Logopädie im Erwachsenenbereich

Kategorie Institutsthema

Die Themenvielfalt, die der Fachbereich Logopädie im Erwachsenenbereich bearbeitet, ist breit: Sprache und Kommunikation, Sprechen, Stimme, Schlucken. Zudem gehört die Behandlung von Gesichtslähmungen zu unserem therapeutischen Repertoire.

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Susanne Bauer Titel MA

Funktion

Senior Lecturer

Bei der logopädischen Therapie im Erwachsenenbereich können unterschiedliche Ursachen für Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen sowie Gesichtslähmungen zugrunde liegen: neurologische, onkologische, funktionelle und psychogene.

  • Eine Sprachstörung (Aphasie) tritt meist nach einer Verletzung der sprachdominanten Hirnhälfte auf, während eine Sprechstörung (Dysarthrie) auch ein Resultat von degenerativen Erkrankungen wie beispielsweise Parkinson sein kann.
  • Schluckstörungen (Dysphagien) können je nach Ausprägung die Lebensqualität der Patienten dramatisch einschränken oder lebensbedrohliche Folgen nach sich ziehen, namentlich Lungenentzündungen und Mangelernährung.
  • Stimmstörungen (Dysphonien) werden nach funktioneller, organischer oder psychogener Ursache kategorisiert.
  • Gesichtslähmungen (Fazialisparesen) treten in den meisten Fällen einseitig auf. Sie können deutliche Auswirkungen auf die Artikulation haben, die körperliche Integrität der Betroffenen einschränken und deren Teilhabe an der Gesellschaft beeinträchtigen.

Schwerpunkte

Am Institut für Sprache und Kommunikation arbeiten die Mitarbeiter:innen an verschiedenen Projekten, die Fachpersonen und Interessierte bei ihrer täglichen Arbeit mit erwachsenen Patientinnen und Patienten unterstützen können. Folgende Schwerpunkte sind aktuell:

Dysarthrie

Die Dysarthrie ist eine Sprechstörung, welche die Verständlichkeit einschränkt. Das Sprechen stellt ein Zusammenspiel aus Atmung, Stimmgebung und Artikulation dar. Im Rahmen von Dysarthrien können alle Bereiche in unterschiedlichem Masse betroffen sein. Neben Schlaganfall sind neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson die häufigsten Ursachen.

Im Buch Sprechen und Stimme bei Parkinson (Hunziker, Degen, 2022) wird ein neues interdisziplinäres, in der Praxis erprobtes Kurskonzept für Menschen mit Parkinson vorgestellt. Ziel der Arbeit in der Gruppe ist die Stärkung des Grundvertrauens in die Bewegung und das Sprechen. Durch bewegungsunterstütze Übungen wird die Stimme gekräftigt und die Verständlichkeit verbessert. Bei der Durchführung der Übungen liegt der Fokus beim Sammeln von neuen Erfahrungen, das heisst bei der Entdeckung individueller Ressourcen. Die Vorstellung von Kurseinheiten und eine reiche Sammlung von Übungen runden das Buch ab.

Dysphagie

Schluckstörungen bleiben bisher leider häufig unerkannt. Unbehandelt kann eine Dysphagie zu einer Malnutrition, Dehydrierung bis hin zu einer lebensbedrohlichen Aspirationspneumonie führen und generiert hohe Kosten.

Schluck-Erfassung für Alters- und Pflegeheime (SERAPH). Mit SERAPH wurde ein Bogen zur Entscheidungshilfe und Erkennung von Schluckstörungen in Alters- und Pflegeheimen entworfen. Ziel ist es Dysphagien möglichst frühzeitig zu erkennen und entsprechende Therapien einzuleiten, um die daraus resultierenden Folgen zu minimieren, den Gesundheitszustand der Patient:innen und somit die Lebensqualität bestmöglichst zu erhalten.

