Vorgehen
Die Ergänzungsstudie verfolgt das Ziel, die betrieblichen Bedingungen zu identifizieren, die eine erfolgreiche Ausbildung von Lernenden mit erhöhtem Unterstützungsbedarf im ersten Arbeitsmarkt fördern oder erschweren und welche Handlungsempfehlungen sich daraus für das Mittelschul- und Berufsbildungsamt (MBA) des Kantons Zürich ergeben. Im Zentrum stehen dafür die Erfahrungen der Berufsbildner:innen.
Untersucht werden diese Erfahrungen aus den Lehrbetrieben entlang verschiedener Themenbereiche. Berücksichtigt werden unter anderem die Ausgangslage im Betrieb sowie der Zeitpunkt, zu dem ein erhöhter Unterstützungsbedarf bekannt wurde. Darüber hinaus werden konkrete Herausforderungen im Ausbildungsalltag und in unterschiedlichen Phasen der Ausbildung in den Blick genommen. Ebenso werden förderliche Rahmenbedingungen innerhalb und ausserhalb des Betriebs, vorhandene Kompetenzen und Unterstützungsstrukturen sowie zentrale Erfolgsfaktoren aus Sicht der Berufsbildner:innen untersucht. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Weiterentwicklungs- und Unterstützungsbedarf der Betriebe.
Das Evaluationsdesign basiert auf einer kantonsweiten querschnittlichen, quantitativen Erhebung und richtet sich an alle im Kanton Zürich zugelassenen Lehrbetriebe (angeschriebene Stichprobe: N ≈ 12’000). Die Datenerhebung erfolgt über einen standardisierten Online-Fragebogen (LimeSurvey). Der Fragebogen umfasst überwiegend geschlossene und teilweise ergänzende offene Fragen, die eine zusätzliche oder weiterführende Erläuterung ermöglichen. Die Entwicklung des Fragebogens knüpft zum einen an bestehende Forschung zur Rolle von Betrieben in der (inklusiven) Berufsausbildung (z. B. Enggruber & Rützel, 2014; Knispel et al., 2021; Stalder & Schmid, 2006, 2008) und baut zum anderen auf Vorarbeiten der WIB-Studie auf. Aus diesem Datensatz werden rund sechs Betriebe ausgewählt, welche anhand von qualitativen Erhebungen (Interviews mit Ausbildungsverantwortlichen und Lernenden) weiter untersucht werden. Ziel ist, «Situationsvignetten» zu erstellen, bei welchen Herausforderungen und Lösungsansätze sichtbar werden – mit dem Fokus auf Lernenden, bei denen erst während der Ausbildung besonderer Unterstützungsbedarf sichtbar wurde.
Die Auswertung des quantitativen Teils erfolgt mit SPSS und umfasst deskriptive wie auch multivariate Verfahren. Das Ziel besteht darin, Zusammenhänge zwischen Betrieben und Branchen sowie verschiedenen Einflussfaktoren, wie Einstellungen, Ausbildungspraxis von Lernenden und Unterstützungsbedarf, systematisch zu analysieren. Zur Identifikation von Mustern und Typologien kommen neben Regressions- und Faktorenanalysen gegebenenfalls auch Clusteranalysen zum Einsatz. Die Antworten auf offene Fragen aus dem Fragebogen werden ergänzend inhaltlich ausgewertet. Die Antworten werden kategorisiert und thematisch strukturiert, um wiederkehrende Muster, Argumentationslinien und Bedarfe sichtbar zu machen.
Das MBA begleitet die Studie fachlich, unterstützt bei der Fragebogenentwicklung, stellt Kontakte zu Betrieben bereit und wirkt bei der Einordnung der Ergebnisse sowie bei der Ableitung möglicher Massnahmen mit.