zfe[at]hfh.ch zfe