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Zur Bedeutung der Gebärdensprache an Zentren mit dem Förderschwerpunkt Hören und Sprache

Ausgangslage und Ziele

Grundsätzlich spielt die Gebärdensprache an Deutschschweizer Zentren mit Förderschwerpunkt Hören und Sprache nur eine marginale Rolle. Sie wird zwar wahrgenommen und akzeptiert, jedoch kaum curricular gefördert. Diese Zentren sind nun vermehrt mit der Frage konfrontiert, inwiefern ein bilingualer (laut- und gebärdensprachlicher) Weg möglich wäre. International gesehen werden bilinguale-bimodale Modelle zwar praktiziert, es fehlt aber an evidenzbasierter Praxis.

Erstmals in der Schweiz wurde nun ein Bildungsmodell, das Gebärdensprache beinhaltet, empirisch analysiert und beschrieben: Seit zwei Jahren gibt es am  innovativen Pädagogischen Zentrum für Hören und Sprache in Münchenbuchsee/Kanton Bern die Gebärdensprache  als Unterrichtsfach und es werden bilinguale Unterrichtsstunden angeboten. Es gilt nun zu betrachten, welche Bedeutung der Gebärdensprache in diesem Setting zukommt.

Fragestellung

Die vorliegende Einzelfallstudie zeigt, wie die Gebärdensprache von den am Zentrum involvierten Personen gesehen, gewichtet und im Alltag eingesetzt wird.

Methodisches Vorgehen

Mitarbeitende der Abteilung für Hörgeschädigte (gehörlose und hörende Lehrende, Audiopädagoginnen, Logopäd/innen, Sozialpädagog/innen und Logopädinnen) wurden mit problemzentrierten Interviews nach der Bedeutung gefragt, welche sie der Gebärdensprache geben. Zusätzlich wurde ihre Alltagspraxis (Unterricht, Pause, Mittagessen) videobasiert beobachtet.

Ergebnisse

  1. Die Gebärdensprache spielt sowohl in den „Köpfen“ (subjektive Konstruktion) als auch in der Praxis eine Rolle (Gebärdensprachunterricht, bilingualer Unterricht).
  2. Bilingualität besteht jedoch nicht als Bildungsziel. Sie ist (noch) nicht eine von zwei gleichwertigen Sprachen, sie hat vielmehr bei der Mehrheit der Mitarbeitenden einen Fremdsprach- oder Hilfsstatus.
  3. Darüberhinaus  ist festzustellen, dass vor allem Mitarbeitende der Sozialpädagogik und Audiopädagogik mit den Begriffen „Gebärden“, „Lautsprachunterstützende Gebärden“ (LUG) und „Gebärdensprache“ unscharf umgehen, diese verwechseln und nicht klar voneinander trennen.
  4. Gebärdensprache wird in der Praxis angewendet, viele Unterrichtsinhalte werden visualisiert. Gleichzeitig wird von Hörenden aber mehrheitlich LUG angewendet. Es scheint, dass eine unidirektional gerichtete Vermittlung von Inhalten (ausgehend von den Erwachsenen) für einige Mitarbeitende im Zentrum steht; das Sich-verständlich-machen und die Vermittlung von Inhalten stehen im Fokus der Kommunikation mit den Lernenden, und nicht primär das Sich-Mitteilen der Lernenden.
  5. Zwei gebärdensprachorientierte, hörbehinderte Mitarbeiterinnen wenden Gebärdensprache immer an, als Unterrichtskommunikation sowie als spezielles Unterrichtsfach. In Schulstunden mit Team-Teaching (mit einer gehörlosen und einer hörenden Lehrenden) wird auf das Prinzip "eine Sprache, eine Person" fokussiert. Hier sind Ressourcen für einen sprachvergleichenden, kontrastiven Unterricht vorhanden, die noch wenig genutzt werden.

Grundlegend kann empfohlen werden, dass das Zentrum als Gesamtinstitution die jetzige Positionierung festigen und ausbauen sollte. Damit eine für alle gelingende Alltags- und Unterrichtskommunikation entstehen kann, wäre primär die Gebärdensprachkompetenz sowie pädagogisch-didaktischer Kompetenz zu fördern.

Fakten

Laufzeit
08/2014-07/2015
Nr.
E.15

Finanzielle Unterstützung

Kontakt

Forschung und Entwicklung
Tel: +41 44 317 11 81

wfd[at]hfh.ch wfd