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Bewegte Sprache: Interview mit Prof. Dr. Nadine Madeira Firmino

Am 25. Februar fand an der HfH der Vortrag «Bewegte Sprache: Bewegungsorientierte Sprachbildung und -förderung in den ersten Lebensjahren» statt. Wir haben die Referentin des Vortrags Prof. Dr. Nadine Madeira Firmino, Fliedner Fachhochschule Düsseldorf, in einem Interview zum Thema befragt.

Welchen Stellenwert hat die Sprachbildung und -förderung Ihrer Meinung nach in den deutschen Kitas der heutigen Zeit?

Sprache gilt als zentrale Schlüsselkompetenz für den Bildungserfolg und für die aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Besonders auf bildungspolitischer Ebene stellt die Stärkung sprachlicher Kompetenzen das zentrale Thema dar.

Warum ist ein Konzept wie die bewegungsorientierte Sprachförderung erfolgsversprechender für die Kinder als andere Konzepte?

Bewegung besitzt ein entwicklungsförderndes Potenzial, welches sich insbesondere in den ersten Lebensjahren positiv auf den Spracherwerb, auswirken kann. Über die Bewegung kommen Kinder mit anderen in Kontakt und können an gemeinsamen Aktivitäten teilhaben. Bewegungsaktivitäten stellen für Kinder einen Rahmen dar, in dem Sprechanlässe geschaffen, Dialoge angebahnt und Interaktionen aufgebaut werden können. Im Rahmen der bewegungsorientierten Sprachbildung steht nicht nur die Stärkung der linguistischen Kompetenzen im Vordergrund, sie verfolgt auch eine ganzheitliche Perspektive auf den Spracherwerb und umfasst somit alle Sprachbereiche. Damit gemeint sind nicht nur die linguistischen Sprachbereiche – wie Wortschatz, Artikulation und Grammatik –, sondern auch die nonverbalen Ausdrucksmöglichkeiten sowie die Bedeutung prosodischer Anteile. Im Vordergrund stehen das Wecken der Freude an Sprache und die Unterstützung der Kommunikation der Kinder. Die Auseinandersetzung mit Bewegung als Medium zur Stärkung frühkindlicher Bildungsprozesse gehört damit zu den Querschnittsaufgaben der Institutionen des Elementarbereichs.

Bietet ihr Konzept auch mehrsprachigen Kindern eine Möglichkeit der Sprachförderung?

Insbesondere Kinder, die die deutsche Sprache als Zweit- oder Drittsprache erwerben, profitieren von bewegungs- und handlungsorientierten Zugängen zur Sprache. So können sie zum Beispiel auf ihren bestehenden sprachunabhängigen Kompetenzen aufbauen und sich über ein Medium ausdrücken, in dem sie sich sicher fühlen.

Im Zeitalter der Integration/ Inklusion werden verstärkt Sprachförderkonzepte benötigt, die einerseits spezifisch fördern gleichzeitig aber auch allen Kindern die Möglichkeit zur Teilhabe ermöglichen.Wie ordnen Sie ihr Konzept in dieser Landschaft ein?

Eine bewegungsorientierte Sprachbildung richtet sich an alle Kinder – unabhängig von allen Differenzkategorien.

Welche Relevanz hat Ihrer Meinung nach die spezifische Aus- bzw. Weiterbildung das Kita-Personals in Bezug auf Sprachförderung?

Sprachbildung ist Querschnittsaufgabe des pädagogischen Alltags und somit Aufgabe aller am Alltag beteiligten pädagogischen Fachkräfte. Ein Kind macht keinen Unterschied mit wem es spricht – ob mit der Sprachförderkraft oder der Gruppenerzieherin. Dass Sprachanlässe im Hier und Jetzt stecken, zeigen auch Forschungsergebnisse und konzeptionelle Überlegungen der letzten Jahre. Ziel ist es, dass pädagogische Fachkräfte diese vielfältigen Situationen im Alltag aufgreifen und für sprachbildende Momente nutzen. Im Rahmen der bewegungsorientierten Sprachbildung ist von wesentlicher Bedeutung, dass sich die pädagogischen Fachkräfte ihrer Rolle als wichtiges Sprachvorbild bewusst sind und jedes Kind ausgehend von seinen individuellen Sprachkompetenzen in seiner weiteren sprachlichen Entwicklung unterstützen. Es ist somit nicht nur Aufgabe einzelner spezifisch ausgebildeter Fachkräfte, diese Rolle anzunehmen und sich für die sprachliche Bildung in der Einrichtung verantwortlich zu fühlen. Vielmehr ist es Aufgabe des gesamten Teams, die sprachliche Bildung aller Kinder im Sinne einer Querschnittsaufgabe im Alltag zu unterstützen – dies kann nur durch eine gemeinsame Teamweiterbildung gelingen.

Ist ihr Konzept in den Räumlichkeiten einer Kita durchführbar oder braucht es Zusatzräume, wie Turnhallen etc.?

Die bewegungsorientierte Sprachbildung prägt den pädagogischen Alltag und erreicht alle Kinder einer Einrichtung von Beginn an. Sie kann den gesamten sprachlichen Alltag der Kindertageseinrichtungen durchziehen und nutzt – statt vorgegebener Materialien und festgelegter Zeiten – alltägliche Situationen, um sprachbewusste und sprachbildende Prozesse anzuregen. So werden Sprachanlässe, die sich zum Beispiel beim Anziehen, im Freispiel, bei Bewegungsaktivitäten oder beim Vorlesen ergeben, aufgegriffen und sprachanregend gestaltet.

Prof. Dr. Nadine Madeira Firmino ist Dozentin im Lehrgebiet Frühe sprachliche Bildung an der Fliedner Fachhochschule Düsseldorf.

Die Fragen stellte Karoline Sammann Link zur Kontaktübersicht Karoline Sammann, Mitarbeiterin am Institut für Sprache und Kommunikation unter erschwerten Bedingungen, HfH.

Vortrag am 25. Februar 2019

Am Vortrag beschäftigen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit den Grundlagen einer bewegungsorientierten Sprachbildung. Neben der Vorstellung aktueller Erkenntnisse aus der Wissenschaft zur bewegungsorientierten Sprachbildung, bietet der Vortrag Anregungen zur Verknüpfung sprachlicher und motorischer Ausdrucksmöglichkeiten. 

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