  • Der Bogen umfasst insgesamt 10 geschlossene Fragen, die in drei Bereiche unterteilt sind: Voruntersuchung, Beobachtung während der Mahlzeitaufnahme und Beobachtung direkt nach Beendigung der Mahlzeit.
  • Die Auswertung erfolgt je nach Anzahl der «Nein-Antworten» und gibt in zwei Abstufungen weiterführende Handlungsempfehlungen vor.
  • Bei zweimaligem «Nein» liegt der Verdacht auf eine vorliegende Dysphagie nahe und eine engmaschige Beobachtung wird empfohlen. Werden mindestens vier von 10 Fragen mit «Nein» beantwortet, gilt der Verdacht auf eine Schluckstörung als erhärtet und eine differenzierte Schluckabklärung durch eine ausgebildete Fachperson wird angeraten.

Im Beitrag Dysphagietherapie bei Erwachsenen aus pragmatischer Sicht (Hunziker, Zöllner, 2021) werden zunächst basierend auf dem Kaskadenmodell der Fallbearbeitung Grundlagen für die Herangehensweise bei diesem sehr komplexen, individuellen und verantwortungsvollen Gebiet aufgezeigt. Anschliessend wird ein mögliches Vorgehen anhand der ambulanten Schlucktherapie eines Parkinsonbetroffenen im Rahmen eines Fallbeispiels erläutert.

Aphasie

Verbale Sprache ist für einen Grossteil der Menschen das wichtigste Werkzeug für eine gelingende Kommunikation und Partizipation am täglichen Leben. Bei einer Sprachstörung können verschiedene Modalitäten (unterschiedlich stark) betroffen sein: Sprechen, Verstehen, Lesen und Schreiben. Je nach Ausprägung, individueller Lebenssituation, Hobbies und Ressourcen wird eine Therapieentscheidung getroffen und die Schwerpunkte für eine logopädische Therapie zusammen mit dem Patienten bzw. der Patientin bestimmt.

Mit Therapieindikatoren Aphasie (TInA) wurde ein Tool entwickelt, um die Bereiche

  • sprachliche Kompetenz: Sprachproduktion und Sprachverständnis, (mündlich und schriftlich)
  • Kommunikation: kommunikative Absicht, Gesprächskompetenz
  • Aktivität und Partizipation: Alltagsaktivitäten, soziale Kontakte
  • Kontext: personenbezogene Faktoren, Umweltfaktoren
  • Therapie

zu erfragen und über verschiedene Indikatoren auf dem Hintergrund der ICF ein individuelles Profil bei sprachlich-kommunikativen Störungen im Kinder- und Erwachsenenbereich festzulegen. Das computergestützte Verfahren wird bei Fragen zum weiteren Therapiebedarf eingesetzt und ist nicht an einen bestimmten Zeitpunkt im Therapieverlauf gebunden. Studien belegen, dass durch eine hohe Therapieintensität signifikante Verbesserungen der sprachlichen Leistungen erzielt werden können.

Durch den enormen Fachkräftemangel in der Schweiz kommt es zu langen Wartezeiten, bis ein Therapieplatz zur Verfügung steht. Oftmals bestehen nur Kapazitäten für eine wöchentliche Therapiesitzung. Strukturiertes Eigentraining ermöglicht es, die Übungsfrequenz deutlich zu erhöhen. In Anlehnung an das miniLÜK-System wurde ein sechsteiliger Therapiematerial-Band «Sprachtherapie – Hirnfunktionstraining» erarbeitet. Inhaltlich gliedern sich die Hefte in die Themenbereiche Informationsverarbeitung, Verarbeitungsgeschwindigkeit und Planungskompetenz und vereinen somit die Schnittstelle aus kognitiven und sprachlichen Leistungen. Durch die Unterteilung in Basis, Alltag und Beruf sind alle Schweregrade der aphasischen Störung abgedeckt und orientieren sich an den ICF-Ebenen Aktivität und Teilhabe.

Team. Die Themen rund um Logopädie im Erwachsenenbereich werden von Christin Wissel, Senior Lecturer, Dr. Erika Hunziker, Co-Studiengangsleitung Bachelor Logopädie und Studiengangsleitung Master Logopädie, Yvonne Fahrni, Advanced Lecturer und Susanne Bauer, Senior Lecturer, bearbeitet.