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Zum Tod von Richard Taylor: Ein Nachruf

Jürgen Steiner über den ersten Sprecher der Demenzbetroffenen, den Amerikaner Richard Taylor.

"Demenz ist nicht in der Lage, Menschen sprachlos zu machen. Die Betroffenen sind da und melden sich zu Wort. Und sie werden inzwischen gehört. Das ist der grosse Verdienst des ersten Sprechers der Demenzbetroffenen, Richard Taylor. Der Frontmann ist gegangen – sein Spirit bleibt.

Taylor, der mit Humor und beeindruckender Sprachkraft seine Gesprächspartner zunächst einmal zu entspannen suchte mit „I am only Richard“, war als Psychologieprofessor gewohnt zu reflektieren. Sein Buch „Alzheimer’s from the Inside Out“ („Alzheimer und Ich“) ist hier der Ausgangspunkt.

Verstand, Esprit, Humor, Schaffenskraft und Einsatz für andere – das alles mit, trotz und für die Demenz. Richard Taylor, bereits diagnostiziert im Alter von 58 Jahren, zeigt uns wie das Wort Vorbild mit Inhalt zu füllen ist. Klarheit und Leichtigkeit machen seine Texte aus. Das heisst aber nicht, dass er sie mit Leichtigkeit schrieb – der Weg dorthin war vielmehr eine enorme Kraftanstrengung. Vor dieser Energieleistung für Bücher, Filme, Homepage, Newsletter, Vorträge und Statements ziehen wir den Hut. 

Richard Taylor habe ich zum ersten Mal in Zürich auf der Tagung „Demenz und Ethik“ als Referent gesehen und gehört. Er brauchte Hilfe beim Umblättern des Manuskripts, unterhielt aber mit Esprit ein anspruchsvolles Publikum. Tage später las ich in der NZZ einen Beitrag über Richard, der nur auf den ersten Aspekt einging: Ein Demenzbetroffener, der Hilfe braucht und weitere Hilfe brauchen wird, im Angesicht dieser fortschreitenden Krankheit, die ja weiter fortschreite und so weiter. In einem Leserbrief versuchte ich dann die andere Seite des Vortrags, die andere Seite von Richard zu betonen, den Esprit. Hiervon ausgehend haben wir dann ein langes Interview in der HfH geführt, das aufgenommen und sehr gekürzt zu einer DVD zusammengeschnitten wurde. Demenz ist ein Thema der Logopädie-Ausbildung in unserer Hochschule. Damit bleibt auch Richard Taylor ein Thema.

„Was wir benötigen, sind Soziozeutika und nicht nur Pharmazeutika“ – dies ist eine seiner wichtigen Hauptaussagen und der Motor für das Plädoyer, Menschen mit Demenz und ihre Mitbetroffenen zu empowern. Therapie ist eine Form des Empowerments. Demenz ist eine Behinderung, die Einfluss auf die Umwelt nimmt bzw. Anforderungen zur Bearbeitung an sie stellt. Es kann unmöglich sein, dass sich Forschung auf den „ultimativen Impfstoff“ und Therapie sich auf das „ultimative Medikament“ beschränkt.

„Thank you for what you do and how you do it“ widmete mir Richard in einem seiner Bücher. „Thank you for what you did and how you did it – and it will go on“ möchte man ihm nun zurufen. Taylor hat sich in seiner Bescheidenheit nie als Frontmann gesehen. „Ich bin nicht die Stimme der Demenz“, sagt er. „Es gibt Millionen Stimmen.“ Dann wird noch einiges hörbar werden.

Was bleibt? Es bleibt die Vision von einer Normalisierung der Demenz. Menschen mit Demenz sind Personen. Sie bekommen Beratung, Hilfe und die Zusicherung jener Entscheidungsfreiheit, die zum entsprechenden Zeitpunkt möglich ist."

Dieser Nachruf, verfasst von Jürgen Steiner, Leiter des Studiengangs Logopädie an der HfH, wird auch in "FORUM LOGOPÄDIE", "logoTHEMA" und im SAL-Bulletin veröffentlicht. Dr. Richard Taylor verstarb am 25. Juli in den USA. 

Die DVD "Demenz & Esprit" - Jürgen Steiner im Gespräch mit Helga Rohra und Richard Taylor - ist im HfH-Shop Shop erhältlich. 

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