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Zweisprachiges interaktives Weblexikon für Fachbegriffe der Gebärdensprache

Ausgangslage und Ziele

Ausbildner und Berufspersonen sowie auch Gehörlose berichten, dass gehörlose Erwachsene oft sprachlichen Schwierigkeiten begegnen, technische Begriffe zu verstehen.

Fragestellung

Das Hauptziel dieses Lexikons ist es, technische Ausdrücke in Videos der Schweizerdeutschen Gebärdensprache (Deutschschweizerische Gebärdensprache, DSGS) und geschriebenen deutschen Texten zu sammeln und für die Anwendung durch hörbehinderte Gebärdensprachbenutzer sowie Lehrpersonen, Vorgesetzte in der Arbeitsumgebung, professionelle Berater, Dolmetscherinnen und Personen in der Dolmetscherausbildung bereitzustellen.

Methodisches Vorgehen

Es wäre unmöglich gewesen, in einem zweieinhalb Jahre dauernden Nationalfonds-DORE-Projekt ALLE Gebiete nach technischen Ausdrücken zu durchforschen. Dieses Projekt beschränkte sich daher auf Begriffe zweier Gebiete. Auf der Basis der linguistischen und technischen Erfahrung aus diesen ersten zwei Gebieten, können dann später weitere Themenfelder behandelt werden. Die beiden für dieses Projekt ausgewählten Felder repräsentieren abstrakte wie praktische Begriffe und sind von besonderer Bedeutung sowohl für die Praxispartnerschulen wie auch für das Gebärdensprachdolmetscherprogramm der HfH:

  • 2007/08 Wirtschaft (Finanzen, Mathematik, Vertragswesen u.ä.)
  • 2008/09 Ernährung (Gastronomie, Kochen, Nahrungsmittel u.ä.)

Ergebnisse

Produkt

Weblexikon für technische Begriffe aus Wirtschaft und Ernährung mit deutschschweizerischen Gebärdensprachvideos und geschriebenen deutschen Texten

  • Das Lexikon ist seit September 2008 mit den jeweiligen Updates auf der Website: www.fachgebaerden.ch aufgeschaltet. Die Schlussversion enthält 756 Gebärden für 392 Wirtschaftsbegriffe und 293 Begriffe aus der Ernährung sowie allgemein benützte zusätzliche Varianten für Wirtschafts- (46) und Ernährungsbegriffe (25). Allen Begriffen ist ein Videoeintrag beigegeben, der die Form der gebärdeten Äquivalente eines technischen Ausdrucks enthält sowie eine Definition und eines oder mehrere Beispiele der Bedeutung in Form eines Videos in Deutschschweizerischer Gebärdensprache und in geschriebenem Deutsch. Die Webseite enthält auch eine Einführung und Hilfsinformationen in vier geschriebenen Sprachen (Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch) und Deutschschweizerischer Gebärdensprache auf Video.
  • Die beiden Sammlungen von Gebärden wurden von gehörlosen Studierenden der Partnerschulen (Berufsschule für Gehörlose in Zürich) getestet. Deren Vorschläge gaben zusammen mit den Rückmeldungen der für die Webseite registrierten Anwender dem Arbeitsteam wertvolle Hinweise auf die Einträge. Dabei entwickelte die gehörlose Expertengruppe neue Gebärden für ca. 30% derjenigen technischen Begriffe, die noch kein gebärdensprachliches Äquivalent aufwiesen. Im Lexikon ist genau vermerkt, welche Gebärden schon existieren und welche allenfalls neu dazugekommen sind.
  • Das Projektteam ist sich vollständig bewusst, dass die neuen Gebärden in dieser Sammlung nur Vorschläge von einer ausgewählten Gruppe von Gebärdenden darstellen und erst die Zukunft wird weisen, ob die Gehörlosengemeinschaft und die Dolmetscher diese Gebärden benutzen und/oder weiterentwickeln werden Nach Meinung des Projektteams wird der nützlichste Aspekt dieses Lexikons in der Erklärung der Bedeutung der anvisierten technischen Ausdrücke durch die Kombination von Videobeispielen und geschriebenen deutschen Definitionen und Beispielen liegen. Zusammen mit dem ergänzenden erklärenden Material werden diese Unterlagen besonders junge gehörlose Erwachsene im Sekundarschulalter und in der Berufsausbildung unterstützen.

 

Linguistische Themen, die in der Datenanalyse dieses Projektes angegangen werden

Die Entwicklung einer Methodologie für gebärdete Definitionen und Beispiele von technischen Begriffen

