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Interview: «Erst lesen, dann lösen? Für einen Drittel meiner Klasse funktioniert das nicht.»

Patrizia Bäder arbeitet als Primarlehrerin an der Schule Endingen (Bezirk Zurzach AG). Daneben ist sie mit zwei Wochenlektionen als Schulische Heilpädagogin in einer 3. und 4. Klasse tätig. Sie studiert berufsbegleitend an der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik (HfH) in Zürich.

Frau Bäder, Sie haben vor fünf Jahren die PH abgeschlossen und arbeiten seither als Primarlehrerin und Schulische Heilpädagogin. Was hat Sie dazu bewogen, das Studium an der HfH aufzunehmen?

Als Junglehrerin war ich hauptsächlich damit beschäftigt, meine Klasse im Griff zu haben, Lektionen vorzubereiten und den Unterricht am Laufen zu halten. Erst mit der Zeit habe ich gemerkt, was es bedeutet, Kinder mit ganz individuellen Voraussetzungen und Lernbedürfnissen zu fördern. Und mit dieser Erkenntnis ist bei mir das Interesse erwacht, mehr über dieses Lernen zu erfahren, besser zu verstehen, wie man Kinder wirklich in ihrem Lernen begleitet.

Haben Sie ein konkretes Beispiel?

Ja, nehmen wir das Rechnen mit Grössen in Textaufgaben. Von meiner eigenen Schulerfahrung her gedacht heisst das: Erst Lesen und dann Lösen. Aber für mindestens einen Drittel meiner Klasse funktioniert dieses simple Programm nicht. Bei ihnen heisst es: Lesen – und dann erst mal nicht Verstehen, was gemeint ist. Um eine Vorstellung von Grössen zu bekommen, brauchen diese Kinder konkrete Bilder aus dem Alltag. Da sage ich dann etwa: «Nimm ein Pack Zucker in die Hand, dann spürst du, wie schwer ein Kilo ist.»

Gehören solche didaktischen Prinzipien nicht in die pädagogische Grundausbildung von Lehrpersonen?

Doch, natürlich. Das wurde an der PH auch vermittelt. Aber jetzt an der HfH kann ich genau jene Themen gezielt vertiefen, welche meine eigene Unterrichtspraxis tangieren. Und weil ich berufsbegleitend studiere, kann ich das Gehörte sofort umsetzen und ausprobieren. Mir hat das die Tür zu einer völlig neuen Sichtweise geöffnet. Das Studium an der HfH hat bei mir einen Prozess in Gang gesetzt, mein eigenes Unterrichtshandeln zu reflektieren und weiterzuentwickeln. Und das verändert auch bei den Schülerinnen und Schülern etwas.

Gibts auch mühsame Seiten am Studium?

(lacht). Ja, klar, die gibt es immer. Manchmal sind die Vorlesungen lange und theorielastig. Und es gibt Themen, die haben zum Teil wenig mit meinem aktuellen Unterricht zu tun. Das interessiert mich dann nicht gleich stark.

Wie geht es bei Ihnen beruflich nach dem Studium weiter? Haben Sie schon Pläne?

Ich will weiterhin als Klassenlehrerin eine eigene Klasse führen und daneben als Schulische Heilpädagogin an einer anderen Klasse arbeiten. Dieser Mix passt mir gut.

Jetzt bin ich erstaunt: Wieso nicht Vollzeit als Schulische Heilpädagogin?

Sehen Sie: Im Kanton Aargau stehen pro Klasse nur wenige Stunden «Integrierte Heilpädagogik» zur Verfügung. Die Gemeinden haben wenig Spielraum, die Ressourcensituation selber zu gestalten. Als SHP mit einem vollen Pensum müsste ich sehr viele Klassen betreuen.

Ungefähr ein Dutzend, oder?

Genau. Und da ist es fraglich, ob man die Qualität und die gute Zusammenarbeit noch gewährleisten kann. Zudem: Mir gefällt es, eine Klasse zu führen. Und mit dem Rucksack, den ich an der HfH kriege, mache ich schlicht anderen Unterricht. Und davon profitieren alle Kinder.

Info-Box

Interessiert an einer Ausbildung? Am 16. Mai von 15 bis 17.30 Uhr zur HfH-Agenda gibt es an der HfH Informationen aus erster Hand. Dozierende zeigen, wie das Studium der Sonderpädagogik mit Vertiefungsrichtung Schulische Heilpädagogik MA Schulische Heilpädagogik oder Heilpädagogische Früherziehung MA Heilpädagogische Früherziehung aufgebaut ist und abläuft. Schauen Sie unverbindlich vorbei. Wir freuen uns auf Sie! 

 

Interview: Dr. Steff Aellig, Dozent HfH


Dieser Artikel erschien im Schulblatt der Kantone AG/SO: Artikel als PDF / Schulblatt Kt. AG/SO, S. 26, 5/2018 PDF öffnen

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