  • Das Vorgehen, das zur Neubildung, resp. zur Verfeinerung von Definitionen und Beispielen führt, ergab sich als komplexer als ursprünglich angenommen. Es verlangte nach folgenden Schritten: Geschriebene deutsche Definitionen wurden innerhalb der Expertengruppe diskutiert. Diese bestand aus gehörlosen Gebärdenden, die im Gebiet professionelle Kenntnis aufwiesen, sowie zwei von Geburt an gehörlosen Projektmitarbeiterinnen und der Person, die sich als Video-Gebärdensprachmodell zur Verfügung gestellt hatte. Die Expertengruppe schlug mehrere Möglichkeiten der Anwendung eines Begriffes vor. Alle Diskussionen des Expertenteams wurden auf Video aufgenommen. Sobald alle Beteiligten der Expertengruppe die Definition verstanden hatten und entsprechende Beispiele vorhanden waren, verfassten die Beteiligten des Teams zusammen mit der Videomodellperson eine Gebärdensprachversion der Definitionen und Beispiele, die dann später im Studio aufgenommen wurden.
  • Die Studiodefinitionen und -beispiele wurden dann an die beiden Gebärdensprachdolmetscherinnen gesandt, die die Gebärdensprachversion in geschriebenes Deutsch übersetzten. Diese Übersetzungen und Videos wurden dann durch die Expertengruppe und den hörenden Experten der Partnerschule, der als externer Berater des Themenfeldes diente, überprüft. In einigen Fällen, in denen die Bedeutung der Studioversion von der Expertengruppe oder dem Aussenberater für ungeeignet befunden wurde, wurden die Gebärdenspracheinträge nochmals überarbeitet. Auch einige der deutschen Übersetzungen mussten revidiert werden, um dem entsprechenden technischen Gebiet zu genügen.
  • Themen, die die Übersetzung von Gebärdensprachtexten in geschriebene deutsche Sprache im Lexikon betreffen
  • Analyse des linguistischen Standes der Gebärden für die technischen Begriffe (das Verhältnis vonkonventionellen, bekannten und neuen Gebärden in diesem Korpus).
  • Analyse der linguistischen Zusammensetzung dieser Gebärdensammlung von Gebärden (konventionelle gegenüber produktive Elemente, Grad der linguistisch logischen Abfolge von Morphemen im deutschen Begriffsäquivalent).
  • Faktoren, welche die Neuprägung von Gebärden für technische Begriffe innerhalb dieser Gruppe von Gebärdenden beeinflussen. All diese linguistischen Fragestellungen werden in geplanten Publikationen von Boyes Braem & Tissi und von Stocker detaillierter diskutiert.

 

Erfahrung bezüglich der Internet Technologie

Eine der ursprünglichen Gründe, dieses Lexikon im Internet aufzuschalten, waren die bekannten Probleme von CD-ROMs und DVDs, die ständig upgedated werden müssen, um mit neuen Computersystemen Schritt zu halten. Das Team musste in den Schlusswochen des Projektes lernen, dass auch Daten die auf einer Internetseite publiziert werden ständig überwacht werden müssen betreffend möglicher Wechsel auf dem Hostserver (Wechsel, die nicht immer alle vom Provider vorgängig angemeldet werden und die plötzlich und schwerwiegend das Funktionieren einer existierenden Webseite beeinträchtigen können).

 

Zukunft dieses Lexikons für Technische Fachgebärden

Nach der Beendigung dieses Projektes wird die 'Fachgebaerden'Webseite an den Schweizerischen Gehörlosenbund (SGB-FSS) übergeben, der entscheiden wird, ob sie in dieser Form aufrecht erhalten oder auf einer Webplattform integriert wird, welche von SGB-FSS als allgemeine Informationsquelle und als Unterrichtslexikon für die Schweizerischen Gebärdensprachen entwickelt wird. Zusätzlich werden alle lexikalischen Informationen, die Videos und weitere unterstützende Materialien, die auf der Fachgebärden-Website dieses Projektes erscheinen, an der HfH aufbewahrt, wo sie für die Studierenden und die Unterrichtenden dieser Institution verwendet werden können.

 

 

  • Expertteams (Inhalt-DSGS): Ronny Bäurle (Wirtschaft), Daniel Hadorn (Wirtschaft), Michel Laubacher (Wirtschaft), Zdrawko Zdrawkow (Arbeitswelt), Rolf Zimmermann (Arbeitswelt), Salome Lienin (Ernährung), Barbara Pettinato (Ernährung), Barbara Wirz (Ernährung).
  • Fachberater (Inhalt-Deutsch): Wirtschaft: Christine Benz (Berufsschule für Hörgeschädigte Zürich), Daniel Hadorn (Schweizischer Gehörlosenbund, SGB-FSS), Peter Fricke (Berufsschule für Hörgeschädigte Zürich), Arbeitswelt: Stefan Erni (Berufsschule für Hörgeschädige Zürich), Ernährung: Patrizia Koller
  • Videomodelle: Andreas Blaser (Wirtschaft), Zdrawko Zdrawkow (Arbeitswelt), Barbara Pettinato (Ernährung), Katja Tissi (Einführung), Carmela Zumbach (Hilfe).
  • Videotechnik: FOCUSFIVE: Stanko Pavlica, Arno Galmarini, Stefan Ulrich
  • Informatik u. Gestaltung: Peter Chylewski

Publikationen

  • Boyes Braem, P., Groeber, S., Stocker, H. & Tissi, K. (2012). Weblexikon für Fachbegriffe in Deutschschweizerischer Gebärdensprache (DSGS) und Deutsch. eDITion, 2, 8-14. PDF
  • Ebling, S., Tissi, K. & Volk, M. (2012). Semi-automatic annotation of semantic relations in a Swiss German sign language lexicon. In: 5th Workshop on the Representation and Processing of Sign Languages: Interactions between Corpus and Lexicon, LREC 2012, Istanbul, 21 May 2012 - 27 May 2012, 31-36.
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Fakten

Laufzeit
08/2007-07/2010
Nr.
4_5

Projektleitung

Kontakt

Forschung und Entwicklung
Tel: +41 44 317 11 81

zfe[at]hfh.ch zfe